Verloren in der Überflussgesellschaft – stellen Sie die richtigen Informationen für die Kaufentscheidung bereit?

Lidschatten

Ich habe mich in letzter Zeit viel mit der Gestaltung von Produktdetailseiten auf Online-Shops auseinandergesetzt. Dabei konnte ich beobachten, dass es eine sehr große Vielfalt an Informationen, Features und dem Aufbau gibt. Am Beispiel von Kosmetikprodukten möchte ich nun aufzeigen, was zu beachten ist und wie diese Herausforderung in dieser Branche gelöst wird.

Warum Kosmetik? Eine Auswertung der AGOF aus dem Mai 2010 hat ergeben, dass sich drei Viertel der Internetnutzer für Parfum und Kosmetik interessieren, aber bislang gerade einmal 18% online gekauft haben in den letzten 12 Monaten. Dieser Anteil könnte doch viel höher liegen, handelt es sich doch um Verbrauchsgüter (zum Vergleich Daten zu Gebrauchsgütern: Mode und Schuhe interessieren ebenfalls drei Viertel, gekauft haben allerdings 35%; Bücher interessieren rund 60%, gekauft haben 40%).

Und tatsächlich zeigen sich auf den Produktdetailseiten Besonderheiten, die erwähnenswert sind:

Auflistung Inhaltsstoffe bei rossmann.de

Auflistung Inhaltsstoffe bei rossmann.de

So bietet Rossmann eine vollständige Auflistung aller Inhaltsstoffe an, also das Kleingedruckte, was auf den Produkten selbst oft kaum lesbar ist (geschweige denn im Online-Shop mittels Produktbildes und Zoomfunktion). Wer auf eine bestimmte Zutat allergisch reagiert, erkennt relativ schnell, ob das Produkt für ihn geeignet ist. Top wäre natürlich das Angebot einer ausschließenden Filtermöglichkeit, sprich: „Bitte nichts Ölhaltiges anzeigen“. So etwas ist mir aber leider noch nicht begegnet. Kennen Sie ein solches Beispiel?

Zudem fand ich den Hinweis auf Produkte derselben Pflegeserie ganz oben hilfreich, sind die Wirkstoffe doch optimal aufeinander abgestimmt (glaubt man der Werbung der Kosmetikindustrie). Hier sehe ich ein großes Cross-Selling Potenzial in diesem Bereich und halte dementsprechend eine aufmerksamkeitsstarke Position für gerechtfertigt. Alternativ bietet sich hierfür eine „Warenkorbzwischenseite“ an, auf der man dem Kunden bestätigt, dass das Produkt im Warenkorb liegt und nun auf weitere Produkte der Serie verweisen kann.

Im Zuge der Betrachtung von Pflegeprodukten spielt ja der Hauttyp eine Rolle. Yves-Rocher.de bietet Nutzern einen Direkteinstieg mittels Layer zu den geeigneten Produkten. Auf der Produktdetailseite ist davon leider nichts mehr zu erkennen.

Alternative Einsteige nach Hauttyp und Alter bei yves-rocher.de

Alternative Einsteige nach Hauttyp und Alter bei yves-rocher.de

Beratung zum Hauttyp und viele Details – Produktdetailseite dergepflegtemann.de

Beratung zum Hauttyp und viele Details – Produktdetailseite dergepflegtemann.de

Dafür greift ein Shop, der sich gezielt an Männer wendet, dieses Thema prominent auf. Bei dergepflegtemann.de werden am rechten Seitenrand Produkte einer Marke zu verschiedenen Hauttypen angezeigt. Zudem gibt es Verlinkungen gemäß des oben angesprochenen „Ausschlusses“ von Inhaltsstoffen. A propos Inhaltsstoffe: Der interessierte Mann findet Hintergrundinformationen zu jedem Bestandteil dieses Gels. So eine ausführliche Beratung findet man sonst nur in Fachgeschäften.

Kosmetikprodukte lassen sich natürlich schlecht nur über eine Abbildung des Produktes verkaufen. Im stationären Handel stehen oft „Tester“ zur Verfügung, um die Farben von Make-Up auf der eigenen Haut zu prüfen. Dieses geht online natürlich nicht. Le Club des Créateurs de Beauté hat deshalb ganz einfach ein Foto von einem Model auf den Produktdetailseiten integriert. So fällt es einfacher zu entscheiden, ob z.B. die gewünschte Farbnuance passt. Dies geht zumindest schon einmal einen großen Schritt in Richtung Realität, wenn auch individuelle Unterschiede natürlich bestehen.

Zu manchen Produkten existiert bei den Tabs im unteren Bereich sogar ein Pressespiegel und „Der Créateur-Tipp“. Der Nutzer kann so schnell auf ergänzende, externe Informationen zugreifen ohne zu googeln.

Nicht nur Abbildung der Verpackung: Wirkung des Produktes am Foto erkennbar auf ccbparis.de

Nicht nur Abbildung der Verpackung: Wirkung des Produktes am Foto erkennbar auf ccbparis.de

Fazit: Die Besonderheiten einer Branche müssen berücksichtigt werden: beim Internet-Auftritt allgemein, aber insbesondere auch bei der Darstellung von Produkten im Online-Shop. Es ist daher enorm wichtig, die (Informations-)Bedürfnisse der Nutzer zu kennen, die für die Kaufentscheidung wichtig sind, wie sie sich beispielsweise über eine Zielgruppenbefragung erfahren lassen. So lassen sich individuelle Inhalte und Seiten ableiten, die dem Nutzer einen echten Mehrwert bieten – und letztendlich die Conversion positiv beeinflussen.

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