Content Targeting – ein wichtiges Modul der Website Usability

Oder: Irgendwas schreiben können viele. Relevant texten nur wenige.

Teil 1: Willkommen – oder auch nicht

Bei realen Begegnungen entscheiden die ersten drei Sekunden über Sympathie oder Antipathie, heißt es. Im Web hat man, so heißt’s, immerhin bis zu 30 Sekunden Zeit, um dem Besucher einer Seite sympathisch zu werden – oder eben auch nicht.

Rund ein Drittel dieser ersten, entscheidenden Besuchszeit entfallen auf die Begutachtung des Textes – das sind 10 Sekunden. Bedenkt man, dass die meisten Menschen am Monitor rund 25% langsamer lesen als etwa in einem Buch, haben Sie also maximal 30 Wörter Zeit, um den User zum Bleiben zu überzeugen.

30 Wörter, das sind etwa 200 Zeichen Text. Kaufwilligen Besuchern eines Shops unterstellt man, dass sie etwas gnädiger sprich geduldiger sind. Sie nehmen sich bis zu 65 Wörter Zeit bevor sie sich für den Klick auf den Schließen-Button entscheiden.

Zusammenspiel aller Inhalte

Relevanz ist für alle Contents einer Site unerlässlich. Es gibt viele Seiten, die ihre Besucher faszinieren, weil sie optisch anregend sind; die Begeisterung beim Nutzer ist aber nicht von Dauer, wenn der Content nichts zu bieten hat. Und andersherum: Es gibt Seiten mit bescheidener Anmutung, die aber so relevante Inhalte bieten, dass sie trotzdem immer wieder aufgerufen werden. Also … das Wort steht vielleicht nicht am Anfang und es ist auch nicht allein, aber es muss genauso optimal gewählt werden. Denn professioneller, kunden-nutzen-orientierter Text, der sich leicht lesen lässt und Mehrwert bietet, ist gut für die Nutzer-Seiten-Bindung und die Verweildauer auf der Seite.

Relevanz, Gefälligkeit, Attraktivität

Entscheidend ist der Einstieg in den Text, die ersten Worte, die der Besucher wahrnimmt, liest oder auch nur überfliegt. Sie müssen ihn im wahrsten Sinne des Wortes fesseln, ihn auf der Seite verweilen lassen. Dazu gibt es verschiedene stilistische Hilfsmittel:

  • Die Überraschung. Wählen Sie eine außergewöhnliche Formulierung. Bringen Sie unerwartete, frische Gedanken, die den Leser bannen.
  • Die Frage. Formulieren Sie einfach, treffend und direkt. Fragen eröffnen den Dialog, machen betroffen und regen zum Weiterlesen an.
  • Die Behauptung. Stellen Sie eine Aussage in den Raum. Provozieren Sie, polarisieren Sie.
    Das motiviert die Leser Stellung zu beziehen, sie setzen sich auseinander mit dem Thema.
  • Das Detail. Machen Sie ein relevantes Detail zur Hauptsache. Eröffnen Sie so ganz andere Perspektiven. Das regt die Vorstellungskraft an und weckt die Neugier.
  • Das Zitat. Nutzen Sie Originalaussagen von Prominenten und Persönlichkeiten, um ins Thema einzuführen. Der Text wirkt aktuell, authentisch und abwechslungsreich.

Zeitverschwendung ist tödlich

Kurzum: Langweilen Sie nicht mit Plattitüden! Begeistern Sie den Leser, wecken Sie sein Interesse und ziehen Sie ihn in die Seite hinein. Das alles passiert am besten durch relevante, gut rezipierbare und reizvoll aufbereitete Aussagen.

Aber wie kommt es zu solchen Aussagen? Wie entsteht ganz konkret ein „guter“ Text? Nun, er überzeugt durch Gedanken – nicht durch Fachjargon oder akademisch anmutende Bandwurmsätze. Die Sätze sind oft simpel aufgebaut – so bleiben sie nachvollziehbar. Dennoch sind sie nicht banal, sondern haben klare und eindeutige Aussagen, die für den Leser von Relevanz sind.

Erfahren Sie in der nächsten Folge wie Content Usability und Targeting von Produkttexten helfen kann, in Onlineshops die Konversionsrate zu erhöhen und die Abbruch- und Absprungrate zu verringern.

5 Gedanken zu „Content Targeting – ein wichtiges Modul der Website Usability

  1. linda

    Hallo Frau Wassermann! Sehr interessantes Thema, gibt es für die Zahlen Quellen? 30 Sekunden hat ein Shopbetreiber meines Erachtens mit Sicherheit nicht Zeit, den User zu überzeugen. Es gibt eine Studie, die von mittlerweile 2 Sekunden spricht. Vielleicht sollte hier ganz klar zwischen Shops und sonstigen Websites unterschieden werden, dass keine Mißverständnisse entstehen… Viele Grüße, linda

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  2. KI-WA

    Servus „Frau Linda“!
    Danke fürs Feedback und für die Anregung. Ich bin d’accord: Es ist sehr wohl zu unterscheiden zwischen Webseiten und Shops; sogar zwischen contentlastigen und contentarmen Webseiten gibt es schon große Unterschiede (die Zahlen habe ich übrigens aus einer VDZ-Studie und der FocusMedialine, die sich u. a. auf den vielzitierten Verweildauer-Wert von Nielsen/Netratings beziehen).
    Werde das jedenfalls berücksichtigen in zukünftigen Beiträgen, damit es keine Missverständnisse gibt 😉
    Aber Gegenfrage: Wer hat die 2 Sekunden ermittelt? Das ist wahrlich stramm …
    Grüße aus dem verschneiten München

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  3. KI-WA

    Noch mal Servus!

    Danke für den Pressemitteilungs-Link. Darin geht es ja aber um die Ladezeiten von Websites; und da scheinen „47 Prozent der Verbraucher … maximal 2 Sekunden (zu) erwarten“.

    In meinem Beitrag ist natürlich die Verweildauer auf einer Seite gemeint.
    Daher die Unterschiede. Gut dass wir das geklärt haben 😉

    Wünsche schönes Wochenende,
    KI-WA

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  4. linda

    Servus Kirsten!
    Jo stimmt auch wieder, jetzt haben wir aber den ganzen Obstkorb voll….und hoffentlich alle Sorten geklärt 😉

    Performance ist halt auch ein (noch etwas verkannter) Usability Faktor….

    Schönes Wochenende!
    Bin schon geespannt auf Ihren nächsten Beitrag!
    linda

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