Mehr als Ease of Use – Dimensionen des Erlebens von Websites

Die bloße und einseitige Betrachtung von Usability-Qualitäten, Ease of Use im engeren Sinne, ist nicht mehr ausreichend um User Experience ganzheitlich zu beschreiben und zu messen, daher brauchen wir integrative Modelle, die einen mehrdimensionaler Ansatz der Website-Rezeption vertreten. Ein Beispiel liefert Mahlke mit seinem integrativen Modell der Web User Experience, bei dem vier Evaluationsebenen voneinander unterschieden werden.[1] Zwei dieser Ebenen beziehen sich dabei auf Aspekte traditioneller Usability (wahrgenommene Nützlichkeit und wahrgenommene Ease of Use), die restlichen zwei Dimensionen beschreiben Qualitäten, die gemeinhin eher mit Joy of Use, der Freude und dem angenehmen Erleben während der Nutzung, assoziiert werden und in traditionellen Usability-Ansätzen nicht zu finden sind (wahrgenommene hedonische Qualität und wahrgenommene visuelle Attraktivität).

Integratives Modell der Web User Experience nach Mahlke.
Integratives Modell der Web User Experience nach Mahlke.[4]

Die Dimensionen der Nützlichkeit und Ease of Use übernimmt Mahlke aus Davis Technology Akzeptanz Modell. In diesem wird angenommen, dass diese beiden Faktoren die Entscheidungen wann und wie eine bestimmte Technologie benutzt wird bedeutend prägen. Sie bestimmen damit Nutzung und Akzeptanz von Systemen. Dieser Zusammenhang ist empirisch mehrfach bestätigt worden.[2, 3]

Nützlichkeit bezieht sich darauf wie gut und in welchem Umfang das System die Aufgabenerledigung unterstützt, Ease of Use bezeichnet das Ausmaß, in dem diese Funktionalität ohne mentale oder physische Anstrengung genutzt werden kann. Beide Faktoren beschreiben zusammen aufgabenbezogene Aspekte von Websites. Die zwei anderen Verarbeitungsebenen betreffen nicht-aufgabenbezogene Eigenschaften des Systems und sind ebenfalls anderen Forschungsarbeiten entnommen: Die hedonische Qualität stammt aus dem Modell Hassenzahls und den Faktor der wahrgenommenen visuellen Attraktivität leitet Mahlke aus den Arbeiten Heijden`s ab. Dieser studierte das Konzept der visuellen Attraktivität als Erweiterung des Technologie Akzeptanz Modells und fand, wie auch andere Forscher, einen bemerkenswerten Einfluss der visuellen Ästhetik auf die Gesamtwahrnehmung und Akzeptanz.[1, 2]

Zusätzlich zu den Bewertungsebenen bildet das Modell die Nutzungsintention, als Konsequenz der Wahrnehmungsprozesse innerhalb der Dimensionen, ab. Studien konnten belegen, dass die Nutzungsintension ein guter Prädiktor ist, um das tatsächliche Nutzungsverhalten der User gegenüber einer bestimmten Website vorherzusagen. [3]

Das Modell wurde im Rahmen einer Studie von Online-Buchshops und Reise-Portalen, mittels eines eigens entwickelten Fragebogens (s. u.), getestet. Die Ergebnisse zeigten, dass alle Komponenten der User Experience durchgängig und nahezu unabhängig voneinander wahrgenommen werden. Eine Faktorenanalyse der Items (Haupt-Komponenten-Analyse mit Equimax-Rotation) extrahierte vier Faktoren, die zusammen 79% der totalen Varianz erklären konnten, und mit den angenommenen Website-Qualitäten übereinstimmen. Die vier Komponenten waren außerdem in der Lage, die Nutzungsintension in großem Maße vorherzusagen, sie erklärten 72% der auftretenden Varianz in einer Regressionsanalyse zur Nutzungsintension, wobei der wahrgenommenen Nützlichkeit die größte Erklärungskraft zugerechnet wird und die wahrgenommene Attraktivität den geringsten Einfluss ausübt.[1]

Der User Experience Fragebogen (UEF), ein von Mahlke eigens für dieses Model entwickeltes Erhebungsinstrument, bildet die vorgestellten Evaluationsebenen (inklusive der Nutzungsintension) ab und verfolgt damit als Instrument einen ganzheitlichen Ansatz zur Messung der User Experience.[1]
Der UEF ist ein kurzer, englischsprachiger und gut validierter Fragebogen zur Messung der User Experience mit Websites. Die Genauigkeit der Skalen ist mit einem Cronbachs-Alpha-Wert von über .88 äußerst zufriedenstellend. Die insgesamt 22 Items sind in ganzen Sätzen formuliert und leicht zu beantworten (s. Abbildung). lediglich die punktuelle Verwendung negativer Items könnte beim Ausfüllen Probleme bereiten. Items in Form von ganzer Sätze, insbesondere bei den Skalen, die der Usability zugeordnet werden, können durchaus Vorteile haben, da vollständige Sätze spezifischere Items abgeben als einzelne Wörter bzw. Wortpaare, wie sie beispielsweise im AttrakDiff verwendet werden. Polaritätenpaare sind besser einsetzbar bei Skalen, die mit affektiven Urteilen zusammenhängen bzw. der Joy of Use zugerechnet werden können.

Dimensionen der User Experience und Nutzungsintension mit den dazugehörigen Items
Dimensionen der User Experience und Nutzungsintension mit den dazugehörigen Items[1]

Ein großer Vorteil des UEF von Mahlke ist ganz klar die Mehrdimensionalität (Usability und Joy of Use Qualitäten) und die Tatsache, dass er speziell zur Erfassung des Erlebens von Websites konzipiert worden ist und nicht für die weiter gefasste Gruppe interaktiver Produkte.
Man könnte kritisieren, dass die affektive Komponente der Nutzung noch nicht ausreichend genug beachtet wird, zumal auch Emotionen als Aspekt des Nutzungserlebens zunehmend diskutiert werden. Diesem Punkt trägt Mahlke in späteren Arbeiten Rechnung, indem er sein Modell abändert und eine neue Dimension, die emotionale Nutzerreaktion, als eigenständigen affektiven Faktor der User Experience, hinzufügt.[2]

Was halten Sie von dem vorgestellten Modell und dem dazugehörigen Fragebogen? Haben Sie vielleicht vorher schon etwas von dem Erhebungsinstrument UEF gehört oder es sogar selbst ausprobiert? Finden Sie die Dimensionen gut gewählt oder fallen Ihnen noch andere Faktoren ein, nach denen Internetseiten bewertet werden könnten? An Ihrer Meinung zu diesem Thema sind wir sehr interessiert.

Quellen & weiterführende Links

Ein Gedanke zu „Mehr als Ease of Use – Dimensionen des Erlebens von Websites

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