Horizontales Scrollen erwünscht

FAZ Startseite der App

Was auf Internetseiten überhaupt nicht geht – das horizontale Scrollen – ist in Apps nicht nur erwünscht, sondern bereits ein Muss. Jeder iPhone-Nutzer lernt im App-Store, wenn er sich Vorschaubilder einer App ansieht, dass die Verknüpfung von vertikalem Scrollen (um den Beschreibungstext zu lesen) und horizontalem Scrollen (für die Screenshots) möglich und sinnvoll ist. Diese technischen Möglichkeiten werden immer mehr auch in Apps eingesetzt.

Gerade bei Nachrichtenartikeln sind Nutzer aus dem Internet gewohnt, sich Bilder zum Sachverhalt ansehen zu können. Allerdings ist der Platz auf dem Smartphone-Display begrenzt, so dass zumeist nur ein Bild direkt im Artikel angezeigt wird. Um sich die weiteren Bilder anzusehen, bestände jetzt die Möglichkeit, diese auf einer neuen Seite aufzurufen und dort wie im Internet auch von Bild zu Bild zu blättern, was allerdings sehr unschön ist, da die Artikelseite verlassen werden müsste. Viel angenehmer ist es, die Bilder seitwärts zu durchblättern und dann direkt weiterlesen zu können. Deshalb werden nicht nur bei Nachrichten-Apps beide Scrolloptionen (vertikal und horizontal) immer mehr eingebunden.

FAZ-App: links - Bilder scrollen / rechts - Artikel scrollen

FAZ-App: links - Bilder scrollen / rechts - Artikel scrollen

Ich habe mir eine gute Nachrichten-App rausgesucht, um mittels eines kleinen Erfahrungsberichtes Ihnen noch einige weitere Aspekte zur Navigation in Apps zu erläutern. In der FAZ-App werden nicht nur Bilder durch seitliches Scrollen verbunden, sondern auch zwischen Artikel innerhalb einer Kategorie kann durch seitliches Scrollen gewechselt werden. Dies erspart den Weg immer wieder zurück zum Startbildschirm und es kann auf Verlinkungen zum Beispiel unterhalb des Artikels zu den weiteren aktuellen Themen in der Kategorie verzichtet werden.

Die Kombination aus mehreren Scrolloptionen führt jedoch teilweise zu Problemen: Will man in einem Artikel weiterlesen und dazu einfach nach unten scrollen, gerät man leicht zu einem anderen Artikel. Hier werden gute koordinative Fähigkeiten benötigt, vor allem wenn man den Nutzungskontext beachtet, dass der Nutzer z.B. gerade in der U-Bahn steht und mit einer Hand navigierend, sich mal eben kurz die aktuellsten Meldungen ansieht.

Weiterhin ist es sehr wichtig, dass die Bilder vergrößert werden können, da bei normaler Bildgröße nur wenig Details erkennbar sind. Dies ist möglich, indem der Nutzer auf eines der Bilder klickt. Anschließend können die Bilder mittels Verlinkungen durchgeblättert werden, die jedoch erst einmal unwesentlich größer angezeigt werden. In diesem Modus besteht jedoch auch die Option mit Hilfe der bekannten 2-Fingergeste in die Bilder reinzuzoomen.

Wiederfinden von Artikeln

Ein Problem, was ich immer wieder bei der Nutzung dieser Nachrichten-Apps habe: ich finde Artikel nur schwer wieder. Beim kurzen Überfliegen der aktuellen Artikel sehe ich das eine oder andere Thema, was ich mir gern durchlesen möchte, habe aber gerade nicht die Zeit, weil ich aus der U-Bahn aussteigen muss etc. Beim nächsten Aufruf der App, gibt es so viele Aktualisierungen, dass ein Direktaufruf nicht mehr möglich ist und ich jetzt wissen oder raten muss, zu welcher Kategorie der Artikel zählt, um ihn wiederzufinden. Ist Ihnen das auch schon passiert? Grundsätzlich hat man natürlich die Möglichkeit, einen Artikel unter Favoriten abzulegen, um ihn so schneller wiederzufinden, ohne wissen zu müssen, zu welcher Kategorie er gehört. Eine kleine Hilfestellung bietet die FAZ-App insofern, dass der Wechsel zwischen den Kategorien durch Zwischenbereiche wie beispielsweise „Empfehlungen“ (siehe Abbildung) gut erkennt ist.

FAZ-App: rechts – Kategorienwechsel wenn App geladen / links – Kategorienwechsel während einer Aktualisierung

FAZ-App: rechts – Kategorienwechsel wenn App geladen / links – Kategorienwechsel während einer Aktualisierung

Wenn die Aktuell-Seite gerade aktualisiert wird, dann bleibt die Kategorienbezeichnung am oberen Rand stehen (siehe rechte Abbildung – durch roten Rahmen markiert). Dies vereinfacht noch einmal, sich die Kategorie bei interessanten Artikeln leichter einprägen zu können. Merkwürdigerweise ist dies nicht mehr der Fall, sobald die Aktuell-Seite vollständig geladen ist (linke Abbildung).

Abo-Modell vs. Nutzungskontext

Für eine möglichst gute Verbreitung und eben die Möglichkeit vor dem Bezahlen erst einmal reinschnuppern zu können, bietet die FAZ ihre App 30 Tage zum Probelesen kostenlos an. Wer ein Abo der Zeitung besitzt, kann ohne Zusatzkosten weiterlesen, ansonsten besteht die Möglichkeit, die App für 2,99 Euro pro Monat zu abonnieren.

Interessant wäre es zu erfahren, wie stark das Abonnement unabhängig von der Printausgabe nachgefragt wird oder ob die App eher „mitgenommen“ wird, wenn man sowieso die Zeitung abonniert hat. Bei der zweiten Nutzergruppe stellt sich mir sofort die Frage, wie unterschiedlich wohl das Nutzungsverhalten ist? Liest man die App nur unterwegs, wenn man die Zeitung nicht zur Hand hat oder sie zu unhandlich wäre – beispielsweise im Zug? Gibt es bestimmte Themen die vornehmlich in der App bzw. in der Zeitung gelesen werden – die aktuellsten News in der App, Hintergrundberichte und Kommentare in der Zeitung? Oder ist es wie bei mir zu Hause, mein Mann liest die Zeitung und ich in der App. Um die unterschiedlichen Gewohnheiten und eventuell besonders relevanten Themen zu identifizieren, bietet sich eine Nutzerbefragung an.

Neues Feature – Eilmeldung in der App

Gerade als ich diesen Beitrag fertig gestellt habe, ist mir noch eine Neuerung aufgefallen:

FAZ-App: links – Eilmeldung eingeklappt / rechts – Eilmeldung ausgeklappt

FAZ-App: links – Eilmeldung eingeklappt / rechts – Eilmeldung ausgeklappt

Auch in der App gibt es jetzt eine Art Eilmeldung – im roten Balken dargestellt. Um zumindest die wichtigsten Infos zu erhalten, klappt sich ein Layer aus und bei weiterem Informationsbedarf kann der vollständige Artikel aufgerufen werden. Wie beurteilen Sie dieses neue Feature? Ich bin etwas zwiegespalten. Störend daran finde ich, dass noch weniger Fläche bleibt, um die Artikel durchzuscrollen – es ist durch den ziemlich hohen Header und die unteren Navigationspunkte bereits viel Platz feststehend. Und es gibt keine Möglichkeit, die Eilmeldung zu löschen.

Welche weiteren (sinnvollen) Funktionen kennen Sie aus Nachrichten-Apps?

3 Gedanken zu „Horizontales Scrollen erwünscht

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  2. Alex Keller

    Hallo Katja,

    zu der Eilmeldung habe ich eine ähnliche Meinung. Ich kannte die Push-Benachrichtigung schon von der App der Tagesschau. Sehr positiv ist vor allem die Tatsache, dass man stets auf aktuelle, wichtige Ereignisse aufmerksam gemacht wird. Zudem komme ich einfach und schnell durch wenige Taps an mehr Informationen, sofern ich dies möchte. Bezüglich dem Platzproblem denke ich, dass bei dieser App einfach etwas zu viel Raum für den Header und die untere Navigation verbraucht wird. Ich finde hier die Tagesschau App einfach gelungener, indem das Menü als kompletter „Button“ im Header eingebunden ist. So entfällt die komplette untere Navigation. Denn ob z.B. der Menüpunkt „Empfehlungen“ der FAZ so wichtig ist, dass dieser unbedingt mit einem, statt mit zwei Taps zu erreichen sein muss, halte ich für sehr fragwürdig.

    Zudem finde ich auch bei der Tagesschau App das horizontale Scrollen, um z.B. alle Videos durchblättern zu können sehr nutzerfreundlich und effektiv. Positiv ist aus meiner Erfahrung heraus auch die Möglichkeit, Artikel via Twitter oder Facebook direkt aus der App heraus teilen zu können. Etwas störend finde ich jedoch, dass im Menü der „Livestream“ und die „Tagesschau in 100 Sek.“ ständig oben angezeigt werden und in meinen Augen unnötig Platz verschwenden und mich zudem ablenken. Ausserdem erachte ich den „Menüpunkt“ Start als überflüssig, da sich meiner Meinung nach das Logo als „Homebutton“ mittlerweile als Standard durchgesetzt hat.

    P.s. finde den Artikel wirklich Klasse und würde mich freuen wenn hier noch ein paar Tipps zur Entwicklung guter Nachrichten/Informations-Apps vorgestellt würden!

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  3. Mathias

    Hallo Katja,

    danke für den Artikel, der mal wieder beweist, dass Menschen (wenn es schick ist) auch jeden Kompromiss eingehen. Das Beispiel mit dem horizontalen Scrollen unterstreicht dies eindrucksvoll. Was im www ein absolutes NO-GO ist wird bei den Apps akzeptiert. Nüchtern betrachetet ist die usability dann sehr eingeschränkt, aber es ist schick. Auch hier gilt die Weisheit „wer schön sein will, muss leiden“

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