83% mehr Erfolg nach Re-Designprojekten – Usability-Analysen helfen dabei!

Das ist die zentrale Erkenntnis mehrerer Metaanalysen von Jakob Nielsen:

Werden 10% der Konzeptions- und Entwicklungskosten eines Re-Designprojektes in Usability-Analysen und Beratung investiert, dann steigt die Erfolgsquote der Anwendung um durchschnittlich 83%.

66 Fallstudien zu den Wirkungen von Usability-Analysen und mehrere hundert Projekte zu den Kosten von Usability-Analysen stellten die Datengrundlage für die Metaanalysen von Jacob Nielsen dar.

Wie wurden die Wirkungen (=Erfolge) gemessen?
Welche Erfolgsindikatoren angesetzt?

  • Conversion Rates – Wandlungsrate von Besuchern zu Kunden
  • Traffic numbers – Anzahl an Besuchern (Visits) und aufgerufene Seiten (Page Impressions)
  • User performance – Gemessen z.B. über die Anzahl an Klicks und die benötigte Zeit für die erfolgreiche Bedienung einer Funktion (z.B. Anlegen eines Kundenkontos)
  • Target feature usage – Anzahl an Personen, die einen wichtigen Link oder Button angeklickt haben

Usability ROI nimmt ab –
befindet sich aber immer noch auf hohem Niveau


Seit 2002 beobachtet und analysiert Jakob Nielsen systematisch den Wert von Usability-Analysen (so genannte Usability Cost Benefit Analysis).

In einem Vergleich von Re-Designprojekte vor dem Jahr 2002 mit denjenigen aus den Jahren 2002-2008 hat er einen Rückgang des Erfolgs von Usability-Analysen beobachtet: Von 135% auf „nur“ noch 83%.

Immer noch ein hervorragender Wert und ein Beleg für den Wert von Usability-Analysen. Aber im Ergebnis ein Rückgang.

Was sind mögliche Gründe?
Jakob Nielsen bietet auf diese Frage zwei Antworten:

  1. Websites (und auch Intranets) sind in letzten Jahren stetig optimiert worden. Massive Probleme, z.B. verursacht durch fehlerhafte Suchfunktionen, sind kaum mehr vorhanden.
    Zugleich ist das Basiswissen über grundlegende Regeln einer guten Usability auf Seiten der Entwickler und Designer gestiegen.
  2. Usability-Budgets in Re-Design-Projekten sind konstant geblieben. Steigerungsraten wie in den Jahren vor 2002 sind in den letzten Jahren nicht mehr zu beobachten.
    Im Mittel liegen die eingesetzten Kosten für Usability-Analysen und Beratung bei 10% der gesamten Konzeptions- und Entwicklungskosten eines Re-Designprojektes.

Da ist was dran –
Was aber tun, um 135% und mehr zu erreichen?

Meiner Einschätzung nach sind Erfolgssteigerungen durch Usability-Analysen mit Hilfe eines differenzierten Methoden-Baukasten und richtig guten Experten nach wie vor machbar.

Der Klassiker Usability-Tests im Lab hat seine Berechtigung und liefert wertvolle Erkenntnisse zur Verbesserung der Website-Bedienung, muss jedoch ergänzt werden um:

  • quantitative Nutzerbefragungen im Vorfeld eines Re-Designprojektes, z.B. zur Identifikation von Anforderungen verschiedener Nutzer-/Kundengruppen, zur Bewertung der Utility (Nützlichkeit) und User Experience der vorhandenen Website.
  • neue Formen der Nutzerbeobachtung, wie z.B. über Tagebücher, Web-Analytic Tools und Remote Usability-Tests.

Zugleich braucht es Usability-Consultants die über ausreichend Berufserfahrung verfügen, sich stetig fachlich weiterbilden und somit einen deutlichen Wissensvorsprung im Vergleich zu den Ansprechpartnern auf Seiten der betreuten Kunden aufweisen.

Jakob Nielsen sieht das wohl ähnlich, setzt aber noch einen drauf, und ruft nach dem Jahrzehnt der „Conversion-Optimierung“ (2000-2010) gleich mal das Jahrzehnt der „Loyalität“ aus (2010-2020).

Eine mächtige Ansage, wie immer bei Jakob Nielsen, aber durchaus berechtigt, wie ich finde.

Und mehr als „beruhigend“, haben doch Forschungs- und Beratungsunternehmen wie eResult, Eye Square oder Sirvaluse bereits seit mehreren Jahren auf diese Entwicklung reagiert. Sie bieten neben den klassischen Usability-Analysen eine Vielzahl von bewährten Methoden und Verfahren zur …

  • Verbesserung der Nützlichkeit von Anwendungen (so genannte Utility),
  • differenzierten Analyse von Kunden- und Zielgruppen (z.B. Anforderungsanalysen, Personas-Konzepte oder Kundenblogs),
  • Beobachtung von Nutzern in realen Umfeldern (wie z.B. Tagebücher-Verfahren),
  • Steigerung der User Experience,
  • Erhöhung der Aufenthaltsdauer auf einer Website,
  • Optimierung der zentralen Erfolgsindikatoren (z.B. Nutzerzufriedenheit, Umsatz),
  • und Steigerung der wahrgenommenen Reputation.

Wir sind damit für das Jahrzehnt der Loyalität bestens gerüstet und können unseren Kunden dabei helfen aus Besuchern loyale Kunden zu machen, die gerne wiederkommen, ein positives Bild (Image) vom Unternehmen und von der Marke entwickeln und im sozialen Umfeld „on- und offline“ positive Mund-Propaganda betreiben.

Wie schätzen Sie das ein:
Bekommen wir 2010 bis 2020 tatsächlich ein Jahrzehnt der Loyalität, mit neuen Herausforderungen zur Optimierung des Erfolgs von Websites?

Ich freue mich auf eine anregende und inspirierende Diskussion mit Ihnen.

7 Gedanken zu „83% mehr Erfolg nach Re-Designprojekten – Usability-Analysen helfen dabei!

  1. Ralph

    Interessant. Einmal das vorliegende Ergebnis und weiterhin die gewonnenen Erkenntnisse. Ich vermute zum Teil liegt dieses „niedrige“ Ergebnis wirklich an der zunehmenden Kompetenz der „richtigen“ Leute an der richtigen Stelle und an ausreichenden finanziellen und fachlichen Mitteln. Bei vielen Websites von kleinen Unternehmen gehört zum Alltag eher noch eine missionarische Aufklärungsarbeit um neue Sichtweisen umzusetzen. Manchmal gehört auch der berühmte & berüchtigte „Schlag auf den Tisch“ dazu, denn auch für das Gute im Internet muss hin & wieder gekämpft werden. Das schöne daran ist später ein Kunde, welcher zufrieden ist. Außerdem gehört fachliche und zwischenmenschliche Weiterbildung zum Standard jeden Menschens, der im und mit dem Internet sein Lebensunterhalt verdienen will auf Grund rasant erscheinender Neuerscheinungen im Internet. Irgendwo.

    Um Ihre abschließende Frage zu beantworten: Lassen Sie uns doch im Jahre 2o2o nachschauen 😉 Wir wissen heute, dass die Informationen zunehmen werden im Internet. Höchstwahrscheinlich wird das mobile Internet rasant ansteigen und damit das Internet immer mehr ein Bestandteil unseres Lebens sein. Während wir jetzt noch häufig Rechner dafür benötigen, reicht für das mobile Internet ein mobiles Telefon, welches die meisten Menschen so wie so ständig bei sich haben. Ob diese spontanen Informationssuchenden wirklich länger auf einer Website bleiben kann ich nicht abschätzen. Vermutlich werden sich neue Dienste um das mobile Internet etablieren. Also werden wir wohl ein spannendes neues Jahrzehnt mit neuen Herausforderungen erleben und genießen dürfen.

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  2. Matthias Henrici

    Ich würde vermuten, dass Re-Designprojekte ohne Usability-Analysen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht nur NICHT erfolgreicher sind, sondern höchstwahrscheinlich sogar schlechtere Konversionsraten aufweisen werden (Stichwort: ReLaunch-Insolvenz), was meinen Sie?

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  3. Thorsten Wilhelm

    @Matthias Henrici:
    Toller Begriff, ReLaunch-Insolvenz, und vor allem eine spannender Ansatz –

    Warum schauen und suchen wir immer nach „Erfolgsstorys“, wenn es darum geht den Wert von Usability oder allgemein Beratung / Forschung zu belegen.
    Warum drehen wir das nicht Mal um, suchen nach Negativbeispielen und zeigen so auf, was herauskommt, wenn etwas fehlt.
    Ich finde das einen sehr reizvollen Gedanken. Klar, wird es dann Probleme geben, darüber zu berichten, aber das läßt sich lösen.

    Und: Ja, ich bin mir sicher, dass Redesign-Projekte in denen keine Usability-Analysen, keine nutzerzentrierte Vorgehensweise gewählt wurde, weniger erfolgreich abgeschlossen werden und im „Live“ Betrieb schlechtere Erfolge erzielen werden.

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  4. Pingback: Guten Morgen. Conversion Optimierung ist jetzt zu Ende. | Conversion Optimierung, Landingpage Optimierung - KonversionsKRAFT

  5. Rudolf Bösiger

    Guten Tag

    Die Website für den Kundennutzen optimieren heisst die Usability zu verbesseren. Für Online Shops, die mit der Website Geld verdienen, sind Investitionen in die Optimierung eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit.

    Trotzdem Usability hat ein Image-Problem, wird als teuer eingeschätzt und
    deshalb wenig nachgefragt – das gilt wenigsten für Webprojekte bei Kleinbetrieben, die wir breit angelegt erheben. Usability gehört zu den Webleistungen mit den durchschnittlich höchsten Webbudgets – bei gleichzeitig kleiner Nachfrage. Nur 4% der Firmenwebsite Projekte und 9% der Online Shops verlangen explizit Usability Dienstleistungen.

    Viele Grüsse

    Viele Grüsse

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