Warum Sie besser nicht auf den Print-Katalog verzichten sollten

Die Studie Distanzhandel in Deutschland 2009 des Bundesverbandes des Deutschen Versandhandels (BVH) belegt, dass im letzten Jahr erstmals über 50% des Umsatzes im Versand- und Online-Handel über das Internet realisiert wurden. Interessant ist vor allem die Altersverteilung bei der Nutzung der unterschiedlichen Bestellwege. In allen Altersgruppen hat die Bestellung per Internet zugelegt, allerdings verteilt sie sich auf die einzelnen Altersgruppen sehr unterschiedlich.

So bestellen die 14 bis 29jährigen zu 87% im Internet, anstatt klassische Bestellwege im Distanzhandel zu nutzen. Ähnlich hoch ist der Anteil bei den 30 bis 39jährigen (82%) und bei den 40 bis 49jährigen (72%). Die Generation der über 60jährigen ist noch recht verhalten bei der Bestellung per Internet. Jedoch ist der Anteil der Internetbestellungen im Jahr 2008 noch bei 19% auf 28% im letzten Jahr angestiegen.

Die Präsentation der Produkte erfolgte im klassischen Versandhandel über Jahrzehnte hinweg in Katalogen. Damit kommt heute natürlich kein Versandhändler mehr aus. Neben den Katalogen ist die Präsentation der Artikel im Internet von zentraler Bedeutung. Man könnte sich sogar die Frage stellen, ob es der Kataloge überhaupt noch bedarf? Auch hierfür liefert die Studie wichtige Erkenntnisse. 67% der Befragten, die im Internet bestellt haben, haben sich zuvor im Katalog des Versenders über das Produkt informiert. Analog zur Nutzung der Bestellwege zeigen sich auch hier deutliche Unterschiede zwischen den Altersgruppen.

Bei den 14 bis 29jährigen und den 30 bis 39jährigen nutzten 63% bzw. 62% zuvor den Katalog zur Information. Etwas höher ist die Nutzung des Katalogs bei den 40 bis 49jährigen (69%) und den 50 bis 59jährigen (70%). Erwartungsgemäß am meisten greifen die über 60jährigen im Vorfeld einer Internetbestellung auf den Katalog zurück (78%). Diese Zahlen zeigen deutlich, dass die Print-Ausgabe eines Kataloges nicht leichtfertig eingestellt werden sollte.

Neben der Altersstruktur der Zielgruppe eines Online-Shops beeinflussen darüber hinaus die Art der angebotenen Produkte (Technik, Bekleidung etc.), die Qualität der Präsentation der Produkte im Internet, Beratungsfeatures und weitere Charakteristika Ihrer Zielgruppe (Geschlechterverteilung etc.), inwiefern ein Katalog als Informations- bzw. Inspirationsmedium genutzt wird. Welche Erfahrungen haben Sie hinsichtlich der Bedeutung von Katalogen? Haben Sie sich oder noch besser Ihre Shop-Nutzer/-Kunden schon mal gefragt, ob bzw. welche Rolle Kataloge für Ihre Zielgruppe spielen? Antworten darauf kann eine Onsite-Befragung liefern.

Zum Abschluss noch ein kleiner Ausblick:
Betrugen die Bestellungen per Internet im Jahr 2009 noch 53,3% des Gesamtumsatzes in Versand- und Online-Handel (wie oben grob skizziert), so wird für dieses Jahr noch einmal eine Steigerung des Volumens an Internet-Bestellungen auf 57,6% des Gesamtumsatzes erwartet. Na dann – viel Erfolg.

5 Gedanken zu „Warum Sie besser nicht auf den Print-Katalog verzichten sollten

  1. Marian Steinbach

    „67% der Befragten, die im Internet bestellt haben, haben sich zuvor im Katalog des Versenders über das Produkt informiert.“

    Das klingt nicht gerade danach, als hätte der BVH eine repräsentative Studie über E-Commerce gemacht. Vermutlich lag das Augenmerk auf BVH-Mitgliedsunternehmen. Und die kommen eben häufig vom Katalog.

    Was machen die Kunden des Nr.1-Versenders in Deutschland (Amazon)? Vermissen die den Katalog?

    Antworten
  2. Katja Brand-Sassen Beitragsautor

    Ich gebe Ihnen natürlich recht, dass bei Amazon ein Katalog für die Vorinformationen nicht vermisst wird.
    Aus meiner Sicht geht es jedoch vielmehr darum: Können Händler, die Printkataloge haben, diese „einfach“ eliminieren, da mittlerweile die Mehrheit per Internet bestellt? Die Studie verdeutlicht, dass dies sehr gefährlich ist, weil Kataloge immer noch für die Vorinformation, als Ideen- und Impulslieferant entscheidend sind.
    Die umgekehrte Schlussfolgerung, dass auch die anderen Online-Händler einen Katalog brauchen, lässt sich daraus natürlich nicht ableiten.

    Antworten
  3. Pingback: Retourenvermeidung mit Hilfe von Produktfotos kombiniert mit Größenangaben | usabilityblog.de

  4. Pingback: Wie erstelle ich einen ansprechenden Waren-Katalog?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.