Shopping im Netzwerk: Vertriebskanal Facebook-Fanpage am Beispiel von Fahrrad.de

Im Rahmen verschiedener Entwicklungen rund um das Phänomen Social Commerce ist derzeit ein Trend besonders auffällig. Soziale Netzwerke scheinen immer mehr an Bedeutung zu gewinnen. Doch inzwischen wird nicht mehr nur eine Verknüpfung im Online-Shop eines Anbieters angeboten, sondern das Netzwerk – insbesondere Facebook – und der Shop scheinen immer enger verzahnt zu werden. So habe ich kürzlich im Beitrag „Produktsuche auf der Fanpage: Das Shopsortiment als Brücke zwischen Netzwerk und Online-Shop“ ein Beispiel dafür vorgestellt, dass es vereinzelt schon möglich ist, das komplette Sortiment eines Online-Shops auf Facebook zu durchsuchen.

Heute möchte ich ein weiteres Beispiel vorstellen, das jedoch noch einen Schritt weitergeht. Es wird hier nicht nur eine Suche angeboten, sondern die Produkte können tatsächlich gekauft werden.

Netzwerken und einkaufen auf der selben Plattform

Dieser „Shop im Netzwerk“ ist zu finden auf der Fanpage von Fahrrad.de. Auf der Anfangsseite des Facebook-Shops sind zunächst eine Suche und ein „Start“-Button sowie Erläuterungen und schließlich Links zu Produktkategorien sichtbar:

Einstiegsseite Facebook-Shop von Fahrrad.de

Einstiegsseite Facebook-Shop von Fahrrad.de

Nach Klick auf „Start“ oder „Zu den Kategorien“ werden 5 Hauptkategorien als Textlinks angezeigt. Auch in tieferen Ebenen gibt es zunächst Textlinks, jeweils mit der Anzahl vorhandener Produkte in Klammern:

Beispiel für die Navigation im Facebook-Shop

Beispiel für die Navigation im Facebook-Shop

Erst in der tiefsten Ebene erscheint eine Übersichtsseite mit Abbildungen. Leider wird eine Blätterfunktion nur am unteren Ende der Seite angeboten. Noch stärker fällt dies bei der Nutzung der angebotenen Suchfunktion ins Gewicht. Es gibt zunächst keinerlei Angabe zur Anzahl der gefundenen Treffer. Erst beim Scrollen zum Ende der Trefferliste erfährt man zumindest, auf wie viele Seiten sich die Produkte verteilen. Filter- und Sortierfunktionen werden bei dieser Lösung nicht angeboten. Positiv ist jedoch zu erwähnen, dass zum Navigieren und zur Standortbestimmung ein Surfpfad angeboten wird, der bei der Orientierung hilft.

Wenig Service, viel Sachlichkeit

Die Detailansicht eines Produktes fällt ebenfalls eher nüchtern aus. Im Vergleich zur Detailansicht im eigentlichen Online-Shop auf www.fahrrad.de gibt es im Facebook-Shop keine Videos, weniger detaillierte Produktinformationen und keinerlei Beratung wie z.B. Rahmenberechnung oder Chat. Relativ unauffällig ist der Button zum Hineinlegen in den Warenkorb gestaltet:

Produktdetailseite

Produktdetailseite

Kritisch ist die Position des „Zurück-Links“ zu sehen. Unten rechts wird dieser vom Nutzer nicht erwartet und kann wegen fehlender Beschriftung auch falsch interpretiert werden. Versucht man jedoch über den Browser zurück zu gelangen – eine immer noch häufig genutzte Navigationsmöglichkeit, wie sich in Lab-Tests oft zeigt – verlässt man den Shop und gelangt zur Startseite der Fanpage. Es kann also zu ärgerlichen Umwegen kommen.

Letztendlich kann der Nutzer jedoch jedes Produkt, welches hier angeboten wird, auch direkt bestellen. Es gibt also keine notwendige Verlinkung in den Online-Shop. Der Bestellprozess ist komplett in den Facebook-Shop eingebettet.

Wer kauft wirklich im Facebook-Shop?

Der Vertriebskanal „Netzwerk“ wird im Versandhandel immer noch kontrovers diskutiert. Zu wenig greifbar sind die Effekte und Erfolge von Tweeds und Fanpages. Nicht einmal die Anzahl von Followern oder Fans kann als sicherer Indikator für eine lohnenswerte Investition herangezogen werden. Der Aufwand ist dagegen eher unstrittig. Deshalb werden viele Unternehmen sich fragen, ob eine so enge Verzahnung von Shop und sozialen Netzwerken wirklich nötig ist.

Der Facebook-Shop hat zweifelsohne einige Nachteile gegenüber der Website des Shopbetreibers selbst. Im Rahmen von Maßnahmen zur Conversion Optimierung kommt man um Vertrauensbildung, die richtige (emotionale) Ansprache und Usability nicht herum. Und gerade bei hochpreisigen Produkten wie z.B. Fahrrädern dürfte den Wunsch nach Beratung von großer Bedeutung sein. Ein Neukunde wird also wahrscheinlich nicht über Facebook bestellen. Wie sieht es aber mit der Stammkundschaft aus? Könnte diese vom Shop im Netzwerk profitieren? Oder „gewinnt“ der Facebook-Shop allein schon durch die Empfehlungen von Fans an deren Freunde und den Austausch zwischen unzähligen Registrierten?

Wer braucht einen Facebook-Shop und warum muss dieser gut bedienbar sein?

Immerhin 31% aller Facebook-Nutzer informieren sich in diesem Netzwerk über Produkte und Firmen. Jedoch ist der typische „Fan“ einer Marke/eines Unternehmens eher jung, gut gebildet und relativ einkommensschwach – ein typisches Studentenprofil, so eine aktuelle Studie von eCircle (siehe Internet World BUSINESS, 21/10, S.18). Diese Daten könnten dafür sprechen, dass sich eher erfahrene Nutzer auf dem Facebook-Shop bewegen werden, die sich von kleineren Hürden bei der Bedienung nicht abschrecken lassen. Doch zum einen fallen derartige Schwächen direkt auf das Unternehmen zurück. Wenn der Nutzer sich ärgert, dann wird er dies in Verbindung mit dem Betreiber der Fanpage in Erinnerung behalten. Zum anderen werden durch die Vernachlässigung der Bedienbarkeit unnötige Abbrüche provoziert, die optimale Umwandlungsrate kann also nicht erreicht werden.

Damit sich also die Implementierung eines Shops in die Fanpage wirklich lohnt, sollte bestenfalls schon vor der Umsetzung auf Maßnahmen zur Optimierung der User Experience zurückgegriffen werden. So können Prototypen-Tests zum Beispiel in kurzer Zeit wertvolle Erkenntnisse liefern, die mit wenig Programmieraufwand viel bewirken können. Eine Antwort auf die Frage, ob und wie sich ein Shopbetreiber überhaupt auf Facebook präsentieren sollte, kann mit Hilfe einer Zielgruppen-/Potenzialanalyse – auch in Verbindung mit Personas – gefunden werden. Eine Rückmeldung von Fahrrad.de zum bisherigen Erfolg des Facebook-Shops wäre natürlich sehr interessant. Letztendlich muss die Entscheidung jedoch für jeden Anbieter individuell getroffen werden.

9 Gedanken zu „Shopping im Netzwerk: Vertriebskanal Facebook-Fanpage am Beispiel von Fahrrad.de

  1. Hendrik Maat

    Hallo Frau Ludewig,

    Ich bin Hendrik Maat der (Niederländische, in Österreich lebende) GF von ShopShare, der Software die fahrrad.de nutzt um auf Facebook seine Produkte zu präsentieren.

    Allererst danke für Ihre sachliche und objektive „Test“. Sie haben einige Punkt hervorgebracht die uns so nicht bewusst waren und ich werde diese auch sofort mit mein Team besprechen.

    Einige Hinweise erlaube ich mir:
    – auf die Gestaltung der Buttons: Diese ist (für uns selbstverständlich) von den Shopbetreiber selbst anpassbar.
    – Nicht außer Betracht zu sehen ist der Trusted Shop Verifizierung, damit ist ShopShare die einzige ShopSoftware die man ohne Abmahnungsgefahr in Facebook einsetzen kann!
    – Die Möglichkeit, die Produkte zu verlinken mit der Webshop damit sie nach dem finden in der facebookshop dort gekauft werden können gibt es auch, diese ist hier nur nicht aktiviert
    – Sie fragen sich die Frage „Wer kauft wirklich in der Facebookshop?“. Wir können leider keinen Zugriff nehmen auf die Zahlen von Fahrrad.de. Möchten aber mit Nachdruck erwähnen dass das Ziel der Shop eigentlich ein bisschen anders liegt…

    Ich sehe den Schwerpunkt als Zubringer für den Webshop. Selbstverständlich kann ShopShare als eigene Lösung benutzt werden, besser funktioniert es aber in ein gesamt Konzept. Lediglich mit die Integration von ShopShare in eine facebookseite würde ihren Umsatz kaum steigern.

    Dies fängt schon an damit, dass der durchschnitt Fan ja seine Kommentare in seiner eigener Wall macht und der Fanseite lange nicht so oft besuchen wird als wir gerne hätten! Dazu kommt noch das Facebookseiten nicht google-optimiert sind, haben (noch) keinen affiliate Programme (obwohl wir dies anbieten) und schaffen also lange nicht die Besucherzahlen einer echten Webshop!! Im Fall von Fahrrad.de reden wir hier über mehrere 10.000 Besucher pro Tag unterschied…

    Setzt man aber ShopShare als Marketing-Tool ein (von Ihnen leider nicht betrachtet) schaut die Sache ganz anders aus! So können Sie zum Beispiel Kampagnen mit ShopShare verknüpfen, wie „exklusive Artikel NUR auf Facebook erhältlich“ oder „Für Fans 10% Rabatt in unsere Facebookseite“ oder in Kombination mit Vouchers die NUR in Facebook eingelöst werden können. Die von Ihnen erwähnten Facebook-verlinkung-Shop kann dies nicht bieten.

    Wir ermöglichen ganz neue Marketing Strategien die bis jetzt so nicht Möglich waren. Zumindest nicht mir der wichtigste Vorteil die dies mit sich zieht: Nachhaltigkeit!

    Durch die Kampagnen erzeugt man Fans, ganzen Mengen wenn man möchte, bis in die Millionen, je nach wie man das aufziehen möchte. Ich habe da so ein Par Ideen liegen die in kürzeste Zeit Lady Gaga alt ausschauen lassen wurden…

    Und Fans wiederum, die ich an meine Seite binden kann, meine Nachrichten Liesen und die ich letztendlich in meine facebookseite bereits auf meine Produkte aufmerksam machen hab können, sind Potentielle Käufer. Es gibt genügend Studien die dies besagen. Pures Weiterempfehlungsmarketing!

    Wenn diese Fans dann auch noch anfangen meine Produkte zu Teilen, Liken, Bewerten, usw (auch mit Kampagnen verknüpf: zB: „Unter allen Bewerterinnen in unseren Facebookshop verlosen wir XY“) kann ich damit eine Virilität erreichen wovon jeder Fanseite bis jetzt noch träumt.

    Und dass… ist was wir unseren Kunden mitgeben, ein Konzept für Social Commerce, nicht nur ein Produkt für Social Shopping.

    Ob social shopping funktioniert wurde ich gerne mal ausprobieren mit einen Shop die einige 100.000 Fans hat. Da laufen gerade ganz interessante Gespräche mit potentielle Kunden, ich werden Berichten wenn es soweit ist!

    Mit freundlichen Grüßen,

    Hendrik Maat
    http://www.shopshare.de

    Antworten
  2. Elske Ludewig

    Hallo Herr Maat,

    vielen Dank für Ihren ausführlichen Kommentar, den ich mit großem Interesse gelesen habe.

    Ich stimme Ihnen dahingehend zu, dass der Shop auf der Fanpage sicherlich im Gesamtkonzept betrachtet werden muss, um seinen „Erfolg“ zu bestimmen. Der letztendliche Verkauf ist in diesem Fall nur ein Teil dessen, was dieser Shop leisten soll.

    Dennoch muss sich der Nutzer im Shop „wohlfühlen“ und zurechtfinden, um ihn gern und intensiv zu nutzen. Und hier setzen Optimierungen rund um die User Experience an. Aus meiner Sicht lohnt es sich gerade bei diesem relativ jungen Tool, den Endnutzer bei der Weiterentwicklung einzubeziehen. Außerdem: Hat ein Facebook-Nutzer einmal ein oder mehrere Produkte in den Warenkorb gelegt, sollte ihm doch eine Bestellung problemlos gelingen, oder?

    Einen kleinen Wehmutstropfen hat das hohe Investment in alle Aktivitäten, die sich auf Facebook gründen für mich aber doch: Letztendlich kommt es auch zu einer starken Abhängigkeit von diesem Netzwerk. Die Entwicklungen in und um Facebook können sich doch immer auch auf den eigenen Auftritt dort auswirken und die Möglichkeiten der Einflussnahme durch Facebook gesteuert werden.

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  5. Hendrik Maat

    Hallo Frau Ludewig,

    Wir haben eine umfassende Änderung durchgeführt die auch Ihre Kritikpunkte betrefft. Ich wurde mich freuen wenn Sie das nochmal anschauen wurden?

    Schöne grüße,

    Hendrik Maat

    Antworten
  6. Elske Ludewig

    Hallo Herr Maat,
    ich habe mir die Änderungen angeschaut. Vor allem die Gestaltung von Buttons ist neu. Ich finde es gut, dass Call-To-Actions nun stärker hervortreten. Der Zurück-Link auf der Detailseite ist jedoch nun ebenso prominent wie der Warenkorb-Button, wobei letzterer eigentlich von der Bedeutung her noch höher anzusiedeln ist.
    Ich würde die Zurück- und Weiter-Button im Bestellprozess jedoch gestalterisch noch anpassen. Befindet man sich zum Beispiel im Warenkorb, fällt der Button „Weiter einkaufen“ viel stärker auf als der Pfeil zum Fortsetzen der Bestellung. Hier könnte es zu Verwechslungen kommen.

    Viele Grüße,
    Elske Ludewig

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  7. Hendrik Maat

    Hallo,

    Die Buttons sind nun von jeden Shop-betreiber selbst bearbeitbar/austauschbar. Somit kann jeder Shop die prominenz der Buttons selbst bestimmen. Ebenso die vor und zurückbuttons (pfeile) beim Bestellprozess sind vom Shopbetreiber selbst zu gestalten wenn Sie das Design für dem Shop nicht uns beauftragen.

    Liebe Grüße,

    Hendrik Maat

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