(Co-)Prototyping mit Hotgloo – eine Bestandsaufnahme

Teaser

Prototyping ist eine sehr wichtige Methode wenn es darum geht, Ideen und Konzepte für eine Webseite oder einzelne Features zu testen, bevor diese implementiert werden. Hier im Blog wurden bereits des Öfteren verschiedene Prototyping-Tools vorgestellt, die es ermöglichen, funktionsfähige Prototypen einer Anwendung zu erstellen und diese zu testen. Besonders spannend ist dabei meiner Meinung nach die Kollaborations-Komponente, die einige dieser Tools mittlerweile anbieten. Eines dieser Tools habe ich mir daher einmal genauer angesehen: hotgloo.

Gemeinsam Ideen entwickeln – trotz räumlicher Distanz

Zur Konzeption von Prototypen gehört in den meisten Fällen auch, dass Konzepte und Design-Alternativen im Team diskutiert und weiterentwickelt werden. Dabei kommt es häufig vor, dass der Kollege oder die Kollegin, mit der man seine Idee diskutieren möchte, nicht unbedingt am Schreibtisch nebenan sitzt, sondern auch mal in einer anderen Stadt. Zwar gibt es die Möglichkeit, seinen Bildschirm zu teilen und so eine gemeinsame Ansicht des Prototyps zu haben – dabei kann jedoch zumeist nur eine Person die Ideen der anderen einarbeiten. Und mitunter kann es sehr schwierig sein, demjenigen zu kommunizieren, was genau man eigentlich mit seinem Vorschlag meint – Missverständnisse sind vorprogrammiert.

Einige Prototyping-Tools bieten mittlerweile einen Kollaborations-Modus an – hier besteht die Möglichkeit, andere Konzepter einzuladen und gemeinsam am Prototyp zu arbeiten. Diese Möglichkeit bietet auch hotgloo, ein online-basiertes Prototyping-Tool. Dieses wurde in einem Beitrag von Steffen schon einmal kurz vorgestellt. Ich habe mir die Funktionalitäten des Tools und vor allem die Kollaborationsfunktion noch einmal genauer angesehen.

Hotgloo – in a nutshell

Bevor ich auf die Möglichkeiten der Zusammenarbeit bei Hotgloo eingehe hier zunächst einige kurze Worte zum grundsätzlichen Aufbau des Tools. Da wir bei eResult schon seit längerem Axure zur Erstellung von Prototypen verwenden, fiel mir der Einstieg in Hotgloo recht leicht. Auch hier werden einzelne Seitenelemente (Bilder, Buttons, Eingabefelder etc.) per Drag-and-Drop auf der Seite angeordnet.

Während bei Axure viele Aktionen über die Menüleiste erfolgen, können in Hotgloo die Einstellungen für einzelne Elemente (Farbe, Interaktionen, Schriftart etc.) über ein kontextsensitives Menü eingestellt werden. Eine recht praktische Funktion, da man sich für die Anpassung der Farbe einzelner Elemente lange Wege mit der Mouse ersparen kann. Grundsätzlich ist der Umfang an Funktionalitäten zur Prototyp-Erstellung in beiden Tools jedoch recht ähnlich.

Start

Die Oberfläche von Hotgloo („Edit“-Modus aktiv).

Um den Prototyp zu testen, ist es notwendig, vom „Edit“-Modus in den „Review“-Modus zu wechseln, in dem man schließlich mit dem Prototyp arbeiten kann. Hier besteht auch das m.E. größte Manko des Tools – anders als z. B. bei Axure ist ein Export als html-Prototyp nicht möglich; man kann den Prototyp nur innerhalb der Plattform im Review-Modus nutzen.

Review

Oberfläche im „Review“-Modus

Prototyping als Gemeinschaftsprojekt

Nun zu den Features, die Hotgloo für die Zusammenarbeit mit anderen bietet:

Hotgloo bietet – unterschiedliche „Abstufungen“ der Zusammenarbeit. Es ist möglich, „Editors“ und „Reviewer“ zu seinem Projekt einzuladen. Ein „Reviewer“ kann den Prototyp „Review“-Modus ausprobieren, ihn aber nicht bearbeiten. Dies bietet sich z. B. an, allgemeines Feedback oder Anregungen einzuholen. Darüber hinaus ist es auch möglich, Vorschau-Links zu versenden, die einen ersten Eindruck vom Prototyp vermitteln – so kann z. B. der Fortschritt eines Projektes kommuniziert werden.

Konkreter wird die Zusammenarbeit, wenn man sich „Editors“ einlädt. Hier ist es dann möglich mit zwei oder mehreren Leuten an einem Projekt zu arbeiten. Auf eine Telefonkonferenz kann dabei verzichtet werden, da das Tool über eine Chatfunktion verfügt, mit Hilfe derer man sich austauschen kann. Jeweils eine Person hat dabei die Möglichkeit, den Prototyp im „Edit“-Modus zu bearbeiten. Neuerungen oder andere Ideen werden den anderen „Editors“ per Klick übermittelt – ihre Darstellung des Prototyps passt sich entsprechend an und sie können ihn im „Review“-Modus nutzen. Hat eine Person ihre Bearbeitung abgeschlossen, kann sie die Bearbeitungsfunktion an einen anderen „Editor“ übergeben. Dies ermöglicht dann z. B. die Erarbeitung verschiedener Designalternativen in „Realtime“, während man über den Chat (oder via Telefon) kommunizieren kann.

Auf der Webseite von Hotgloo finden sich zudem noch einige interessante Videos, die die Funktionsweise des Tools noch weiter ausführen.

Fazit: Gut zu Ideenentwicklung, schlecht für Testing

Die Funktionalitäten, die Hotgloo zur Zusammenarbeit bietet sind m. E. sehr stimmig und sinnvoll – vor allem vor dem Hintergrund, dass eine direkte Kommunikation mit Kollegen oder Kunden aufgrund räumlicher Distanz oftmals nicht möglich ist. Ich sehe dieses Tool jedoch eher als Mittel, um gemeinsam erste Ideen für den Aufbau einer Funktion oder Seite zu entwickeln – aufgrund der Tatsache, dass der Entwurf nicht als html-Prototyp zu exportieren ist, halte ich es für schwierig, ihn z. B. für im Rahmen eines iterativen Nutzertests einzusetzen. Hier müsste der Test-Nutzer dann zwangsläufig innerhalb des Review-Modus mit dem Prototyp interagieren; die obere Menüleiste des Programms würde dabei nach wie vor angezeigt und kann Nutzer schnell irritieren.

Wie sind Ihre Erfahrungen diesbezüglich? Haben Sie bei der Entwicklung von Prototypen schon einmal eine Kollaborationsfunktion (von Hotgloo oder einem anderen Tool) genutzt, um sich auszutauschen? Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht? Ich freue mich auf Ihre Kommentare!

Ein Gedanke zu „(Co-)Prototyping mit Hotgloo – eine Bestandsaufnahme

  1. Wolf Becvar

    Hallo Andrea,
    Vielen Dank für das positive Review und die Anregungen. Wir arbeiten gerade auf Hochtouren an unserem neuen Editor, der ein simultanes Arbeiten (im Gegensatz zur herkömmlichen check-in/check-out Variante) ermöglichen wird, sowie an unzähligen Usability Verbesserungen und einem komplett neugestalteten Account-Bereich.

    Für Usability Tests könnte man natürlich die zwei obere und untere Toolbar ausblenden, bleibt natürlich immer noch der Umstand, dass man die browsereigenen Back/Forward-Buttons nicht verwenden wird können im Gegensatz zu einem html-Prototypen. Aber es wäre ein Schritt in die richtige Richtung, um auch Usability-Tests mit HotGloo einmal durchzuführen zu können.

    Beste Grüsse,
    Wolf
    (@hotgloo)

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