Systeme zur Messung emotionaler Aktivierung

Aktivierungsmessung

Für die Untersuchung der User Experience einer multimedialen Anwendung ist die Messung der Aktivierung des Nutzers ein wichtiger Bestandteil der Studie. In wenigen Millisekunden nach der ersten Betrachtung entscheidet ein Nutzer anhand verschiedener Faktoren, ob ihn eine Anwendung anspricht und er sich zum Verweilen motiviert fühlt oder nicht. Kombiniert mit anderen Methoden und Verfahren setzen wir die Aktivierungsmessung in Rahmen unserer Studien ein. So können z.B. Hautleitwiderstand oder Herzfrequenz gemessen werden.

Im Folgenden möchte ich Ihnen drei Systeme zur Messung der Aktivierung vorstellen.

Die Firma Meditech bietet physiologische Messgeräte an, die vielfältig zu Forschungszwecken eingesetzt werden. Dabei werden Systeme verwendet, die variabel mit 2, 5, 8 oder 10 Kanälen, d.h. mit unterschiedlichen Sensoren zur Messung der Aktivierung belegbar sind (z.B. EMG, EKG, Temperatur, Hautleitwert usw.). Die Sensoren werden für die Testpersonen möglichst angenehm am Körper angebracht. Parallel werden der Bildschirminhalt und die Aktivitäten des Nutzers zum Stimuli aufgezeichnet. Die Ausgabe der Daten erfolgt über eine spezielle Software, welche die Daten live und in Echtzeit während des Tests aufzeichnet. Mittels sogenannter „Trainingsbildschirme“ (verschiedene Darstellungsarten der Software) erhält man eine Art Dashboard über welches einzelne Websites bzw. Videos und die dazugehörigen emotionalen Aktivierungswerte zu einem bestimmten Zeitpunkt miteinander verglichen und ausgewertet werden.

Eine weitere Variante stellt die Firma mindmetic bereit. Das Unternehmen bietet ein System zur Synchronisierung von Blickdaten und Aktivierungsmessung. Die Messung der emotionalen Aktivierung erfolgt hier u.a. mittels eines kleinen Handschuhs (mindGlove), welcher vom Probanden während des Testablaufs getragen wird. Hierüber können auch verschiedene physiologische Daten der Testperson aufgezeichnet werden. Auch eine drahtlose Übertragung der Daten ist damit möglich. Die Synchronisierung der Blick- und Aktivierungsdaten wird mit der firmenspezifischen Eyetracking-Lösung (mindEye) realisiert.

Das sogenannte „attention tool“ der Firma iMotions bietet eine Synchronisierung von emotionaler Aktivierung mit den Blickdaten über eine entsprechende Softwareschnittstelle zu verschiedenen Hardwareanbietern z.B. Tobii Technology oder SensoMotoric Instruments an. Im Unterschied zu den oben beschriebenen Verfahren werden keine physiologischen Sensoren an der Testperson angebracht. Die emotionale Aktivierung wird aus verschiedenen Indikatoren wie z.B. Pupillengröße oder Blinzelrate berechnet und analysiert.

Wie sind Ihre Erfahrungen im Umgang mit Systemen zur Messung emotionaler Aktivierung? Welche Technologien setzen Sie in der Usability-Forschung ein?

Ich freue mich auf eine spannende Diskussion mit Ihnen.

3 Gedanken zu „Systeme zur Messung emotionaler Aktivierung

  1. Melanie Grisch

    Hallo Herr Anders,

    vielen Dank für die interessante Aufstellung. Mich würde interessieren, welches dieser drei Systeme Sie für am Geeignetsten halten, negative Gefühle wie Frustration aber auch Positives, sprich einen tollen Joy of Use vergleichend darzustellen. Gerade bei der Ermittlung des Ersteren sind Testpersonen meiner Meinung nach in ihren Äußerungen oft zu höflich, auch wenn sie durch ihre Mimik starke Frustration signalisieren.

    Mit besten Grüßen,
    Melanie Grisch

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  2. Pingback: Physiologische Messung der User Experience - Koeckstadt – Usability

  3. Thorsten Wilhelm

    Hallo, Frau Grisch, wir haben die besten Erfahrungen mit Systemen gemacht, die Veränderungen beim Hautleitwiderstand messen und darstellen. Sie sind sehr sensibel und zeigen kleinste Veränderungen bei der Aktivierung an. Die Bedeutung und die Richtung der Aktivierung – sprich: hat sie zu einem positiven oder negativen Gefühl geführt? – erfragen wir. Dazu schauen wir uns Ereignisse und Stellen im Surfprozess an, bei denen es deutliche Ausschläge beim Hautleitwiderstand gab, zeigen den Testteilnehmern diese Stellen (Seiten), und „erfragen“ die Bewertung. Wir konnten so schon viele Erkenntnisse zu den Treibern positiver und auch negativer Emotionen identifizieren.
    Mein Betrag hier im Blog:
    –// http://www.usabilityblog.de/2011/05/meine-ersten-erfahrungen-mit-mirapodo-de-%E2%80%93-schuhe-kaufen-mit-begeisterung/
    macht das Gesagte ggf. noch etwas anschaulicher.

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