Automagisch: Erhalten Sie den Joy of Use durch eine positive Benutzerführung!

Haben Sie sich nicht auch schon einmal gewundert, dass ein „Jetzt kaufen“-Button scheinbar ohne Funktion ist?

Das tritt häufig dann auf, wenn der Benutzer einer Website vergisst, eine Pflichtangabe zu tätigen. Auf dem Bild sehen Sie eine Fehlermeldung, die erscheinen kann, wenn Sie beispielsweise die Größe nicht ausgewählt haben.

fehlermeldung

Fehlermeldung „Bitte wählen Sie eine Größe“

Den Fehler erkennt man nur daran, dass die entsprechende Aufforderung rot geschrieben ist. Im schlimmsten Fall übersieht dies der Benutzer und bestellt den Artikel nicht, weil er ihn nicht in den Warenkorb legen kann.

Deutlicher ist, wenn durch ein Popup-Fenster auf den Fehler aufmerksam gemacht wird.
Das hat aber auch den Nachteil, dass dem Benutzer bewusst gemacht wird, dass er etwas falsch gemacht hat.

In dem unten gezeigten Bild wird dies durch das Ausrufezeichen und das Wording „Sie müssen …“ sogar noch verstärkt. Danach wird der Nutzer gezwungen, den OK-Button zu bestätigen und anschließend wird ihm Gelegenheit gegeben, auf der vorherigen Seite seinen Fehler zu suchen und ihn zu korrigieren.

Popup „Sie müssen noch eine Größe auswählen…“

Popup „Sie müssen noch eine Größe auswählen…“

Möchten Sie sich so belehren lassen?

Neulich – auf der Suche nach einer stylischen Leine für meinen Hund – habe ich auf www.thinkgeek.com ein Beispiel gefunden, wie man es besser machen kann.

Ich habe auf den „BUY NOW“ Button geklickt, ohne vorher einen Eintrag aus der Dropdown-Liste auszuwählen.

Klick auf den Button „BUY NOW“ ohne Auswahl

Klick auf den Button „BUY NOW“ ohne Auswahl

Ich war angenehm überrascht: Dort wo normalerweise eine belehrende Fehlermeldung erscheint, bekommt man automatisch eine neue Auswahl, als ob dies für den normalen Ablauf des Bestellvorgangs so vorgesehen wäre. Dem Benutzer wird erklärt, dass der Artikel so auf „magische Weise“ doch in den Warenkorb gelegt werden kann. Der Benutzerfehler wird hier „automagisch“ korrigiert.

thinkgeekcom_keine-fehlermeldung_21
Benutzerfehler wird auf „automagische Weise“ korrigiert.

Das Problem bei Fehlermeldungen ist meistens – und das stellen wir immer wieder in Usability-Tests fest – dass der Benutzer einer Website den Hinweis auf den Fehler oft nicht sofort bemerkt und im schlimmsten Fall den Artikel nicht bestellt, da er ihn nicht in den Warenkorb legen kann.

Ich habe gelernt, dass es sich besser anfühlt, wenn das Webinterface genauso zuvorkommend wie der Verkäufer im Laden reagiert und meinen Joy of Use durch eine positive Benutzerführung erhält.

Daher empfehlen wir Shops immer wieder, Schnittstellen, die zu Fehlermeldungen führen können, kritisch zu hinterfragen. Denn schon kleine Änderungen im Wording oder Webinterface können viel bewirken!

Ich freue mich auf Ihre Erfahrungsberichte, Meinungen und Ideen.

6 Gedanken zu „Automagisch: Erhalten Sie den Joy of Use durch eine positive Benutzerführung!

  1. Knobl

    Gut beobachtet!
    Die Idee sozusagen die nicht gemachten Angaben noch einmal zusammengefasst bereits im Hinweisfenster MIT nochmaligem Submit-Button zu hinterlegen ist clever.
    Frage ist nur, ob sich dieses Prinzip immer und überall so nutzen lässt.
    Wahrscheinlich nicht. Man stelle ich vor, es gäbe mehr als 3 vergessene Angaben, die zum vollständigen Ausfüllen gehöhren. In diesem Fall würde man schon eine aus dem Zusammenhang gerissene Liste bekommen.

    Für diesen speziellen Fall der Bestückung eines Warenkorbes mit Größenangabe oder evtl. auch einer Farbauswahl scheint es aber gut zu funktionieren.

    Die Frage, die sich für mich hier stellt ist: Ist der individuelle Umgang innerhalb von Anforderungen in einem Formular sinnvoll oder nicht. Individuelle Ansprache versus gelerntes Prinzip, dass sich komplett durch einen Auftritt durchzieht und daher schnell gelernt.

    Antworten
  2. Pingback: 10 Lesetipps der Woche für Shopbetreiber » Von Ulrich Hafenbradl » shopbetreiber-blog.de

  3. Chris

    Was ebenfalls wichtig ist: das Pop-Up sollte nicht einem Advertising aehneln, sonst klickt der User reflexartig auf das rechte obere Kreuz. Ansonsten eine sehr gute Idee. Validierung kann manchmal sehr abschreckend gestaltet sein (rote Farbe, Ausrufezeichen, etc.).

    Antworten
  4. Bärbel Jüngel Beitragsautor

    Hallo Knobl,

    natürlich hat das vorgestellte Widget seine Grenzen. Ich würde die Grenze ebenfalls bei mehr als 3 vergessenen Angaben setzen. Diese tritt aber eher bei Formularen mit entsprechend vielen Einträgen auf.

    Man könnte in Formularen eine Häufung von Benutzerfehlern durch asynchrones JavaScript bereits während der Bearbeitung abfangen. Dies würde allerdings voraussetzen, dass das Formular linear abgearbeitet wird.

    Bei der Entwicklung von Usability optimierten Onlineformularen sollte man auch je nach Einzelfall entscheiden. Will man wirklich eine große Anzahl von Pflichtangaben abfragen (so etwas wird vom Benutzer oftmals eher abschreckend empfunden), empfehle ich einen mehrstufigen Aufbau mit einer für den Nutzer transparenten Fortschrittskontrolle.

    Zu Ihrer abschließenden Frage:
    Wir haben gute Chancen Altbewährtes (gelerntes Prinzip – was nicht immer nutzerfreundlich sein muss) aus dem Ring zu schlagen, wenn wir Wege finden, den Benutzer über intuitivere Benutzerschnittstellen zu erreichen. Überspitzt formuliert ist User Experience nur ein Hilfsmittel, wenn uns eine geeignete intuitive Schnittstelle nicht zur Verfügung steht. Die hier vorgestellte Lösung ist nach meiner
    Einschätzung ein hervorragender Kandidat dafür.

    Antworten
  5. Bärbel Jüngel Beitragsautor

    Hallo Chris,

    vielen Dank für Ihren Einwand. Das sehe ich auch so, dass man darauf achten sollte, dass das PopUp nicht einem Werbemittel ähnelt. Im vorigen Fall wurde diese Problematik vermieden, indem dasselbe Design für PopUp und Produktdetailseite verwendet wurde.

    Sehr schön finde ich auch den „BUY NOW“ Button, der im PopUp und auf der Detailseite identisch ist. Außerdem fällt auf, dass der „add to wishlist“ Button im PopUp verschwunden ist. Der Nutzer hat sich schließlich schon zum Kauf entschlossen.

    Antworten
  6. Pingback: Ajouter au panier » bonnes pratiques et idées originales (Usaddict)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.