Mit einem Card Sorting zur nutzerfreundlichen Informationsarchitektur

Auf die Schwierigkeiten der Entwicklung einer nutzerfreundlichen Informationsarchitektur in Intranets wurde bereits im 3. Teil der Serie Intranet-Relaunch eingegangen. Dieses Problem besteht jedoch nicht allein in Intranets sondern genauso auf Website und speziell in Online-Shops.

Häufig handelt es sich bei der Strukturierung der Inhalte in Intranets oder Online-Shops um gewachsene Strukturen. In Intranets ist diese Struktur häufig abteilungsorientiert. Wer für ein Thema zuständig ist, stellt dieses in „seinen“ Bereichen ein. In Online-Shops geht es häufig nach der Zuständigkeit der Einkäufer, wo Dinge einsortiert werden. Hier kommt erschwerend hinzu, dass der Wunsch besteht, die eigenen Produkte möglichst weit oben in der Hierarchie, am besten auf der ersten und damit sofort sichtbaren Ebene, anzuordnen.

Die Sicht der Nutzer ist eine ganz andere, egal ob es sich wie bei Intranets um Mitarbeiter oder bei Online-Shops um Nutzer bzw. Kunden handelt. Wenn nach einem Thema im Intranet gesucht wird, dann weiß der Mitarbeiter meist nicht, welche Abteilung dafür zuständig ist und schon gar nicht, kennt der Kunde im Online-Shop die Einkaufsstrukturen. Folge ist, dass die Nutzer sich nur schwer zurechtfinden. Es geht viel Zeit mit Suchen verloren! In Intranets wird dadurch Arbeitszeit verschwendet. Die Nutzer von Online-Shops wechseln schlimmstenfalls sofort den Shop und kommen nicht wieder.

Spätestens wenn solche Probleme erkannt werden, sollte die Informationsarchitektur überarbeitet werden. Es gilt, das konzeptuelle Modell der Experten in das mentale Modell der Nutzer zu überführen. Ziel ist es, die Inhalte bzw. Produkte entsprechend dem mentalen Modell der Nutzer anzuordnen.

Nutzersicht

Aber wie kann das mentale Modell der Nutzer ermittelt werden?

Hierbei behilflich ist die Methode des Card Sorting. Im Rahmen dieser Methode stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, so kann das Card Sorting in Form von Einzelterminen vor Ort oder auch online durchgeführt werden. Eine wichtige Voraussetzung für die Überarbeitung der Informationsarchitektur ist, dass das Projektteam zu Beginn ein inhaltliches Konzept entwickelt, wie die Informationsarchitektur aussehen könnte, d.h. beispielsweise wird eine thematische Strukturierung angestrebt, dann müssen die zentralen Themen definiert werden.

Wird bei der Entwicklung des inhaltlichen Konzeptes ein Konsens gefunden, in welche großen Themen und damit Hauptrubriken die Inhalte gegliedert werden können, dann kann ein geschlossenes Card Sorting durchgeführt werden. D.h. die Hauptrubriken werden vorgegeben und die Teilnehmer ordnen die Inhalte in Form von Kärtchen diesen Rubriken zu. Besteht jedoch Uneinigkeit über die Anzahl und die Benennung der Hauptrubriken, dann sollte das Card Sorting offen durchgeführt werden. Die Nutzer erhalten die Kärtchen mit den Inhalten und müssen eigene Gruppen bilden und diese benennen. Hierfür benötigt man eine große Anzahl an Teilnehmern, da die Streuung bei der Anzahl der Hauptrubriken stark variieren kann. Eine große Stichprobe ermöglicht es, die optimale Anzahl an Hauptrubriken zu identifizieren und diese zu benennen.

Eine andere organisatorische Frage, die sich bei der Vorbereitung eines Card Sorting stellt, ist, ob es offline also vor Ort oder online stattfinden soll. Wird ein Card Sorting vor Ort durchgeführt, dann hat der Interviewer die Möglichkeit nachzufragen, wenn ein Teilnehmer bei der Zuordnung einer Karte länger überlegt oder an Stellen nachzuhaken, die im Voraus als problematisch/ kritisch identifiziert wurden. Es können umfangreiche Intranets bzw. Sortimente damit optimiert werden, da eine relativ große Anzahl an Karten möglich ist. Dem gegenüber stehen ein hoher Zeitaufwand für die Durchführung der Interviews und hohe Kosten.

Übersteigen die Kosten bzw. die zeitlichen Vorstellungen den Rahmen, dann kann ein Card Sorting auch online durchgeführt werden. Es ist hierbei möglich, eine deutlich größere Anzahl an Nutzern zu befragen. Allerdings gibt es Einschränkungen bei Umfang der zu gruppierenden Inhalte. Da sich das gesamte Card Sorting auf einem Monitor abspielt und die Übersichtlichkeit gewahrt bleiben soll, ist von einer maximalen Anzahl von 40 zu gruppierenden Themen/ Karten auszugehen. Auch fehlt hier gänzlich die Möglichkeit, dass ein Teilnehmer bei Problemen nachfragt, z.B. wenn eine Kartenbeschreibung nicht verstanden wird.

Es gibt mittlerweile eine Reihe von Tools, mit denen ein Card Sorting online durchgeführt werden kann – wie beispielsweise Websort. Die zu gruppierenden Themen (items) können z.B. aus Excel reinkopiert werden. Auch ist es möglich eventuell kritische Begriffe zu erläutern oder sogar Bilder hinzuzufügen. Die Teilnehmer sehen dann die Liste mit Items. Sie ziehen die einzelnen Items auf eine freie Fläche und gruppieren diese dort (siehe Abbildung). Die jeweiligen Gruppen können benannt werden (offenes Card Sorting). Alternativ ist es auch möglich, Rubriken vorzugeben, denen die Themen zugeordnet werden können (geschlossenes Card Sorting).

websort

Ein weiterer Vorteil des Online-Card Sorting ist die schnelle Auswertung. Die Daten liegen gebündelt, digital in dem Tool vor und müssen nur noch ausgelesen werden, dafür werden verschiedene Auswertungen zur Verfügung gestellt. So kann im Falle eines offenen Card Sorting ein Baumverzeichnis erstellt werden, um die optimale Anzahl an Hauptrubriken zu ermitteln. Oder im Falle eines geschlossenen Card Sorting zeigen Kreuztabellen die Häufigkeit der Zuordnung von Items zu den jeweiligen Hauptrubriken an.

Haben Sie Erfahrungen mit anderen Tools? Welche Vor- und Nachteile bringt ein Online-Card Sorting noch mit sich?

4 Gedanken zu „Mit einem Card Sorting zur nutzerfreundlichen Informationsarchitektur

  1. Marion UX

    Super Beitrag, sehr gehaltvoll. Vielen Dank.
    Welche Unternehmen bieten denn solche Analysen an, welche Dienstleister für Card-Sorting Studien gibt es denn am Markt? Könnte mir vorstellen, dass so was nicht grad jede Agentur „um die Ecke“ mal ebenso realisieren kann, oder?

    Antworten
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