Was hat der Usability-Test im Labor, was das UX Activation Lab nicht hat – und umgekehrt?

Aktuell gibt es unterschiedlichste Ausprägungen von nutzerbasierten Usability-Tests: Es gibt zum einen den klassischen Usability-Test im Labor, der sich seit den 90er Jahren einer andauernden Beliebtheit erfreut und zur Optimierung der Benutzerfreundlichkeit dient. Zum anderen gibt es den thesengenerierende Usability-Test, dessen Fokus nicht auf der Identifizierung und Behebung funktionaler Usability-Probleme, sondern auf der Beobachtung und Generierung von neuen Ideenpotentialen liegt. Hinzugekommen sind nun Usability-Tests (wie z.B. das UX Activation Lab), die sich mehr und mehr mit emotionalen Aspekten und der User Experience – dem Nutzungserlebnis – beschäftigen. Im Folgenden werden die Einsatzbereiche des klassischen Usability-Tests im Labor und des UX Activation Labs kurz gegenübergestellt.

Der Fokus eines klassischen Usability-Tests im Labor ist das Aufdecken von funktionalen Usability-Problemen während der Bearbeitung von vorgegebenen Szenarien. Zudem ist es möglich Performanzdaten (Metriken) zu erheben, um so im Sinne einer Längsschnittanalyse eine Art Controlling zu etablieren.

Usability-Test im Labor liefert somit Antworten auf folgende exemplarische Fragestellungen:

  • Sind die Rubriken, Buttons und Links erwartungskonform, semantisch korrekt und verständlich bezeichnet?
  • Wie werden die unterschiedlichen Navigationselemente verstanden? Sind diese intuitiv bedienbar?
  • Werden gesuchte Informationen schnell gefunden?
  • Sind die Interaktionssequenzen bei zentralen Handlungsprozessen logisch?
  • Erkennt der Nutzer zu jeder Zeit seine Handlungsoptionen und seine aktuelle Position?
  • Gelingt ein visuelles Guiding (gewünschter Blickverlauf = vorhandener Blickverlauf)?

Und viele andere mehr…

Mithilfe der dabei gewonnenen Erkenntnisse lässt sich die Benutzerfreundlichkeit einer Website optimieren und somit Seitenabbrüche aufgrund einer schlechten Bedienung minimieren (z.B. im Checkoutprozess oder der Bedienung von Filtern zur Einschränkung einer Suchanfrage; überall dort wo Emotionen eine eher untergeordnete Rolle spielen).

Die Zielsetzung des UX Activation Labs ist eine andere. Hierbei geht es vornehmlich um die Messung und Analyse von emotionalen Faktoren bzw. Reaktionen, die bei der Nutzung einer Website auftreten. Durch die Messung der Aktivierungsleistung per Hautwiderstand – gepaart mit dem Blickverlauf und einer subjektiven Bewertung des Probanden anhand eines speziell dafür entwickelten Fragebogens – ist es möglich, Aussagen hinsichtlich des emotionalen Einflusses einzelner Elemente pro Seite und/oder im Gesamtverlauf der Nutzung zu tätigen. Somit ist es mithilfe des UX Activation Labs möglich, folgende exemplarische Fragestellungen zu beantworten:

  • Welchen Eindruck hinterlässt die Einsteigseite beim Nutzer – innerhalb der ersten Sekunden?
  • Welche Elemente auf einer Seite sprechen den Nutzer am meisten an (im Sinne der Stimulation/Aktivierung)?
  • Welche Assoziationen, emotionalen Wirkungen treten bei der Betrachtung einer Seite auf?
  • Motiviert eine Seite zum nächsten Klick bzw. werden die richtigen Handlungsimpulse beim Nutzer hervorgerufen?
  • Welche Variante konvertiert am besten?

Und viele andere mehr…

Darüber hinaus liefert die Beobachtung der Probanden bei der Bearbeitung von Aufgabenstellungen zusätzlich eine Identifikation der größten Usability-Probleme. Dies kann und soll jedoch keinesfalls so detailliert sein wie beim Usability-Test im Labor.

Die Optimierung einer Website auf Basis der Erkenntnisse des UX Activation Labs reduziert folglich vor allem die Art von Seitenabbrüchen, die aufgrund fehlender oder negativer Assoziationen und Motivation entstehen. Folglich eignet sich der Einsatz vor allem bei der Optimierung von Startseiten, Landingpages und anderen Seitentypen, die vor allem durch ihre Optik überzeugen müssen/sollen.

Die Kombination von klassischen Erhebungsverfahren (Verhaltensbeobachtung, Protokolle Lauten Denkens, Eyetracking, Szenarios, halbstrukturierte Interviews etc.) in Kombination mit der Messung von Emotionen (Hautwiderstand verknüpft mit einem Fragebogen) im Rahmen des UX Activation Labs ist also eine weitere, überaus sinnvolle Art des Usability-Testings mit einem Fokus auf Emotionen/User Experience.

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