Berücksichtigen Sie stets die Nutzer Ihrer Seite? oder: Macht diese neue Vergleichsfunktion für Michelle Sinn?

Setzen Sie bei der Entwicklung oder Optimierung Ihrer Seite bereits Personas ein? Falls nicht, sollten Sie nun auf jeden Fall weiterlesen, denn diese Methode bietet ein großes Potenzial mit zahlreichen positiven Nebeneffekten für die Zukunft.

Ganz kurz möchte ich die Definition heranziehen, um zu erklären, was Personas eigentlich sind: Es handelt sich um prototypische Nutzer, die stellvertretend für eine ganze Nutzergruppe verschiedene Verhaltensweisen, Kenntnisse und Ziele repräsentieren. Diese Personas erhalten einen Namen, ein Bild und einen Lebenslauf, so dass sie für jeden greifbar werden.

Was heißt jeden? Zum einen für das Entwicklungsteam, das sich tagtäglich mit der Optimierung der Website beschäftigt. Nun haben sie endlich einen konkreten Nutzer vor Augen, Beispielsweise für einen Mode-Shop: Michelle, 25 Jahre, Mediengestalterin – für sie gehört Mode zur Selbstdarstellung.

Aber auch für die Geschäftsführung, das Marketing und alle anderen Mitarbeiter ist es wichtig zu wissen, wer sich tatsächlich auf dem Online-Angebot bewegt – und nicht nur, wer es anhand der Wunschvorstellung sein sollte. Oft wird sich auch auf die Kundenstruktur berufen, die ja durchaus deutlich von der Nutzerstruktur abweichen kann. (Aus dieser Erkenntnis ließen sich dann natürlich Möglichkeiten identifizieren, wie man denn die Nutzer auch zu Kunden macht – aber das ist schon fast wieder eine andere Geschichte…)


Beispiel einer Persona für einen Themen-Blog

Beispiel einer Persona für einen Themen-Blog


Wie entstehen diese Personas?
Es gibt mehrere Methoden, um Personas zu bilden. Z.B. lassen sich über eine Onsite-Befragung geeignete Daten sammeln, um die unterschiedlichen Nutzergruppen später durch geeignete Clusterverfahren zu identifizieren (dazu nutzt man die Aktiv-Variablen, die hypothesengetrieben festgelegt werden wie z.B. Alter, Geschlecht, Internetnutzung) und zu beschreiben (dazu dienen die Passiv-Variablen, z.B. Einstellungen, Intentionen auf der Website, Beruf). Alternativ oder ergänzend können auch Tiefeninterviews eingesetzt werden, um mehr über den typischen Nutzer zu erfahren – allerdings darf hier die Stichprobe dann nicht zu klein gewählt werden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die erhobenen Daten nicht repräsentativ sind oder nicht der gewählten Zielgruppe entsprechen.

Mit vielen Details versehen, werden die Personas so zum Leben erweckt und sollten dann bei der täglichen Arbeit stets präsent sein, z.B. auch als lebensgroßer Aufsteller. Von nun an wird nicht mehr designt und entwickelt für die definierte Zielgruppe „Damen zwischen 35 und 45“, sondern für Michelle, Sandra und Beate.

Weitere Vorteile, wenn ein Unternehmen über einige Kern-Personas verfügt:

  • Bei (geplanten) Neuentwicklungen kann schon vor dem Start abgeschätzt werden, ob die Funktion für die Nutzer nützlich und hilfreich ist, man diskutiert z.B. im Team: „Ist diese Vergleichsfunktion für Michelle interessant?“ „Versteht Harald diese neue Navigationsmöglichkeit?“. Gerade wenn viele Projekte in der Pipeline sind, hat man so einen zusätzlichen Indikator, um zu entscheiden, mit welcher Priorität man welche Funktionen angehen sollte.
  • Bei der täglichen Arbeit als Sensibilisierung: Für wen arbeite ich eigentlich? Wer bewegt sich gerade auf der Seite? Um immer wieder einen anderen Blickwinkel einzunehmen und den Status Quo zu hinterfragen.
  • Diese dienen als Richtlinie für Usability-Tests – so wird sichergestellt, dass nicht die falschen Personen rekrutiert werden, die mit den tatsächlichen Nutzern außer Alter und Geschlecht vielleicht kaum etwas gemeinsam haben.
  • Auch bei Evaluationen durch User Experience Consultants fällt es ihnen leichter, sich in die Nutzer hinein zu versetzen, wenn sie eine genauere Vorstellung von diesen haben, z.B. durch die Visualisierung als Personas.

Soviel zu den Vorteilen dieser Methode und die vielfältigen Einsatzbereiche. Gerne stehe ich für Fragen zur Verfügung – natürlich sind auch Erfahrungsberichte willkommen.

7 Gedanken zu „Berücksichtigen Sie stets die Nutzer Ihrer Seite? oder: Macht diese neue Vergleichsfunktion für Michelle Sinn?

  1. Anja Weitemeyer Beitragsautor

    Hallo Herr Maassen, vielen Dank für das Lob. Ich finde auch, dass diese Methode bislang noch nicht ausreichend Beachtung findet und dadurch viel Potenzial verschenkt wird, bzw. Ressourcen suboptimal eingesetzt werden (ich möchte gar nicht von verschwenden sprechen, vermutlich träfe das aber auch zu).
    Die Weichen werden zu Beginn eines Projektes gestellt, daher auch herzlichen Dank für Ihren Linktipp mit der Prozess-Schaubild. Werde ich in Ruhe in meinem nun beginnenden Urlaub lesen!

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  2. Gabriele Pibal

    Hallo!

    Sehr brauchbare Daten für personalisierte Angebote lassen sich auch via Recommender Systeme gewinnen: hier hat man sofort das Feedback der Kunden zu den Webinhalten (Customer Journey)… und erhält auch User-Profiles.

    -gp

    Antworten
  3. Anja Weitemeyer Beitragsautor

    Hallo Frau Pibal, könnten Sie noch ein wenig genauer beschreiben, was Sie meinen? Ich vermute es betrifft ein Feedback-System auf der Website, wo die Nutzer Kommentare hinterlassen können. So erhalten Sie wertvolle Informationen zum Status Quo, diese Hinweise können Sie aber nur bedingt bei der Neuentwicklung von Features einsetzen. Zu diesem Zweck sind z.B. die umfassenden Personas einsetzbar, die einen umfangreicheren Fragebogen erfordern.

    Beim Thema „Customer Journey“ analysieren Sie die Klickwege auf den Angebot oder auch mehrere Kontakte zu Produkt/der Seite überhaupt? Ich freue mich über weitere Details zu diesem spannenden Thema und welche Informationen Sie bereits nutzen.

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