Wie sehen gute Produktübersichten in Shopping-Apps aus? – Ergebnisse einer Studie

Einstiegsbild

Produktübersichtsseiten sollen sowohl bei der gezielten Suche unterstützen als auch die Nutzer zum Stöbern anregen – dies gilt auf herkömmlichen Websites gleichermaßen wie für Apps. Welche Anforderungen ergeben sich daraus für eine gute Produktübersichtsseite in einer Shopping-Apps?

Dieser Frage sind wir im Rahmen eines Usability-Tests mit Android- & iPhone-Nutzern nachgegangen. Dabei konnten zwei wichtige Kriterien identifiziert werden: Produktabbildungen und Filteroptionen. Beide Aspekte sind sowohl im Hinblick auf die gezielte Suche nach Produkten als auch beim Stöbern von zentraler Bedeutung.

Die Probanden konnten sich mit verschiedenen Shopping-Apps frei und ohne Vorgaben beschäftigen. Der Test erfolgte entweder mit einem Android-Handy oder dem iPhone, je nachdem welches Gerät privat genutzt wird. Im weiteren Testverlauf wurden speziell die Produktübersichtsseiten thematisiert.

Produktabbildungen – wie klein ist es ausreichend?

Die Bildschirmgrößen sind bei Smartphones verdammt klein – im Vergleich zu handelsüblichen Monitoren. Und trotz guter Bildschirmauflösungen (allen voran das Retina-Display des iPhone 4) muss immer abgewogen werden: Wie viele Produkte mit wie vielen Zusatzinformationen möchte ich anzeigen? vs. Wie viele Details sollen bereits auf den Abbildungen der Produktübersichtsseite erkennbar sein?

Letztlich hängt dies sehr stark von der Produktgruppe ab. Am Beispiel Amazon möchte ich diesen Aspekt verdeutlichen:

Amazon Produktübersichtsseite

Amazon: Produktübersichtsseiten links für Bücher und rechts für Damen-Hosen

Was für Bücher völlig ausreichend ist, da die Nutzer den aussagekräftigen Titel nebenstehend lesen können, reicht bei Bekleidung nicht mehr aus. Bei Bekleidung kommt erschwerend hinzu, dass die Produktbezeichnungen eine Eingrenzung kaum möglich machen und die Abbildung deshalb eine viel höhere Bedeutung hat. Gut beurteilt wurden von den Probanden die folgenden Produktabbildungen – zu finden beim Sportscheck-Outfitter. Die Abbildung zeigt ein schönes Beispiel für eine angemessene Größe von Produktabbildungen. Hier sind bereits Details erkennbar:

SportScheck-Produktabbildungen Outfitter

Sportscheck - Outfitter: Große Produktabbildungen

Bei Sportscheck wurde den Produktabbildungen der Vortritt gelassen, dafür fehlen jegliche Informationen zum Produkt – wie ein Name, der Preis. Dies wurde jedoch nicht ausdrücklich kritisiert von den Nutzern.

Filtern kann Spaß machen

Das zweite zentrale Kriterium sind die angebotenen Filteroptionen. Leider fehlen diese in vielen Apps fast gänzlich oder sind wenig einladend umgesetzt. Ein paar besonders positive und auch von den Nutzern gut beurteilte Filter werden von den Apps Heine Must Haves, Sportscheck und Promod angeboten. Das Produktangebot der App Heine Must Haves ist begrenzt und richtet sich nach einer eingangs vorgenommenen Farbauswahl. Anschließend hat der Nutzer die Möglichkeit die Ergebnisse einzugrenzen, indem er mehrere Filteroptionen kombiniert. Wenn nur Modeartikel für Herren von Interesse sind und es speziell auch nur Pullover sein sollen, dann kann durch die Kombination eines Hauptbereichs (Mode, Living), der Reiterauswahl (alle, Damen, Herren) und der Wahl eines Listenpunktes (Pullover etc.) die Ergebnisliste schnell gefiltert werden.

Filteroptionen Sportscheck

Filteroptionen: links – Heine Must Haves / rechts - Sportscheck

Bei der App von Sportscheck haben vor allem die Menge und Spezifität der Filter überzeugt. Hier werden je nach Produktbereich vielfältige Filter angeboten. Es ist jedoch nur die Auswahl jeweils einer Option möglich. Nachdem der Nutzer fleißig kombiniert und die Ergebnisse damit reduziert hat, können alle Filter auf einmal aufgehoben werden.

Im dritten Beispiel – der App von Promod – werden zwar nur drei Filter angeboten, diese sind dafür aber besonders ansprechend umgesetzt. Über Reiterlaschen kann zwischen einem Farb-, einem Größen- und einem Preisfilter gewechselt werden.

Promod Filteroptionen

Promod: Filteroptionen mit Mehrfachauswahl

Dem Nutzer werden die Farben nicht nur namentlich aufgelistet sondern mittels Farbkacheln visualisiert. Darüber hinaus kann eine Mehrfachauswahl getätigt werden, indem der Nutzer mehrere Farben anhakt. Dies wurde von den Probanden erwartet und deshalb selbständig ausprobiert.

Das Fazit zu Produktübersichten lautet: Je nach Produktgruppe kann auf Zusatzinformationen (Produktname, Preis) verzichtet werden. Stattdessen können Produktabbildungen den gesamten Raum einnehmen. Filter sind ein (fast) unverzichtbares Element. Sie müssen nicht langweilig umgesetzt werden und auch eine Mehrfachauswahl ist intuitiv bedienbar.

Ein Gedanke zu „Wie sehen gute Produktübersichten in Shopping-Apps aus? – Ergebnisse einer Studie

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