Design im Wandel: Websites aus der Versicherungsbranche

Das Internet ist ein schnelllebiges Medium, das sich ständig verändert. Das fängt bereits mit der Hard- und Software an, mit der wir das Internet nutzen: So hat ein Großteil der Internetnutzer heutzutage einen größeren Monitor, leistungsfähigeren Rechner (und Browser) sowie eine schnellere Internetverbindung als noch vor einigen Jahren. Innerhalb weniger Jahre verändert sich jedoch nicht nur die technische Ausstattung, sondern auch unser Nutzungskontext und damit unsere Bedürfnisse und Anforderungen an Inhalte und Angebote im Web. Als logische Konsequenz (oder besser gesagt: im Idealfall) passen sich auch die Websites an diese Veränderungen an.

Doch was genau hat sich innerhalb der letzten Jahre verändert? Lassen sich in punkto Web-Design und -Usability Trends erkennen? Mit diesen Fragen habe ich mich am Beispiel von Websites aus der Versicherungsbranche beschäftigt – und nehme Sie als Leser mit auf eine kleine Zeitreise durch die letzten fünf Jahre.

Wir bei eResult verfolgen bereits seit mehreren Jahren regelmäßig die Entwicklung des Web-Designs verschiedenster Branchen. Dabei erstellen wir einmal jährlich Screenshots von Websites aus der jeweiligen Branche – egal ob von Automobilbörsen oder von Videoportalen. Darunter sind auch die Internetauftritte von insgesamt 17 Versicherungsunternehmen, deren Website-Design sich innerhalb der letzten Jahre (2007-2011) stark verändert hat.

DBV 2007-2011

Oben stehend sehen Sie eine der 17 Versicherungswebsites (www.dbv.de), deren Startseite wir von 2007 bis heute einmal jährlich abfotografiert haben. Im Vergleich von 2007 zu 2011 fällt – sowohl anhand dieses Beispiels als auch bei der Mehrheit der anderen 16 Websites – auf, dass die Suchfunktion nach rechts oben gewandert ist (im Jahr 2007 war diese häufig noch links platziert). Auch in punkto Kundenservice hat sich einiges getan: Nahezu alle Auftritte bieten dem Nutzer heutzutage bereits auf der Startseite – meist im rechten oberen Seitenbereich – Kontaktmöglichkeiten wie Telefonnummer, E-Mail und die Suche nach der nächstgelegenen Geschäftsstelle via PLZ- / Ortseingabe. Dies zeigt, dass sich der Service- sowie der Anwendungscharakter der Websites verstärkt hat; bei einigen der 17 Anbieter kann sich der Nutzer zudem in einen persönlichen Kundenbereich einloggen und bekommt Online-Beratungstools angeboten, die ihm – analog zum „echten“ Versicherungsberater – interaktiv zu angebotenen Produkten beraten sollen. Einige Versicherungsunternehmen gehen sogar noch einen Schritt weiter und bieten die Möglichkeit eines Online-Abschlusses an.

Hinsichtlich der farblichen Gestaltung scheint der Trend hin zu farbärmeren Designs zu gehen, hellgraue bzw. weiße Farben und Hintergründe dominieren. Noch vor einigen Jahren waren die Websites wesentlich bunter und komplette Flächen und Seitenbereiche wurden in der jeweiligen CI-Farbe gehalten. Heute werden farbliche Akzente offensichtlich sparsamer und gezielter eingesetzt, beispielsweise bei Bedienelementen wie Buttons oder Reitern.

Mit Blick auf die Navigation lässt sich ein Trend hin zu Layer-basierten Lösungen erkennen, wie das unten stehende Beispiel zeigt (www.hannoversche-leben.de):

Hannoversche Leben 2011

Besonders auffällig ist zudem, dass nahezu alle der 17 Versicherungswebsites heutzutage vermehrt mit Gütesiegeln (beispielsweise von Stiftung Warentest) werben. Dies war 2007 noch nicht der Fall und ist – neben dem Einsatz von großflächigen, emotional wirkenden Bildteasern und Bildbühnen – ein weiteres Indiz dafür, dass auch über eine Unternehmenswebsite Vertrauen zum Nutzer aufgebaut werden soll. Bemerkenswert ist dabei das Beispiel der aktuellen Startseite der AachenMünchener: Hier werden die Gütesiegel sogar noch vor das Unternehmenslogo gestellt (siehe unten stehende Abbildung, www.amv.de).

Aachen Münchner 2011

Ich hoffe, ich konnte Ihnen einen Einblick in den Wandel des Website-Designs der Versicherungsbranche geben. Viele der genannten Feststellungen decken sich übrigens auch mit den – branchenübergreifenden – Ergebnissen unserer Imagery-Studie für nutzergerechte Startseiten-Gestaltung, so zum Beispiel die Positionierung der Suchfunktion. Darüber hinaus ist absehbar, dass sich der Trend noch weiter in Richtung serviceorientierter Websites bzw. -anwendungen entwickeln wird, insbesondere in der Versicherungsbranche. Hier wird es zukünftig verstärkt darauf ankommen, den Nutzer bzw. Endkunden in die Gestaltung des Websiteangebots mit einzubeziehen, um seinen Anforderungen und Bedürfnissen gerecht zu werden.

7 Gedanken zu „Design im Wandel: Websites aus der Versicherungsbranche

  1. Ralph

    Interessant finde ich die Tatsache, dass jährlich Screenshots von bestimmten Websites gemacht werden. Damit lassen sich sowohl unternehmens- als auch branchenspezifische Entwicklungen rund um den Internetauftritt ableiten und feststellen.

    Meine Frage: Erfolgt diese Analyse nur für die im Artikel erwähnte Versicherungsbranche?

    Antworten
  2. Thorsten Wilhelm

    Besten Dank für Ihr Feedback.
    Weil ich es grad lese, meine Antwort auf Ihre Frage:
    Wir erstellen solche Screenshots seit mehreren Jahren für insgesamt 50 Branchen / Bereiche. Je Branche ca. 15 Unternehmen. Die Screenshots werden jährlich einmal erstellt (je Branche), immer in der selben Kalenderwoche.
    Unser Ziel: Das weiter fortführen und dazu mal ein z.B. Buch herausgeben, mit dem Arbeitstitel „Design im Wandel“.

    Zudem nutzen wir – eResult – diese Datenbanken auch, um die Entwicklungen zu beobachten, Trends zu erkennen und auch Anregungen für unsere Empfehlungen zu bekommen.

    Ich könnte mir vorstellen, diese Datenbank auch anderen zugänglich zu machen, hab da aber noch keinen konkrete Vorstellung zu entwickelt.

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  4. Ralph

    Ich danke Ihnen ebenso für Ihre ausführliche Antwort.

    Die Idee und das Vorgehen kann ich sehr gut nachvollziehen. Selbst habe ich zwar einen Ideenpool mit interessantem Webdesign, aber diese werden nicht weiter beobachtet, sondern nur einmalig festgehalten. Für mich ist die Entwicklung einmal zeitlich kaum umzusetzen und weiterhin weniger bedeutsam.

    Ein Zugang zu einer Datenbank wäre sehr empfehlenswert, da die Arbeit bereits erfolgte und ich mich auf die Entwicklung konzentrieren kann. Ich kann diese Vorstellung nur begrüßen 😉

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