Worauf bei Tarifrechnern im Netz zu achten ist – 3 Tipps zur Unterstützung Ihrer Nutzer

abacus euro

In zahlreichen Usability-Tests und Online-Befragungen haben wir festgestellt, dass die Nutzer eine klare Erwartung an Versicherungs-Websites haben: dort sind sowohl Informationen über den Leistungsumfang der Versicherung zu finden als auch wie viel die Lebens- oder die Hausrat-Versicherung kostet. Informationen über die jeweiligen Versicherungsdetails sind meist recht reichhaltig und ein Tarifrechner wird auch auf vielen Versicherungs-Websites angeboten. Dabei kann man jedoch viel falsch machen. Im Folgenden erhalten Sie drei zentrale Tipps für einen guten Tarifrechner im Internet. Angeschaut habe ich mir bei meiner Recherche eine Vielzahl an Tarifrechnern für Hausratversicherungen. Die Erkenntnisse lassen sich jedoch auf alle (Tarif-)Rechner übertragen und beschränken sich auch nicht auf Versicherungs-Websites.

1. Nur so viele Angaben wie nötig

Wenn für die Berechnung eines Tarifs Angaben nicht notwendig sind, dann sollten diese auch nicht abgefragt werden. Am Beispiel Hausratversicherung verdeutlicht: Die Kosten für diese Versicherung ergeben sich aufgrund der Wohnfläche der Wohnung oder des Hauses, der Bedachung etc. Die konkrete Anschrift (die PLZ ist hier absolut ausreichend) und das Geburtsdatum werden nicht benötigt bzw. bewirken keine Preisunterschiede. In einigen Tarifrechnern wird dennoch gleich im ersten Schritt die Anschrift mit Straße, Hausnummer, PLZ und Ort abgefragt. Dies führt bei zahlreichen Nutzern zum sofortigen Abbruch des Tarifrechners. Gerade bei der Anschrift handelt es sich für viele Personen um Daten, die sie erst bei Vertragsabschluss bereit sind anzugeben.

2. Tarifoptionen transparent darstellen

Nach der Eingabe der berechnungsrelevanten Daten erhält der Nutzer Auskunft über die Kosten der Hausratversicherung. Bei vielen Versicherungen besteht dann noch die Möglichkeit, Pakete mit unterschiedlichem Versicherungsumfang oder einzelne Zusatzoptionen zu wählen. Dabei kann der Nutzer leicht den Überblick über die Auswirkungen auf die Kosten verlieren: Warum kostet die Versicherung plötzlich so viel

mehr, welcher Zusatzschutz ist wie teuer?

Eine sehr übersichtliche Darstellung bietet die ErgoDirekt an. Hier werden die Tarife, Optionen und die Auswirkungen auf die Kosten in einer tabellarischen Übersicht geboten.

ErgoDirekt: Tarifoptionen Hausratversicherung

ErgoDirekt: Tarifoptionen Hausratversicherung

Informationen zu den Zusatzoptionen können über die i-Symbole abgerufen werden. Die Häkchen zeigen eindeutig die Auswahl und der Preis verändert sich direkt. So kann jeder Nutzer für sich entscheiden, wie viel Schutz er sich leisten möchte oder kann.

3. Hilfe anbieten

Tarifrechner bieten eine gute Möglichkeit, damit sich Nutzer selbständig „eine Versicherung zusammenstellen“. Während dieses Prozesses können zahlreiche Fragen auftauchen, die nicht alle mit Hilfe von Info-Layern vorsorglich beantwortet werden können. Treten weiterführende Fragen auf, dann sollte ein Hilfeangebot sofort sichtbar sein: in Form einer Telefonnummer oder auch eines Live-Chats.

ErgoDirekt: Hilfe-Angebot innerhalb des Tarifrechners

ErgoDirekt: Hilfe-Angebot innerhalb des Tarifrechners

Die ErgoDirekt bietet genau das an. Auf der rechten Seite immer sehr gut sichtbar, findet der Nutzer die verschiedenen Kontaktmöglichkeiten: Telefon, E-Mail, Live-Chat und auch eine Skype-Beratung. Zusätzlich wird dem Nutzer diese Hilfe auch aktiv angeboten. Wenn jemand eine Zeit lang nichts auf der Seite tut (nicht klickt), dann wird ein Layer einblendet (siehe Abbildung oben).

Durch die beschriebenen drei Maßnahmen können Abbrüche reduziert werden und die Wahrscheinlichkeit eines Vertragsabschlusses steigt. Es gibt natürlich noch zahlreiche andere Aspekte, die bei der Gestaltung von Tarifrechnern zu beachten sind. Bei meiner Recherche sind mir diese drei Aspekte besonders aufgefallen, die sich auch in unseren Projekten immer wieder bestätigen.

5 Gedanken zu „Worauf bei Tarifrechnern im Netz zu achten ist – 3 Tipps zur Unterstützung Ihrer Nutzer

  1. Matthias Helberg

    Hallo Frau Brand-Sassen,
    vielen Dank für die Darstellung dessen, was Sie bei Versicherungstarifrechnern für wichtig erachten.
    Hierzu einige Anregungen:
    Exakte Straße und Hausnummer werden oftmals sehr wohl benötigt: Zum einen, um die richtige Überschwemmungszone für die Elementarschadendeckung zu ermitteln (funktioniert bei ca. 95% aller Anbieter nur mit diesen Angaben), zum anderen, weil es inzwischen Anbieter gibt, die Hausnummern-genau das Risiko ermitteln – weil beispielsweise das Ende einer Straße in einer ‚gefährlicheren Gegend‘ liegen kann, als der Anfang der gleichen Straße.
    Würden Sie es nicht als sinnvoll erachten, dass zunächst ein möglichst umfangreicher Versicherungsschutz (weil klar die sicherere Absicherung) offeriert wird, bei dem man sich aktiv entscheiden müsste, auf welche Bausteine man verzichten will, statt die Tarife so zu berechnen, dass zunächst eine Basisleistung mit einer billigen Prämie neugierig macht, die schnell nach dem erforderlichen und sinnvollen Einschluss weiterer Leistungsbausteine gar nicht mehr so günstig erscheint?
    Freue mich auf Ihre Meinung.

    Mit freundlichen Grüßen aus Osnabrück

    Matthias Helberg
    -Versicherungsmakler-

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  2. Katja Brand-Sassen Beitragsautor

    Hallo Herr Helberg,

    vielen Dank für Ihre fachlichen Einblicke und Anregungen. Wenn diese Angaben für die Berechnung notwendig sind, ist nichts gegen deren Abfrage einzuwenden. Schaut man sich jedoch verschiedene Anbieter an und es wird meist nicht abgefragt, entsteht leicht der Eindruck, die wollen nur Daten sammeln und mich dann mit Angeboten nerven.

    Ist die Angabe also notwendig, dann sollte dem Nutzer dies vermittelt werden – eine Information dazu + dem Nutzer verdeutlichen, wofür die Daten verwendet werden. Letztlich ist es sehr wichtig, dass Vertrauen des Nutzers zu gewinnen.

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  3. Matthias Helberg

    Hallo Frau Brand-Sassen,

    ehrlich gesagt war ich gedanklich auch mehr im Bereich von Vergleichsrechnern – die also unterschiedliche Anbieter und deren Tarife miteinander vergleichen. Mag am Beruf liegen? Bei den Vergleichsrechnern ist das Problem, alle Angaben erfassen zu müssen, damit möglichst viele Anbieter berücksichtigt werden können – obwohl unter Umständen nicht jeder Anbieter alle Angaben benötigt. Aus Sicht eines Versicherungsmaklers bedeutet das also: Je detaillierter die Angaben sind, die ein Nutzer mitteilt, desto punktgenauer kann der Vorschlag sein, den er am Ende erhält und desto weniger groß wird die Abweichung des Versicherungsscheinsscheins von dem sein, was sich der User selbst errechnet hat.

    Mit freundlichen Grüßen aus Osnabrück

    Matthias Helberg

    Antworten
  4. Hannes Heilenkötter

    Hallo,

    netter Artikel 🙂 Haben Sie Zahlen darüber, welche Arten des Supports vom User am dankbarsten angenommen werden? Ich könnte mir vorstellen, dass Skype auf Grund der eher geringeren Verbreitung etwas hinkt.

    Kleine Anmerkung:
    Entgegen Ihrer Aussage wird das Geburtsdatum teilweise benötigt, wie zB für die Berechnung von Seniorentarifen. Einige Gesellschaften bieten ebenfalls nur Konzepte für Personen über dem Alter x an, etc.

    Mit freundlichen Grüßen

    Antworten
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