Carsharing 2.0 – mobil(e) von A nach B am Beispiel „car2gether“

Die wachsende Anzahl an Carsharing-Angeboten schafft ein völlig neues Mobilitätskonzept für Innenstädte. Doch ein ein innovatives Konzept reicht nicht aus – die Kombination mit einer nutzerfreundlichen Webpräsenz und einer App ist zwingend notwendig, um das Potential voll auszuschöpfen und Nutzer langfristig zu binden. Wie das geht, zeigt car2gether.

Carsharing bietet großes Potenzial

Eine Tatsache, die zum einen auf wachsendes Umweltbewusstsein und wachsende Benzinpreise zurückzuführen ist. Sicherlich aber auch darauf, dass ein Auto immer weniger als Statussymbol angesehen wird. Selbst eine Studie unter Autokäufern der Plus Marktforschung GmbH belegt dies: Über ein Drittel der Autokäufer kann sich vorstellen, Carsharing zu nutzen; bei den unter 30-Jährigen sogar mehr als 40%.

Die Automobilindustrie hat diesen Trend erkannt und wird immer häufiger selbst zum Carsharing-Anbieter. Recht bekannt ist sicherlich mittlerweile das Konzept Car2Go der Daimler AG. Diese stellt mittlerweile in Ulm, Neu-Ulm und Hamburg Smarts zur Verfügung, die man mit einem Chip auf dem Führerschein aufschließen und nutzen kann. Bezahlt wird pro Minute.

Eine Weiterentwicklung dessen ist das Protal car2gether.com – ein Projekt der Daimler AG in Kooperation mit der Scientific Computers GmbH aus Aachen. Das Projekt bietet eine Kombination aus Carsharing- und Mitfahrgelgenheitsportal speziell für den Stadtbereich an. Anmelden können sich hier sowohl die Nutzer von car2go (und andere PKW-Besitzer) als auch andere Nutzer, die einfach bei jemandem mitfahren möchten. Ein innovatives Konzept, dass die Nutzung von car2go attraktiver und auch für Nicht-Autofahrer zugänglich macht und eine hohe Flexibilität bietet.

Ebenso wichtig wie ein gutes Konzept ist aber auch, dass Carsharing-Anbieter über eine Webpräsenz verfügen, die den Nutzer unterstützen. Und wenn wir schon beim Thema Flexibilität sind darf natürlich auch eine entsprechende App nicht fehlen. Ich habe mir beides einmal angesehen.

Freundlicher erster Eindruck und wesentliche Informationen auf einen Blick

Schon die Startseite des Webportals von car2gehter überzeugt durch seine klare Struktur. Neben Informationen zum Projekt im Video kann der Nutzer einfach den Zugang zu seiner Stadt wählen (aktuell sind Aachen und Ulm verfügbar). Vor allem die Videoanimation, mit der das Projekt erläutert wird, wirkt sehr freundlich und macht Lust darauf, sich das Portal genauer anzuschauen.

Startseite car2gether

Auch die (Mit-)Fahrersuche bietet dem Nutzer die wichtigsten Funktionen und Informationen ohne überladen zu wirken. So kann der Nutzer rechts sehen, welche Fahrten oder Mitfahrgesuche andere angelegt haben (geordnet nach Abfahrtzeit). Per Mouse-over über die Anzeige wird die Strecke in der Karte angezeigt, die der mögliche (Mit-)Fahrer gerne zurücklegen möchte.

Übersicht

(Mit-)Fahren leicht gemacht – wenige Schritte trotz vieler Möglichkeiten

Weiterhin überzeugt das Portal durch seine leichte Erlernbarkeit und die gute Nutzerführung – alle erforderlichen Schritte sind einfach strukturiert und bieten dem Nutzer alle Funktionen bzw. Informationen in separaten Fenstern. So kann der Nutzer sich informieren, ohne die eigentliche Seite verlassen zu müssen. Klickt er z. B. eine der Streckenangaben im rechten Seitenbereich an, so erhält man zusätzliche Informationen zum (Mit-)Fahrer, die dieser in seinem Profil hinterlegt hat (nur für registrierte Nutzer sichtbar). Zudem finden sich die wichtigen Fahrtdaten inkl. vorgeschlagenem Preis, den man an den Fahrer für diese Fahrt entrichten sollte (basierend auf den Minutenpreisen der car2go-Nutzung umgerechnet auf 2 Personen). Bei Interesse kann man nun ganz einfach ein Mitfahrgesuch versenden, das die betreffende Person per Mail oder SMS zugeschickt bekommt und dann nur noch bestätigen muss.

Cartogehter gesucht

Wer nicht manuell suchen möchte, der kann auch ganz einfach ein eigenes Gesuch aufgeben Vorteil ist hier, dass ein Fahrer automatisch potenzielle Beifahrer angezeigt bekommt, die er per Klick einfach anfragen kann. Alle Fahrgesuche werden im persönlichen Profil dabei übersichtlich aufgelistet und können einfach gelöscht oder bearbeitet werden.

Fahrten anlegen

Unterwegs mobil – die car2gether-App

Das Konzept car2gether ist vor allem als Mobilitätskonzept innerhalb eines Stadtbereichs ausgelegt. Zentraler Vorteil ist hier, dass eine Mitfahrgelegenheit auf diese Weise auch sehr spontan in Anspruch genommen werden kann – z. B. auch als Alternative zum Taxi. Selbstverständlich darf hier eine App nicht fehlen, mit Hilfe derer man auch unterwegs schnell eine Mitfahrgelegenheit für kürzere Strecken findet. Hier gibt es mittlerweile sowohl eine App für das iPhone als auch für Android, die das Portal auch unterwegs nutzbar machen. Die Android App habe ich mir einmal genauer angesehen.

Nach Angabe der Fahrtdaten sucht das System sofort nach passenden (Mit-)Fahrern. Bei manueller Eingabe der Start-/Zielorte werden dem Nutzer zudem direkt Adressen seiner Kontakte als mögliche Abfahrpunkte vorgeschlagen (sofern hinterlegt). Auch hier werden alle verfügbaren Car2go (sowie andere Fahrer) in der Karte angezeigt.

App

Auch die App ist sehr gut zu handhaben und passt sich durch seine Zusatzfunktionen gegenüber dem Webprotal (Synchronisation mit Kontakten bei der Eingabe, Standortbestimmung, Taxi-Funktion) gut an die Ansprüche und das Umfeld der Nutzer an, die unterwegs nach einer spontanen Mitfahrgelegenheit suchen.

Fazit

Car2gether zeigt sehr anschaulich, wie es möglich ist, ein sehr innovatives und flexibles Konzept mit guter Usability zu kombinieren. Das Portal behält dabei den Nutzungskontext und die Bedürfnisse der Nutzer im Auge – sowohl im Hinblick auf die Webpräsenz als auch bei der App. Der Nutzer bekommt genau das, was er benötigt: Unkomplizierten und aktuellen Zugriff auf die Informationen und Funktionen, die für ihn wichtig sind – und zwar ohne viel Drumherum. Vor allem die App passt sich durch Aufbau und Zusatzfunktionen sehr gut an die Bedürfnisse des Nutzers an, der spontan von unterwegs aus nach einer Mitfahrgelegenheit oder einem Mitfahrer sucht. Doch auch für andere Carsharing-Anbieter (die zumeist feste Stationen haben, an denen man ein Auto abholen und abgeben kann), ist es unerlässich, diese Kriterien bei der Konzeption von Webseite und App zu beachten und die Nutzung von Carsharing so für die Nutzer attraktiv und flexibel zu gestalten.

2 Gedanken zu „Carsharing 2.0 – mobil(e) von A nach B am Beispiel „car2gether“

  1. Moritz

    Hey Andrea, klasse Beitrag und ein sehr interessanter Themenkomplex; Carsharing, Mitfahrgelegenheit und Mobilität 2.0.

    Habe hier ein weiteres Beispiel: http://www.flinc.org

    flinc bietet eine schnelle und einfache (mobile) Mitfahrvermittlung an, sowohl auf dem iPhone (die App ist vor wenigen Wochen erschienen) als auch übers Web. Zudem ist flinc vor kurzem auch in die iPhone-App von Navigon integriert worden – für mich ein super Mehrwert, auch in Bezug auf Utility und vor allen Dingen Usability. Ähnlich wie bei car2gether wird auch bei flinc das Thema User Experience und Benutzerfreundlichkeit sehr groß geschrieben. Nach Abschluss mehrerer Usability-Tests läuft bei flinc gerade der Technologietest…unbedingt mal anschauen. Ich bin selbst schon begeisterter flinc-Nutzer 🙂

    Beste Grüße
    Moritz

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