Augmented Reality – Neue Welt auch für Konzeption und UX-Consulting?

HotelsNowVarianten und Möglichkeiten von Augmented Reality-Apps für iPhone&Co. hat Martin Beschnitt in seinem Beitrag zum Thema bereits anschaulich beschrieben und diskutiert. Ohne Zweifel zeichnet sich Augmented Reality als großer Trend ab, der zumindest das Potential hat, unseren Umgang mit digitalen Medien zu revolutionieren. Schließlich besteht bei diesen Apps für die Nutzer zum ersten Mal die Möglichkeit, sich Informationen in die „reale Umwelt“ zu holen, fast ohne sich mit Interfaces und Bedienkonzepten beschäftigen zu müssen.
Was aber bedeutet diese Entwicklung für alle, die sich mit der Konzeption von Interfaces beschäftigen?
Bereits die Konzeption „normaler“ Apps für mobile Geräte erfordert eine andere Herangehensweise als für Sites und Software, die nicht mobil genutzt werden.

Dort werden häufig so viele Optionen wie möglich angeboten, bei Apps empfiehlt sich dagegen eine konsequente Reduzierung auf die für die mobile Nutzung wesentlichen Inhalte und Funktionen.
Augmented Reality-Angebote verschärfen diese Anforderung zusätzlich, indem die „Bedienung“ fast vollständig in den Hintergrund tritt. Lediglich die hier und jetzt benötigten Informationen und Funktionen sollten die Realität bzw. die über die Kamera des iPhones angezeigte Umgebung anreichern.
Ein gutes Beispiel dafür ist „HotelsNow“ von HRS. Dort werden für die gefundenen Hotels nur die wichtigster Eckdaten zum Hotel angezeigt.

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Hoteldetails bei HotelsNow

Von den Hoteldetails aus hat man lediglich zwei Optionen – die Anzeige der Route zum Hotel und die Buchung über HRS. Für die Situationen, in denen man spontan ein Hotel in der direkten Umgebung sucht ist das vermutlich völlig ausreichend, während auf dem ursprünglichen Hotelportal weit mehr Informationen erwartet werden.
Wie findet man nun heraus, welche Services tatsächlich relevant sind? Wo entstehen Probleme bei der Anwendung von Augmented Reality-Apps? Und nicht zuletzt: Wie werden entsprechende Apps tatsächlich im Alltag genutzt?
Durch diese Fragestellungen ergeben sich auch für Usability-Consultants neue Herausforderungen im Zusammenhang mit Augmented Reality-Angeboten. Denn durch die orts- und zeitabhängige Nutzung greifen klassische Formen wie Onlinebefragung und Usabilitytests im Lab nur bedingt. Oft handelt es sich um spontane, auf einen bestimmten Moment geknüpfte Anforderungen, an die man sich eben nicht mehr unbedingt erinnert, wenn man einige Zeit später dazu gefragt wird. Und wer hat schon Spaß daran, sein Hotel über HotelsNow zu suchen, wenn im Hintergrund lediglich die Wand des Usabilitylabs zu sehen ist?
Mit der Zunahme von Augmented Reality werden Methoden wie Nutzertagebücher und ethnographische Studien an Bedeutung gewinnen.
Um Erkenntnisse über die Nutzungsweise und den alltäglichen Gebrauch von Augmented Reality-Angeboten zu gewinnen wäre beispielsweise eine Nutzertagebuchstudie mit Personen, die entsprechende Angebote bereits nutzen gut geeignet. Jeder Anwendungsfall inklusive der Intentionen und Erfahrungen wird dabei vom Nutzer selbst dokumentiert. Die ausgewerteten Tagebücher dienen dann später der Optimierung bestehender Services.
Ein weiterer denkbarer und wichtiger Weg wäre es, mit den Nutzern gemeinsam vor die Tür zu gehen, sie dort zu beobachten und zu interviewen. Tests mit rekrutierten Personen, die Testaufgaben erfüllen sind dabei relevant, genauso aber auch Beobachtungen im Alltag, die nur durch ein kurzes Interview mit der beobachteten Person ergänzt werden. Schwierigkeiten und Verbesserungspotentiale der Anwendungen können so erkannt werden.
Um schon vor und während der Entwicklung von Anwendungen Einblick in Anforderungen und Bedürfnisse zu erhalten, sollte aber nicht nur die Augmented Reality-Nutzung berücksichtigt werden. Auch derjenigen Informationen, die während der täglichen Wege benötigt aber noch nicht geboten werden, sind für die Anforderungsanalyse relevant. Beispielsweise können Gespräche und Tagebuchstudien mit Touristen Aufschluss über deren Bedürfnisse bei der Erkundung einer fremden Stadt geben. Der Wohnungssuchende kämpft dagegen mit Stadtplänen, Notizen und Bildern der potentiellen neuen Unterkunft. Hier lassen sich sicher Anwendungsfälle für Augmented Reality entdecken.
Alles in Allem lässt sich feststellen, dass sich mit einer Zunahme der Augmented Reality-Angebote auch der Arbeitsplatz von Usabilty-Consultants wieder ein Stück weiter in den Alltag der Nutzer bewegen wird.
Wie sehen Sie diese Entwicklung? Haben Sie bereits Erfahrungen mit dem Testen von Augmented Reality-Apps?

2 Gedanken zu „Augmented Reality – Neue Welt auch für Konzeption und UX-Consulting?

  1. Pingback: Augmented Reality auf dem iPhone - ein Blick auf Apps, die unsere Realität erweitern | usabilityblog

  2. Pingback: Top 5 Trends für Augmented Reality - WeAreAR - Der Augmented Reality Blog - WeAreAR – Der Augmented Reality Blog

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