Handlungsoptionen anbieten – warum der Warenkorb nicht das Ende des Einkaufs bedeutet

Der Griff nach dem Einkaufswagen oder Korb im realen Geschäft ist eine alltägliche Handlung. Verständlich, denn wer kann oder möchte schon alle beabsichtigten Einkäufe ausschließlich mit seinen Händen zur Kasse tragen. Wer die Hände voll hat kauft weniger. Machen wir uns daher bewußt – Warenkörbe sind wichtige Hilfsmittel. In ihnen sammeln und verdichteten sich die Objekte der Begierde oder des alltäglichen Bedarfs. Sind sie gut gestaltet – also helfen sie ihrem Benutzer – ist dieser eher animiert, eine begonnene Shoppingtour fortzusetzen und zum positiven Abschluss zu bringen.

Das kann sicher so auch auf den virtuellen Warenkorb von Online-Shops übertragen werden – er erscheint sogar essentieller für ein befriedigendes Kauferlebnis, da er die online verfügbaren Waren übersichtlich zusammenfasst und somit der Produktfülle des Online-Shops, die zuweilen überwältigend scheinen kann, entgegenwirkt. Über die wichtigsten Punkte der Warenkorbgestaltung wurde bereits im früheren Blogbeitrag „Warenkorb einmal anders – gesteigerte Funktionalitat erleichtert das Einkaufen online“ gesprochen.

Der virtuelle Warenkorb bietet aber gegenüber dem realen noch einen weiteren Vorteil. Oft genug kommt es nämlich vor, dass erst an der Kasse eines Supermarktes erkannt wird, dass einzelne ausgewählte Produkt doch nicht den eigenen Wünschen und Vorstellungen entsprechen. Dies führt im Supermarkt häufig dazu das, meist heimlich, die Wurst schamhaft zwischen den DVDs und der Käse bei den Süßigkeiten deponiert wird. Seien wir ehrlich – welcher Kunde macht sich schon die Arbeit kurz vor dem Bezahlprozess Produkte wieder korrekt einzusortieren – die wenigsten.

Unschön für das Geschäft aber ganz ähnlich geht auch der Kunde des virtuellen Shops vor. Stellt dieser etwa zu Beginn des Checkoutprozesses im Warenkorb fest, dass sich dort ein Produkt befindet, dass doch nicht ganz den eigenen Vorstellungen entspricht, so wird im besten Falle erneut nach Alternativen gesucht. Hierzu muss der Warenkorb aber verlassen werden – eine neue Suche und Auswahl müssen durchgeführt werden. Da Kunden Aufwand, insbesondere so kurz vor dem abschließen der virtuellen Einkaufstour vermeiden wollen, ist die Löschung des entsprechenden Postens wahrscheinlicher. Dieses Geld ist dann verloren.

Nutzern in Warenkörben Handlungsalternativen anbieten

Der virtuelle Warenkorb muss dem Nutzer erweiterte Funktionen anbieten und im Gegensatz zu realen Pendant kann er das auch. Eine übersichtliche Gestaltung, die prominente Anzeige von Artikelkosten oder Zertifizierungen des Shops – alles wichtig. Er sollte aber noch mehr können. Was – das zeigen die Warenkörbe von GAP.com oder Sitzclub.de.


Sitzclub Warenkorb

Sitzclub Warenkorb


Auf beiden Shops ist es im Korb selbst noch möglich, über einen „Edit“-Button oder Pull-Down-Menüs die bereits getroffene Auswahl abzuändern. Es geht dabei nicht nur um die Menge sondern um Details wie Farbe, Musterung oder Größe. GAP.com ermöglicht über einen Edit-Button die Veränderung des Produktes. Entscheide ich mich doch für eine andere Größe oder Farbe, kann ich das ohne weiteres aus meinem Warenkorb heraus tun. Diese Funktionalität ist bei Sitzclub durch farblich unterlegte Pull-Down Menüs sofort abrufbar und muss nicht wie bei GAP erst über einen Link aufgerufen werden.

Der Arbeitsaufwand für den Kunden ist damit deutlich minimiert. Er oder sie sind nicht gezwungen, dass gesamte Webangebot erneut zu durchforsten, kleinere Anpassungen am Produkt können sofort vorgenommen werden. Damit steigt nicht nur die Nutzerfreude, sondern sicher auch die Conversionrate.

Fazit

Die Anpassung von Produktdetails aus dem Warenkorb heraus stellt einen echten Mehrwert für den Kunden dar. Anpassungen sind schnell erledigt, ein Verlassen des Korbes zwecks Anpassung des bereits bestehenden Inhalts ist unnötig. Dies kann prinzipiell auf jeden Shop übertragen werden, der Waren vertreibt, welche kombinierbarere Eigenschaften wie z.B. Farbe oder Größe aufweisen.

Auch hier ist wieder Ihre Meinung gefragt. Ist die vorgestellte Funktionalität tatsächlich ein echter Mehrwert oder sehen Sie noch ganz andere Probleme bei der Gestaltung von Warenkörben?

9 Gedanken zu „Handlungsoptionen anbieten – warum der Warenkorb nicht das Ende des Einkaufs bedeutet

  1. Pingback: 10 Lesetipps der Woche für Shopbetreiber » Von Ulrich Hafenbradl » shopbetreiber-blog.de

  2. murry

    Ein zweischneidiges Schwert. Jetzt hat sich der Kunde nach langem zögern für die blaue Hose statt der beigen Hose entschieden legt sie endlich in den Warenkorb, steht kurz vor dem Checkout -> und nun geb ich ihm erneut die Möglichkeit sich umzuentscheiden. Was dann immer auch die Gefahr birgt, daß der Kunde sich gar nicht entscheidet und abspringt.

    Würde ich grundsätzlich nur nach einem gründlichen Vergleichstest einsetzen.

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  3. Nicole Haase

    Nicht nur die Möglichkeit zum Anpassen von Produktdetails ist sinnvoll, der Gedankengang bringt mich auch auf die Idee, dass man direkt auf eine Auswahl von Alternativen geführt werden könnte, wenn man zu einer Löschung tendiert.

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  4. Sebastian Bloy

    Hallo murry,

    Zur Entscheidungsfindung, ob die Möglichkeit sich für oder gegen das Angebot von Alternativen aus dem Warenkorb heraus zu entscheiden macht ein Verlgeichstest methodisch sicher Sinn. Niemand kann hier a priori entscheiden, dass die Möglichkeit für den Kunden aus dem Korb heraus noch Änderungen vorzunehmen, das non plus ultra sei. Dennoch ist die Erweiterung der Funktionaliät, welche dem Nutzer Wege erspart aus usabilitysicht immer positiv zu bewerten.

    @Frau Haase:
    Hmm interessanter Vorschlag – sollte allerdings ohne „Nötigung“ umgesetzt sein. Könnte mir vorstellen, das man beim berühren des Löschen-Buttons ein Pop-Up erhält und dieses dann auf eine Seite mit Alternativvorschlägen verlinkt. Quasi eine Erweiterung des Crossselling – eine Conversionfeuerwehr ;-).

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  5. Linda

    „…und nun geb ich ihm erneut die Möglichkeit sich umzuentscheiden. Was dann immer auch die Gefahr birgt, daß der Kunde sich gar nicht entscheidet und abspringt…“

    Die Argumentation finde ich persönlich nicht ganz schlüssig.

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  6. Martin Beschnitt

    Hallo zusammen, grundsätzlich geht es bei den Beispielen ja nicht darum einen Artikel zu löschen. Diese Funktionalität solle grundsätzlich im Warenkorb gegeben sein (ein Basisfaktor), ansonsten verärgert dies den allgemeinen Shopper meist sehr. So zumindest meine Erfahrungen.

    Es geht ja hier vielmehr um die Möglichkeit des Editierens eines Produktes im Warenkorb selbst. Diese Möglichkeit halte ich persönlich auch für vorteilhaft, weil ich den Nutzer nicht wie sonst auf die Produktdetailse (zurück) leite um Änderungen vorzunehmen. Auf der Produktseite lauern zumeist mehr „Ablenkungen“ in Form von Cross-/Upselling, zuletzt angesehenen Artikeln, etc. , außer sie ist speziell nur auf das Ändern von Eigenschaften eines in den Warenkorb gelegten Produkt optimiert.

    Vor diesem Hintergrund wäre ich auf den vorgeschlagenen A/B-Test auch sehr gespannt. Meine These: Ja, Mehrwert für den Nutzer.

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