Best Practices im DIY-Usability Test von kaeuferportal.de

Um kaeuferportal.de zu erklären muss man ein bisschen ausholen: Auf der Webseite können Interessenten bestimmter Produkte oder Dienstleistungen (mehrheitlich gewerblicher Art, wie etwa Telefonanlagen oder Webdesigner) über ein Formular bis zu drei Angebote von regionalen Fachhändlern anfragen. Die Interessenten werden zurückgerufen und genau zu ihren Wünschen befragt, die Anfrage geht an geprüfte Anbieter aus dem Käuferportal-Netzwerk. Nun werden die Interessenten direkt von den Anbietern kontaktiert und ein Angebot unterbreitet.

So ein Produkt lässt sich, wie man merkt, leider nicht in einem netten Slogan beschreiben. Daher sind Usability Tests für uns nicht mehr wegzudenken. Wie sehen unsere User das Produkt? Wird verstanden, was für einen Service wir anbieten, oder liegen wir mit unserem Wording und unserem Design total daneben? Nur durch die genauen Beobachtungen und Befragungen der User, während sie sich auf unserer Seite befinden, war es uns möglich wichtige Änderungen in Bezug auf Conversion Rate und Design umzusetzen.

Um den Kosten für ein professionelles Team und ein Testlabor aus dem Weg zu gehen (als Start Up möchte man natürlich sparen, wo man nur kann), haben wir unseren eigenen Prozess für einen guten User Test entwickelt, der selbstverständlich auch von anderen Unternehmen in abgewandelter Form übernommen werden kann.

1. Test User finden

Um User für unsere Tests im Büro zu finden, lassen wir Kleinanzeigen auf eBay oder Quoka schalten. Wir haben eine sehr breit gefächerte Zielgruppe, daher ist es fast egal, wie alt die Test User sind oder woher sie kommen. Für bestimmte Nischenwebseiten, zum Beispiel einem Online-Shop für Wanderstiefel, eignet sich auch die Suche in Wanderstiefel-Communities und Foren.

Wir entlohnen die Probanden meistens mit einem kleinen Taschengeldbetrag von 10 bis 20 Euro, das geben wir auch in der Anzeige an. Damit die User (fast) garantiert die Seite zum ersten Mal in unserem Test sehen, geben wir allerdings einen anderen Firmenamen an. Vorraussetzungen an die User gibt es kaum welche (außer Deutschkenntnisse). Aber auch hier ist natürlich die Zielgruppe ausschlaggebend.

(Übrigens haben auch wir die Erfahrung gemacht, dass 3-4 Tester auf jeden Fall ausreichen, um signifikante Erkenntnisse zu gewinnen. Wer mehr darüber erfahren möchte wird bei Jakob Nielsen fündig)

2. Räumlichkeiten vorbereiten

Für die Räume geben wir uns nicht viel Mühe. Wir haben keine Spiegelwand, durch die wir hindurch beobachten oder ähnliche aufwendige Installationen. Wir benötigen für unseren Test eigentlich nur einen PC (oder ein Notebook), zwei Monitore und ein wenig Ruhe. Der Test User arbeitet dabei am PC mit Maus und Tastatur, während wir am anderen, gespiegelten Monitor genau seine Bewegungen beobachten können. Wir setzen uns beim Monitoring schräg gegenüber, um dem User nicht ständig über die Schulter gucken zu müssen (er könnte sich beobachtet und somit eingeschränkt fühlen).

Allgemein versuchen wir immer die Stimmung so locker wie möglich zu halten, um die ehrlichsten Testergebnisse zu bekommen. Wir bieten dem User das Du an und klären ihn direkt darüber auf, dass er eigentlich hier nichts falsch machen, sondern uns nur helfen kann.

3. Testplan entwickeln

Ohne Testplan funktioniert bei uns erst mal nicht so viel. Wir haben so viele Seiten, die wir untersuchen und ändern wollen, dass uns ein großer Test eher überfordern würde. Daher legen wir von Anfang an fest: was wollen wir testen? Den Trichter von Landing Page bis Conversion? Oder eher die Navigation von der Startseite aus? Und so weiter.

Danach entwickeln wir ein Szenario, dass dem User so natürlich und realistisch wie möglich vorkommen soll. Um unsere Treppenliftseiten zu testen, haben wir dem User gesagt, er solle sich vorstellen für seine Oma einen Treppenlift zu suchen. Wir haben dabei beobachtet, wie er bei der Suche über Google vorgeht, bishin zum Klick auf unsere Seite (bzw. unserem Hinweis, nun doch auf diese Seite zu klicken).

Je nachdem, wie man solche Aufgaben beschreibt, kommen natürlich auch andere Ergebnisse heraus. Daher geben wir in einer Testrunde den Usern (meistens 3-4 in einer Sitzung, allerdings nicht gleichzeitig) die gleiche Aufgabe.

Um Erwartungen und Tatsachen letztendlich auseinanderhalten zu können legen wir vorher auch einen Idealweg fest, so, wie wir uns das optimale Testergebnis vorstellen. Anhand dessen können wir vom User lernen, wo unsere Fehler liegen und was wir verbessern können. Es gab schon viele „Aha!“-Momente, bei denen wir feststellen mussten, dass vieles intuitiv gar nicht hätte gefunden werden können.

4. Was dem Test User gezeigt wird

Wir zeigen dem User nicht nur unsere Seite. Anhand des Szenarios kommen viele Situationen zustande wo es auch hilfreich ist von der Konkurrenz zu lernen oder mit ähnlichen Designs zu vergleichen (wenn wir Käuferportal zeigen, erwähnen wir natürlich nicht dass es auch unsere Seite ist. So kann der User bedingungslos ehrlich sein).

So haben wir den User zum Beispiel gefragt, wie er auf einem großen Online Shop ein bestimmtes Produkt finden würde, ohne die Suchfunktion zu nutzen. Das gab uns nochmal viele Tipps dazu, wie man Produkte am effizientesten kategorisiert oder wie der User sich auf bekannten versus unbekannten Webseiten bewegt.

Doch nicht nur Live-Versionen sind gute Testobjekte: auch Mock Ups und Print Entwürfe, beispielsweise Werbeflyer oder Frameworks, eignen sich gut zum Außeinandernehmen. Prototypen können direkt weiterentwickelt und Features noch vor der Veröffentlichung verbessert werden.

5. Analyse

Wir schreiben natürlich sorgfältig mit, welche Fragen gestellt werden und wie der User auf bestimmte Objekte reagiert. Einen festgelegten Fragenkatalog bereiten wir dabei aber fast nie vor, da wir flexibel sein möchten und der Testplan genug Richtung vorweist.

Daher fallen unsere Testergebnisse sehr unterschiedlich in ihrer Art aus. Es dauert manchmal fast einen ganzen Tag, alle Erkenntnisse fein säuberlich niederzuschreiben, zu sortieren, zu kategorisieren und zu vergleichen.

Wir vergleichen unsere Erkenntnisse anhand der Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Lösungswege, die die User genommen haben. Wie stark sind sie von unserem Idealweg abgewichen, und in welche Richtung? Gab es bestimmte Merkmale, die alle oder einer Mehrheit der User aufgefallen sind? Wo kam der User nicht weiter?

Sehr häufig können wir direkt nach einem Test schon sagen, was wir auf jeden Fall ändern werden und wo es noch Diskussionsbedarf gibt. Werden Änderungen anhand der Test vorgenommen, testen wir danach natürlich nochmal um zu sehen, ob wir uns positiv entwickeln konnten. Aber auch den Test selber können wir mit jedem Mal weiterentwickeln: welche Fragen waren zu ungenau, kann man Szenarios noch besser nachspielen, und so weiter.

6. Fazit

Diese Test-Methode hat uns im kleinen Rahmen unserer Webseite schon oft auf die richtige Spur gebracht – und das, wie man sehen kann, ohne großen Aufwand oder gar hohe Kosten. Sicherlich helfen auch Tracking Tools mit Heat Maps und gute Trichterstatistiken dabei, an das gewünschte Ziel näher zu kommen. Allerdings ist die Nähe und die direkte Beobachtung zu einem User bei einem solchen Test schon oftmals viel wertvoller gewesen.

Es gibt Situationen, da ist ein Labor mit Sicherheit deutlich besser geeignet als so ein „Laien“-Prozedere, und Videoaufnahmen zur Beobachtung sowie eine professionelle Einschätzung können nochmal ganz andere, unbekannte Perspektiven bieten. Für den Anfang, und vor allem für kleine Probleme, ist ein User Test aber auch mit kleinem Budget machbar – vorausgesetzt, man weiß, was man testen möchte.

3 Gedanken zu „Best Practices im DIY-Usability Test von kaeuferportal.de

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  3. frank

    …ich finde das Prinzip von Käuferportal für die Deinstleister nicht gut.

    Kunden holen kostenlos viele Anfragen an ( sind die dann auch ernsthaft?)
    Dienstleister muss dann bezahlen um einen Kontakt völlig ungewisser Güte zu erhalten.

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