Produktkonfiguration für Möbel – Annäherung an das Traumsofa spielerisch, intuitiv und nachvollziehbar

Das Suchwort „Möbel“ wird derzeit monatlich in etwa 2,7 Mio. Mal bei Google eingegeben und liefert dabei aktuell mehr als 18 Millionen Treffer. Wer nun vermutet, dass der Möbelumsatz über das Internet dementsprechend sehr gut laufen müsste, der irrt – nur etwa 5% des Möbelumsatzes werden jährlich über Online-Käufe generiert.

Doch wie können Online-Shops ihren Kunden den Kauf via Internet nun „schmackhaft“ machen? In einem früheren Beitrag wurde bereits darauf hingewiesen, dass z.B. Online-Einrichtungsplaner den Möbelkauf im Internet erleichtern können. Wer nun nicht gleich ein ganzes Wohnzimmer neu einrichten möchte, der kann sich mit Hilfe eines Produktkonfigurators auch ein einzelnes Möbelstück ganz nach seinen Wünschen zusammenstellen.

Wichtiges Kriterium beim Kauf von Sofas & Co.: Die Optik

Die Gründe, warum sich viele dagegen entscheiden, Möbel im Internet zu bestellen, scheinen relativ klar: Wer z.B. ein neues Sofa erwerben möchte, der möchte dieses zuvor gerne von allen Seiten betrachten, sich über mögliche Sonderausstattungen informieren und sich eine Vorstellung davon verschaffen, wie das Möbelstück später in seinem Wohnzimmer aussehen wird.

Ein Online-Shop sollte seinen Kunden also in erster Linie genau diese Informationen liefern und den Nutzern das Aussehen des Sofas, Regals oder Bettes möglichst gut veranschaulichen. Die Realität sieht jedoch häufig anders aus: Oftmals sind Möbelstücke wie z.B. Polstermöbel nicht in allen verfügbaren Farben abgebildet, die Anzahl unterschiedlicher Ansichten ist sehr begrenzt und auch eine Zeichnung mit Abmessungen sucht man oftmals vergeblich.

Mit Spaß zum Wunschmöbelstück

Ein sehr gutes Beispiel dem Nutzer eine genaue Vorstellung von einem Möbelstück zu vermitteln – und zwar so, sodass dieser auch noch Spaß dabei hat – ist der Produktkonfigurator von polstermoebelplaner.de. Der Nutzer hat hier zunächst die Möglichkeit, die Grundeigenschaften seines Sofas zu bestimmen, indem er z.B. Bauart, Bezüge und die Art der Kissen auswählt.

Bei jeder Veränderung, die der Nutzer vornimmt, verändert sich auch die 3D-Abbildung des Sofas auf der linken Seite entsprechend. Die aktuelle Auswahl des Nutzers ist zudem jeweils sehr deutlich hervorgehoben.

Bezug auswählen

Rechts im Bild findet sich eine Detailansicht der jeweiligen Konfigurationsmöglichkeit (hier: Bezugsstoff). Diese vergrößert sich entsprechend, wenn man für die Auswahl mit der Mouse über die jeweilige Stoffkachel fährt.

Detailansicht Bezug

Der Nutzer kann sich auf diese Weise sehr intuitiv und Schritt für Schritt seinem Traummöbelstück annähern. Ist er schließlich zufrieden mit seiner Konfiguration, so kann er unten auf der Seite wählen, ob er sich Einzelmöbel oder ein ganzes Ecksofa zusammenstellen möchte.

Er gelangt dazu auf eine weitere Seite, auf der er im unteren Bereich die entsprechenden Bestandteile auswählen kann. Klickt er eines der Elemente an, so wird dieses im nächsten Schritt zur 3D-Darstellung oben auf der Seite hinzugefügt. Dabei passen sich nach jeder Auswahl sowohl der Preis des Möbelstücks als auch dessen Abmessungen entsprechend an.

Sofaecke zusammenstellen

Nicht (mehr) auswählbare Elemente werden im Auswahlmenü ausgegraut. Ferner hat der Nutzer die Möglichkeit, die Wand- und Bodenfarbe des Raumes an seine eigenen Farben daheim anzupassen.

Sofa vor Wandfarbe

Produktkonfiguratoren in Online-Shops integrieren

Ein Konfigurator wie im o.g. Beispiel könnte auch vermehrt in Online-Shops für Möbel eingesetzt werden. Es gibt viele Gründe, die dafür sprechen:

  • Produktkonfiguratoren verbessern die Darstellung von Möbelstücken für den Nutzer; wenn dieser das Aussehen des Möbelstücks besser einschätzen kann, wird der mit höherer Wahrscheinlichkeit auch online bestellen.
  • Es können wesentlich mehr Varianten eines Möbelstückes abgebildet werden als im Möbelhaus ausgestellt werden können.
  • Sie lassen sich praktisch auf alle Möbelstücke übertragen, bei denen Konfigurationsmöglichkeiten vorhanden sind.
  • Die Produktkonfiguration verbindet die einfache Produktsuche mit einem hohen Joy of Use, sodass dem Nutzer die Seite wahrscheinlich positiv in Erinnerung bleibt und er sie erneut besucht.

Der vorgestellte Polstermöbelkonfigurator liefert zudem gute Beispiele für Aspekte, die man bei der Konzeption eines Konfigurators beachten sollte:

  • Änderungen sichtbar machen: Jede Konfiguration des Nutzers sollte für diesen unmittelbar in einer Abbildung zu erkennen sein. Auch der Preis sollte entsprechend neu kalkuliert werden. So kann der Nutzer sofort abschätzen, ob eine vorgenommene Änderung sinnvoll ist bzw. seinen Vorstellungen entspricht (und noch in seinem Budget liegt).
  • Abbildungen im dreidimensionalen Raum: Der Nutzer sollte sich das Möbelstück in einem virtuellen Raum anschauen können, den er (hinsichtlich Wand- und Bodenfarbe) an eigene Räume anpassen kann. Dies bietet ihm eine Möglichkeit, die er im Möbelhaus nicht hat.
  • Details realitätstreu darstellen: Besonders, wenn auf 3D-Abbildungen anstelle von Fotos zurückgegriffen wird, sollten z.B. Stoffe, Kissen oder andere Details dennoch mit Hilfe möglichst detaillierter Fotos dargestellt werden, damit der Nutzer abschätzen kann, wie die Eigenschaften des Möbelstücks beschaffen sind.
  • Weiterführende Services anbieten: Die Integration eines Produktkonfigurators allein genügt nicht. Weitere Services (Stoffmusterbestellung, telefonische Beratung) helfen ebenfalls dabei, dem Nutzer eine Vorstellung vom Möbelstück zu vermitteln und ihn ggf. zu einer Kaufentscheidung zu motivieren.

Produktkonfiguratoren stellen demnach eine spielerische und nutzerfreundliche Variante der Produktsuche und -auswahl dar – vorausgesetzt natürlich, sie sind gut umgesetzt. An dieser Stelle ist meines Erachtens noch großes Potential vorhanden hinsichtlich der Präsentationsweise von Möbeln in Online-Shops.

Ich freue mich auf Ihre Meinungen und Kommentare!

7 Gedanken zu „Produktkonfiguration für Möbel – Annäherung an das Traumsofa spielerisch, intuitiv und nachvollziehbar

  1. Marcel Zimmermann

    Hallo Andrea,
    toller Artikel! Grade den letzten Punkt finde ich spannend: die realitätstreue. Nach dem „wie sieht das Möbelstück denn bei mir zu Hause aus?“ bringen einige Hersteller Apps heraus, die das gewünschte Möbelstück mittels Augmented Reality in die eigenen vier Wände projizieren. So z.B. von Ikea: http://tinyurl.com/armoebel. Da fände ich es nur konsequent, wenn ich zuvor online konfigurierten Produkt machen könnte.
    viele Grüße, Marcel

    Antworten
  2. Philipp Randt

    Hallo Frau Struckmeier,

    sehr interessanter Artikel und sehr übertragbar auf andere Produkte, bzw. Shops. Ich kann mir auch eine Kombination aus einem Konfigurator und Produktabbildungen wie im Artikel von Frau Jüngel beschrieben gut vorstellen. Zunächst gestaltet man ein Produkt nach seinen Vorlieben und kann sich es anschließend noch en Detail ansehen, ein PDF erstellen oder per Tell-a-friend die Konfiguration teilen. Eine Verzahnung beider Techniken (wo möglich) kann ein umfassendes Shoppingerlebnis schaffen, vorrausgesetzt (Sie sagen es), es ist gut gemacht.
    Den Konfigurator aus dem Beispiel finde ich daher vom Ansatz her gut, allerdings sehr ausbaufähig, da überhaupt nicht realitätsnah. Hier ist technisch, seitens 3D Rendering und auch Platzierung des Resultats im Kontext eindeutig mehr möglich. Auch das Interface ist nicht zeitgemäß, hier sollte nicht am falschen Ende gespart werden.

    Besten Dank für den Einblick und Grüße
    Philipp Randt

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  3. Maikel

    Noch wichtiger dürfte gerade beim Sofa das Probesitzen sein.
    Und das ist im Web irgendwie schwierig.:-)
    Wenn ich online ein Sofa kaufen wollte, müßte ich als erstes ein Rückgaberecht haben. Und das ist umso problematischer, je individueller das Sofa konfiguriert wurde.

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  4. Regaltischlerei

    Ein Ähnliches Angebot, jedoch für Wohnmöbel wie Regale, Wandverkleidungen etc. bietet die http://www.regaltischlerei.de.

    1,2,3… meine Wohnideen, fertig los
    Das Gestalten bei regaltischlerei.de ist sehr einfach. Im Prinzip sind nur ein Computer mit Internetzugang und Lust mal etwas Neues auszuprobieren erforderlich. Zuerst wird das Objekt ausgewählt und dann werden mit wenigen Klicks Regale, Tische, Sitze und Wandverkleidungen kreiert. Was dabei herauskommt, zeigt die integrierte 3D-Ansicht, bei der sich alles um 360 Grad drehen, vergrößern, verkleinern und von allen Seiten betrachten lässt.

    Viel Spaß beim Möbelgestalten. 🙂

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  5. Andrea Struckmeier Beitragsautor

    Danke für die bisherigen Kommentare! Wie Maikel dargestellt hat, haben viele sicherlich bedenken in Bezug auf den Möbelkauf im Netz, wenn sie die Möbel nicht vorher ausprobieren oder anfassen können. Sicherlich ist da ein guter Service z. B. hinsichtlich eines Rückgaberechts sehr wichtig.
    Möbelkonfiguratoren bieten allerdings m. E. trotzdem den Vorteil, dass der Nutzer sich hierdurch viel besser ein Bild von einem Möbelstück machen kann als dies bei herkömmlichen Produktabbildungen der Fall ist.
    Der vorgestellte Möbelkonfigurator bietet sicherlich hinsichtlich der Realitätsnähe noch Optimierungspotezial – er verdeutlicht aber eine gute Möglichkeit, sich auch ohne den Gang ins Möbelhaus abzusichern, ob das Möbelstück gut in die eigenen vier Wände passen würde. Wie Herr Randt schon angemerkt hat, wäre es dann auch sicher nicht mehr weit zum nächsten Schritt, der darin besteht, das frisch konfigurierte Möbelstück mit seinen Freunden zu „teilen“ und es von ihnen z. B. bewerten oder umgestalten zu lassen. Und damit käme man dann dem „Live-Shopping-Erlebnis“ noch einmal ein bisschen näher.

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  6. Anna

    Ich finde es super praktisch, dass man sich so wirklich sehr individuell alles einstellen und anpassen kann, dadurch bekommt man einen perfekten Eindruck. Aber ich stimme auch Maikel zu, dass auch das Probesitzen nicht fehlen darf. Mann muss eben beides machen, dann kriegt man glaube ich den besten Eindruck. Grundsätzlich ist es für einen Onlineshop aber unerlässlich, solche Vorteile zumindest auszuspielen, dass der Kunde gleich alles probieren und anschauen kann.

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  7. Pingback: Eine Frage der Verhältnismäßigkeit – Wie Referenzobjekte bei der Produktauswahl helfen können | usabilityblog

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