Wie komme ich schnell und einfach zu den Windeln? – Ein Erfahrungsbericht von schlecker.com

Schlecker-Logo

Die lästige Bedarfsdeckung von Zahnpasta, Kosmetika, Windel und anderen Drogerieartikeln lässt sich heutzutage bequem online durchführen. Schenkt man den Quellen im Internet, so geht es dem Online-Shop von Schlecker (www.schlecker.com) blendend. Unabhängig von der Krise im Filialgeschäft und den Anfang des Jahres dazu eingeleiteten Maßnahmen, schreibt dieser kontinuierlich schwarze Zahlen.

Neben schlecker.com bietet nur Rossmann seine Produkte ebenfalls online an. DM und Müller verzichten bislang auf einen Online-Shop und konzentrieren sich auf das Filialgeschäft vor Ort.

Grund genug einmal zu schauen, was man sich vom Schlecker Online-Shop in puncto nutzerfreundlicher Shop-Gestaltung abschauen kann.

Schlichte Startseite

Angekommen auf der Startseite erwartet mich ein eher schlichter Shop mit einem klassischen Layout. Die Produktpräsentation erinnert mich stark an die Schlecker-Prospekte. Immerhin das neue Logo erscheint bereits in einem frischen Blau.

Schlecker-Startseite

Startseite Online-Shop schlecker.com

Ich steige schnell über die Suchfunktion ein, um meine bevorzugte Windelmarke zu finden. Die funktioniert aufgrund der Auto-suggest-Funktion und den nachfolgenden Filtern bestens, so dass ich wenige Sekunden später meinen gewünschten Artikel in den Warenkorb lege.

Klassische Warenkorb-Anzeige mit Kommunikationsmöglichkeit

Die Warenkorbanzeige erfolgt in der rechten Marginalspalte und nicht als ausklappbare Variante im oberen Seitenbereich.

Schlecker-Warenkorb

Warenkorb Online-Shop schlecker.com

Nicht unbedingt verkehrt, denn so kann ich zum einen stets den Inhalt meines Warenkorbes überblicken. Zum anderen sehe ich direkt den prominenten Hinweis, dass ich Versandkosten sparen kann, wenn ich noch mehr einkaufe. Die Relation zwischen noch 55,01 Euro mehr kaufen und 1,99 Euro sparen einmal dahingestellt: dieser Platz bietet sich hervorragend an für einen zusätzlichen Abverkauf durch gezielt Marketingaktionen.

Rossmann ist jedoch noch eine Nasenspitze voraus: Der zuletzt hinzugefügte Artikel wird nochmals besonders hervorgehoben – mit entsprechende Überschrift und Anzeige des Produktbildes. Zudem ist die Gestaltung des Warenkorbes in sich stimmiger. Auf schlecker.com kommt der Warenkorb sehr aggressiv daher und die Hinweise ähneln eher denen einer Fehlermeldung.

Rossmann-Warenkorb

Warenkorb Online-Shop rossmann.de

Mühselige Navigation zum gewünschten Produkt

Da ich nun noch eine neue Zahnbürste brauche, gehe ich zurück zur Startseite und beginne nun zu grübeln, ob ich über die horizontale Hauptnavigation einsteigen sollte oder über die vertikale Navigation; vergleiche erst einmal die Rubrikpunkte, ob ich nicht direkt die Rubrik Mundpflege oder ähnliches finde. Leider existiert kein Mega-Drop-Down, so dass ich mich über 2 Verteilerseiten durchklicken muss, um zur gewünschten Kategorie zu kommen.

Auf der Produktübersichtseite angekommen, bemerke ich die Filtermöglichkeit im Contentbereich, wähle „Dr. Best“ aus. Da mir die Treffer dann doch nicht zusagen, möchte ich meine Auswahl widerrufen. Das Aufhaben und Setzen der (Marken-)Filter ist jedoch nur auf der vorigen Seite möglich – was ich extrem nervig finde.

Schlecker-Zahnbürste

Schritt 1: Produktübersichtsseite – mit Möglichkeit zu filtern (über den Contentbereich)

Schlecker-Zahnbürste-Best

Schritt 2: Trefferliste Zahnbürste Dr. Best

Beim Verlassen des Shops: die Überraschung

Da der Wettbewerb nur ein Klick entfernt ist, entschließe ich mich zu schauen, ob es nicht woanders einfacher geht und ich zudem auch für einen geringeren Betrag die Versandkosten sparen kann. Ich tippe also „rossmann“ in meine Browser-Suche ein und drücke ENTER…

Schlecker-Popup

Layer-Einblendung beim Verlassen der Seite

… Ich bekomme keine Google-Trefferliste sondern ein Gratis-Angebot, um mir noch einmal zu überlegen, ob ich die Seite nun wirklich verlassen möchten (Anmerkung: der Layer erscheint nur, wenn ich den Shop über die Startseite verlassen möchte).

Erst einmal ein großes Lob – trotz Popup-Blocker und Co. wurde diese Aktion angezeigt! Definitiv eine interessante Möglichkeit, um die Bounce-Rate auf der Startseite zu reduzieren. Jedoch spricht die Gillette-Aktion natürlich nur einen gewissen Teil der Seitenbesucher an. Ggf. sollte man mind. 2 Aktionen anbieten, um so mehrere Zielgruppen ansprechen zu können.

Hier würden mich auf jeden Fall einmal mehrere Nutzerreaktionen interessieren, ob dies positiv/negativ ankommt; gepaart mit einem A-B-Test in Hinblick auf die Conversion verschieden gestalteter Varianten und Wordings.

Aber: Mich hat die Aktion überzeugt. Ich bleibe auf schlecker.com und bestelle nun doch die Windeln, Zahnbürste und meinen kostenlosen, neuen Rasierer. :)

Mein Fazit:

Der allgemeine Bedarf an Drogerieartikel lässt sich über schlecker.com decken. Der schlichte Online-Shop bietet ein riesiges Sortiment, das jedoch besonders über die gebotenen Navigationsmöglichkeiten teilweise nur schwer zu erschließen ist. Hier liegt ein enormes (Optimierungs-)Potential – noch bevor man sich dem Thema Emotionalität widmet.

Die angesprochene Warenkorb-Funktionalität und der Versuch Abbrecher mithilfe des Layers doch noch zum Bleiben zu überzeugen ist jedoch auch eine Überlegung für andere Online-Shops wert. Dies muss selbstverständlich immer vor dem Hintergrund des Sortiments der Zielgruppe, etc. reflektiert werden.

Insgesamt hat der mir Einkaufsversuch gezeigt: Drogeriemärkte im Internet haben definitiv noch ein großes Potential!

8 Kommentare zu „Wie komme ich schnell und einfach zu den Windeln? – Ein Erfahrungsbericht von schlecker.com

  1. matthias

    So ein Javascript-Popup beim Verlassen der Seite wird sonst eher von Spam-Seiten genutzt. 😉
    Und auch aus Usability-Sicht finde ich es mehr als grenzwertig: durch die aktive eingabe in die adresszeile hat sich der nutzer bereits entschieden, die seite zu verlassen. es steht dem seitenbetreiber nicht zu, den Nutzer da zu bevormunden. Bei mir würde eine solche Gängelung die gegenteilige Reaktion hervorrufen.

  2. Petra H.

    Der Windelkauf und das von einem Mann :) Freu!

    Aber ja, mir ist auch schon aufgefallen, dass die Drogerien noch Bedarf haben.
    Ich glaube, da sind reine Online Drogerien wie allesanna.de schon im Vorteil!

    Schönes Wochenende!

  3. Martin Beschnitt

    @Petra H.: Den Shop kannte ich noch gar nicht. Auf den ersten Blick sehr ansprechend! Was ich in den Mega-Drop-Downs nicht so schön gelöst finde: das „Mehr“ in den einzelnen Rubriken. Wie viel mehr gibt es hier; erwartet mich das, was ich dort suche oder verlasse ich als Nutzer den Shop ohne den Klick gewagt zu haben, ob sich z. B. unter KÜCHE auch Gefriertüten finden lassen?
    Und: mein Blick schweift direkt auf die Produktabbildungen im Drop-Down, ohne dass sie eine wirkliche Funktion haben. Lieber darauf verzichten, um den sich hinter „Mehr“ ausgeblendeten Begriffen mehr Platz zu schenken.
    Was meinen Sie?

  4. Martin Beschnitt

    @Matthias: Ja, da gebe ich Ihnen Recht. Kenne es auch eher von, sagen wir mal, ‚anrüchigen‘ Websites. Dennoch würden mich die Zahlen interessieren: Wieviele Leute bleiben dadurch doch noch auf der Seite, ja bestellen sogar noch – im Vergleich zu der Wiederkehrrate, sprich wieviele leute vergraule ich dadurch permanent. Schöne These für einen A-B-Test.

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  6. Petra H.

    @martin
    ich muss zugeben, ich habe bei Anna noch nichts bestellt oder änliches. Aber mir kam die Seite sofort in den Sinn als ich den Artikel las. Vor allem weil der Shop es wie Zalando mittels TV Werbung versucht. Eine, die mir dabei im Gedächtnis blieb: Ein Rocker, der keine Windeln kaufen möchte, also bestellt er diese bei AllesAnna.de.

    Aber ich habe mir die Seite gerade noch mal angesehen. Ich finde das Menü eigentlich ganz gut. Zugegeben bin ich eh ein Fan dieser Menü Art. Und was das Produktbild angeht. Mir wäre das gar nicht aufgefallen. Auf meinem MacBook sehe ich zeitgleich mit dem Menü die erste Reihe der Produkte. Das Bild verschwimmt also eigentlich mit diesen… Vielleicht doch auch etwas ungünstig.

    Was man aber lobend erwähnen muss, was andere Drogerien noch nicht beherzigen ist der sonst so klare Aufbau. Facebook, Social Media, Foto Ecke… Alles hat seinen Platz.

    Da ich dort aber noch nicht bestellt habe, weiß ich nicht, ob der Shop seinen Service auch halten kann. Aber das wäre ja mal einen Versuch wert. Ab September sind auch bei uns Windeln nötig, da mache ich dann mal einen Usability-Bestelltest.

    Oder: Vielleicht machen wir das zusammen? Aus Männer und Frauen sicht? Wäre doch ein schönes Thema!?!

  7. Philipp Randt

    Gerade wurde der Schlecker Shop relauncht, dazu ist ein guter Artikel im Designtagebuch erschienen: http://www.designtagebuch.de/schlecker-com-entdeckt-den-minimalismus

    Als Update dazu möchte ich meinen Kommentar dazu auch hier veröffentlichen, da ich die Multibrand Reseller Shops mit großem Interesse beobachte und hier dazu ja auch schon oft diskutiert wurde.

    Der Shop ist aus Usability Sicht wirklich ausbaufähig und es wäre wirklich interssant zu sehen, wie er im Vergleich zu vorher konvertiert. Ich kann gut nachvollziehen, wenn man von der vermeintlich immer gleichen, kastigen Form von Shops und deren Kategorieseiten Abstand nehmen möchte. Aber ein gewisses Layout hat sich eben in Form und Funktion bewährt und bietet auch Gestaltungsspielraum.

    „Unsere Empfehlungen“ auf der Startseite präsentieren sich verkehrt herum: kleine Fotos, dafür viel Text und ein großer Preis, neben einem hier noch unnötigen CTA. Ein Link zu weiteren Infos wäre angebrachter und so muß man sich darauf verlassen, dass die Details mit Klick ins Bild zu erreichen sind (Den Der Produktname ist ebenfalls nicht verlinkt). In diesem Zusammenhang spricht gegen die technische Umsetzung des Shops ebenfalls, dass die „Topknüller“ als Bilder hinterlegt sind. Das geht zeitgemäßer und gilt im übrigen auch für den Teaser im Seitenheader.
    Die Produktdetailseite ist eine echte Zumutung für den User – ich sage bewusst nicht Kunde, da ich kaum glauben kann, dass hier aus Usern welche werden. Wie Achim schon schreibt sind die Element total konfus angeordnet und folgen keinem logischen Pfad von Informationen, die dann im CTA münden und dazu animieren ihn auch zu drücken. Buttons, die zusammen gehören, stehen weit auseinander und es wir mit vielen Farben jongliert. Klicke ich auf „weitere Details“, werden diese nicht etwa unterhalb des weiterhin sichtbaren Produktes eingeblendet, sondern ich werde zum Fuß der Seite geschubst, wo ein paar Zeilen Text im Raum stehen. Bei meiner Auflösung stehen über dem Wort „Beschreibung“ ein anderer Preis als oben und ein Warenkorb Button. Durch das springen zum Textanker wird erstmal nicht deutlich, dass die beiden zum „Zuletzt gesehen“ Bereich gehören und verwirren doch sehr. Außerdem gibt es von da unten keinen Knopf, der mich nach oben, zum Produkt zurück bringt.
    Für die jetzt relativ kurze Zeit schon recht viele Ernüchterungen, gerade wenn man bedenkt, was zur Zeit eigentlich machbar ist (technisch und gestalterisch) und man darf sich fragen, ob „nur“ schlecht gebrieft wurde oder der Shop im Etat einfach mitgenommen wurde, ohne richtiges Konzept und Budget? Fakt ist, alle Produkte die Schlecker anbietet bekommt man auch in Shops, die deutlich mehr auf Ihre User achten – Discounter hin oder her – und Wert auf Usability legen, diese vielleicht sogar getestet haben und ein gewisses Einkaufserlebnis bieten.

  8. Martin Beschnitt

    Hallo Herr Randt, gerade eben erst bin ich dazu gekommen, mir den neuen Shop einmal anzuschauen. Mein erster gedanken: „Huch…“
    Ein sehr, sehr reduziertes Design.
    Was ich kritisch sehe, ist die Hauptnavigation die keine Voransicht der Unterkategorien per Layer/Mega-Dropdown ermöglicht. Der Umfang des Sortiments wird dem Nutzer erst nach mehreren Klicks bewusst.
    Ggf. wollten die Betreiber den Nutzer über die Kategorie- und Produktüberischtsseite zur Produktdetailseite locken. Meines Erachtens funktioniert dies durch die lieblose Gestaltung jedoch nicht.
    Die Bedeutung der Topseller bzw. Empfehlungen ist nicht eindeutig.
    Auf der Artikeldetailseite ist der CTA zwar schön im first view, jedoch mangelt es hier doch sehr am Content. Wo ist die Produktbeschreibung? Schon in Sachen SEO wäre dies nicht verkehrt. Darüber hinaus bekommen wir in jedem Usability-Test zu hören, dass den Nutzern die Informationen zu den Produkten nicht ausreichen.
    Es bleibt also spannend, was sich auf schlecker.com in Zukunft noch tut.

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