Unterkunftssuche in San Francisco: Was gibt es Neues auf deutschen Hotelportalen?

Die Anzahl der Buchungen über Hotelportale im Internet nimmt weiterhin zu. Grund genug, um mich im Rahmen meines anstehenden USA-Urlaubs einmal mit den beiden besten deutschen Hotelportalen hrs.de und booking.com (laut der aktuellen DISQ-Studie) auseinanderzusetzen. Zentrales Ziel: Was gibt es Neues in Sachen User Experience bzw. wo liegen die Gründe für den Erfolg dieser Portale? Und ganz nebenbei: Das passende Hotel für meinen Urlaub finden.

Gestaltung der Startseiten: Welches Element ist das wichtigste?

Erste Station meiner Suche nach einem passablen Hotel in San Francisco ist selbstverständlich die Startseite beider Portale:

Startseite HRS

Startseite Booking

Wenngleich die orangefarbende Suchmaske doch ein wenig zu grell auf booking.com gestaltet ist, steht eins fest: Die Startseite wirkt aufgeräumter und ist definitiv auf eine zielgerichtete Suche optimiert. Auch bei HRS hat die Suchmaske einen sehr prominenten Platz – jedoch werde ich hier als Nutzer ringsum mit sehr vielen Zahlen und Angeboten konfrontiert, die mich von meinem eigentlichen Ziel – zumindest kurz – abhalten.
Interessant finde ich auch, dass Booking ohne Navigation auskommt. Die Themenhotels werden über die after search navigation realisiert. Buchungen storniert man über die Metanavigation.
Reduktion der Komplexität durch Verzicht auf die Hauptnavigation, ein interessanter Ansatz! Fairerweise muss man jedoch auch sagen, dass HRS Tagungen und Gruppenreisen anbietet und mir ein gesonderter Einstieg hierfür sinnvoll erscheint.

Suchergebnisseite: Hotelanzahl vs. Hoteldetails und wie wichtig ist Social Media

Jetzt wird es spannend: Ich frage mich, was mir besser gefällt: die bereits sehr umfangreichen Informationen zu den einzelnen Hotels bei booking.com (großes Bild, Bewertungen, verfügbare Zimmerkategorien, …), die jedoch die Trefferliste auch sehr komplex machen…

Hotelliste booking

oder die höhere Anzahl an Treffern bei hrs.de, die ich auf einmal überblicken kann.

Hotelliste HRS

In Sachen Filterung unterscheiden sich die beiden Portale nur geringfügig. Bei einer recht kleinen Bildschirmauflösung läuft die Filterleiste bei booking.com Gefahr aus dem sofort sichtbaren Seitenbereich zu verschwinden.
Wenn es um das Thema Sortierung, Vergleichbarkeit und geografische Lage (Entfernung zu POIs) geht, hat HRS definitiv die Nase vorn.

Aber ich entsinne mich wieder meinem eigentlichen Use Case: Suche nach einem Hotel für meinen Urlaub. Ich bin also ein leisure-Kunde, der vielleicht gar nicht so viel vergleichen, sondern nur ein ansprechendes Hotel finden möchte – natürlich zu einem guten Preis-/Leistungsverhältnis.
Hier hat Booking aufgrund der großen Produktbilder einen entscheidenden, emotionalen Vorteil. Die von HRS nun angebotenen Videos sind zwar grandios, jedoch muss ich erst einmal etwas auf den kleinen Thumbnails erkennen, um abzuwägen ob ich mehr über das Hotel erfahren möchte oder nicht.

Was mir sehr gut gefällt ist das Thema Bewertungen bzw. Social Media bei den einzelnen Treffern auf booking.com:

Treffer booking

Einzelner Treffer bei booking.com

Aufgrund der 226 Bewertungen ist das Hotel aus Nutzersicht „Fabelhaft“. Eine Information die größer ist als alle anderen, sogar der Preis wird zur Nebensache. Immerhin 1 weiterer Besucher interessiert sich just in diesem Moment für das Hotel und vor 6 Std. hat jemand zuletzt das Hotel gebucht. Dann kann es definitiv nicht schlecht sein, denke ich mir. Eine perfekte und vollkommen authentische „Verkaufsargumentation“ durch Nutzerbewertungen!

Was meinen Gesamteindruck von Booking nun wieder ein wenig trübt, ist die aggressive Rabattschlacht inkl. der (künstlichen) Verknappung. Mich interessiert an dieser Stelle noch gar nicht, welche Zimmerkategorien es gibt; die Verfügbarkeit setze ich bei einer Suchanfrage bereits voraus. Zudem hätte mir auch ein „Preis ab“ oder der für das Standardzimmer genügt – zugunsten der Übersichtlichkeit der Trefferliste.

Detailseite: Übersichtliches Reiter-Popup vs. einseitige Beschreibung mit weiterführenden Links

Der Vorteil der direkten Verlinkung der Zimmerkategorien auf die Detailseite (per Sprungmarke) bei booking.com erschließt sich mir immer noch nicht so recht. Dafür aber die Entscheidung dafür, dass die Hoteldetails auf einer einzigen Seite (abgesehen von den Bewertungen) angezeigt werden. Der Nutzer bzw. ich haben so nun die Möglichkeit(en), ohne wieder zurück auf die Trefferliste zu kehren, weitere in Frage kommende Hotels aufzurufen. Z. B. über „Kunden, die sich „Hilton San Francisco Union Square“ angesehen haben, waren auch an den folgenden Hotels interessiert:“ oder aber „Hotels in der Umgebung.“

Detailseite booking-upselling

Unterer Seitenbereich der Hoteldetailseite auf booking.com

Ein zusätzlicher Abverkauf (Cross-Selling) wie bei einem klassischen Online-Shop ist leider nicht möglich; man bucht ja nicht parallel zwei Hotels. Jedoch ist hier erstens ein gut eingeleitetes Upselling möglich, zweitens hält booking.com den potentiellen Kunden (mich) schön im „Flow“. Ich stöbere somit weitere 10min. durch die mir so angebotenen Hotels, bis mir die Augen wehtun, weil die doch sehr textlastigen Detailseiten nicht unbedingt ein entspanntes Lesen zulassen.
Hier hat HRS mit seinen aufgeräumten Informationen über die prominent platzierten Reiter definitiv einen Vorteil. Jedoch auch das Nachsehen, denn weiterführende Links wie bei Booking.com sucht man vergebens.

Detailseite HRS

Hoteldetails per Popup bei hrs.de

Fazit

Beide Hotelportale haben aus Sicht der User Experience sowohl Ihre individuellen Stärken; diese bedingen aber leider auch teilweise die angesprochenen Defizite. Beide verdienen Ihren Platz als Top-Hotelportale.
Die Ausrichtung auf Business-Kunden kommt für mich bei HRS immer wieder stark zur Geltung. Bei Booking.com wüsste ich gerne mehr darüber, ob das Portal hauptsächlich Privat- und/oder Businesskunden ansprechen soll bzw. auch tatsächlich anspricht.
Das Thema Nutzerbewertungen und Empfehlungen greift Booking sehr gut auf. Lediglich das allgemeine Design, als auch die Komplexität einiger Seitenelemente sollte einmal überdacht werden. Ich würde booking.com optisch ein wenig mit Amazon vergleichen, was ich gern neckisch „dynamic ugly“ nenne.
Gerne würde ich einmal einigen der aufgestellten Thesen durch systematisches Testing auf den Grund gehen. Aber damit wären wir ja wieder beim beruflichen.

Privat kann ich folgendes Fazit bei der Hotelbuchung ziehen: Ich habe sowohl über hrs.de, als auch über booking.com jeweils 3 Favoriten ermittelt. Nun entscheidet meine Freundin – wie so oft 😉

Ein Gedanke zu „Unterkunftssuche in San Francisco: Was gibt es Neues auf deutschen Hotelportalen?

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