Internationalisierung von Websites: Dies gilt es zu beachten – Teil 1

Wenn die Website auch für andere Länder und in deren Sprachen angeboten werden soll, dann muss man die Inhalte doch nur übersetzen und online stellen, oder? Dies ist ganz sicher nicht ausreichend. Da gilt es einerseits ganz allgemeine Stolperfallen zu beachten. Und andererseits muss man seine Zielgruppe(n) kennen und zwar nicht nur für den Heimatmarkt sondern auch die Zielgruppe der anderen Absatzmärkte/ Länder.

Auf die allgemeinen Aspekte möchte ich in diesem Beitrag nicht weiter eingehen. Ich werde es bei der Benennung von 3 Stichworten belassen. 1. Leserichtigung – lesen alle von links nach rechts. Wenn nicht, muss dies bei der Erstellung des Navigationskonzeptes beachtet werden. 2. Bilder – Akzeptanz der Motive und deren Darstellung. Und 3. Farben – unterschiedliche Interpretation von Farben abhängig vom Kulturkreis.

Gerade bei Online-Shops werden die Änderungen von Land zu Land über formale Aspekte hinausgehen. Gegebenenfalls werden völlig andere Produkte in den jeweiligen Ländern angeboten. Deshalb ist es sehr wichtig, die Zielgruppen der einzelnen Länder zu beachten. Eine Möglichkeit, wie dies umgesetzt werden kann, ist die Identifikation von Personas.

Bei Personas handelt es sich um prototypische Nutzer. Diese typischen Nutzer präsentieren verschiedene Aufgaben, Ziele und Verhaltensweisen von Nutzergruppen einer Website. Sie liefern wertvolle Einblicke und Erkenntnisse darüber, wer die Website nutzt und wann welche Informationen, Funktionen oder Hilfestellungen benötigt werden. Personas helfen, ein grundlegendes Verständnis für die Nutzerschaft zu entwickeln, indem sie relevante Nutzergruppen anschaulich charakterisieren.

Eine gute Kenntnis der Nutzerschaft ist auch die Voraussetzung für eine effiziente Entwicklung und erfolgreiche Website-Gestaltung. Je besser die Anforderungen, Bedürfnisse und Wünsche der Nutzer bekannt sind, desto geringer ist auch das Risiko „am Nutzer vorbei“ zu entwickeln.

Personasbildung

Wir haben bereits zahlreiche Unternehmen bei der Personas-Bildung auf nationaler Ebene unterstützt und erste Erfahrungen bei internationalen Projekten aufgebaut. Wie dieser Prozess generell abläuft, werde ich Ihnen im Folgenden kurz skizzieren.

Mit Hilfe einer Onsite-Befragung lassen sich spezifische Nutzerdaten direkt auf der Website erheben. Durch Befragung der Nutzer können Informationen zu personenspezifischen Merkmalen, Anforderungen und Erwartungen gewonnen werden. Nach der Datenerhebung folgt der Segmentierungsprozess. Die Daten aller befragten Nutzer werden in möglichst homogene (in sich sehr ähnliche) Nutzergruppen aufgeteilt. Für die Identifikation dieser Nutzergruppen sind zuerst sogenannte aktive Variablen festzulegen, welche auf Unterschiede zwischen den Nutzergruppen schließen lassen. Die Festlegung der aktiven Variablen und somit der Segmentierungskriterien erfolgt hypothesengetrieben.

Im folgenden Schritt werden mittels Clusteranalyseverfahren einzelne Cluster berechnet und somit in sich möglichst homogene (Nutzer-)Gruppen gebildet. Aus diesen Gruppen entstehen die Benutzerprofile, aus denen anschließend die konkreten Personas entwickelt werden. Meist ergeben sich 3 bis 6 Cluster, wobei man aufgrund der Größe zwischen Kern- und Randpersonas unterscheiden kann.

Schließlich erfolgt anhand beschreibender Variablen die Ausgestaltung der einzelnen Benutzerprofile bis hin zu archetypischen Nutzern (=Personas). Die einzelnen Profile werden anhand konkreter soziodemographischer Merkmale, Bedürfnisse und Verhaltensweisen beschrieben. Dabei bleibt es nicht bei einer tabellarischen Auflistung von Merkmalen und deren Ausprägungen. Die Personas erhalten durch Fotos und Namensgebung eine eigene Identität samt Lebenslauf und werden so zum Leben erweckt.

Persona Nadine

Beispiel einer Persona für einen Themen-Blog

Im Vergleich zu herkömmlichen Zielgruppenbeschreibungen, die beispielsweise lediglich aus gruppierten Merkmalen und statistisch berechneten Nutzermeinungen bestehen, gehen Personas darüber hinaus: Sie gewähren einen tieferen und authentischen Einblick in psychografische Daten. Es werden die Erwartungen, Ziele und Verhaltensweisen der Nutzer beleuchtet. Auf diese Weise werden auch komplexe Anforderungen mehrerer Nutzergruppen verständlich und nachvollziehbar.

Ist für einen Absatzmarkt noch keine Website vorhanden, dann lassen sich anstatt der Onsite-Befragung Tiefeninterviews durchführen, um Personas zu identifizieren. Die Ziele, Erwartungen und Verhaltensweisen der Personen werden in einem Interview ermittelt. Anschließend folgt ebenfalls eine Segmentierung zur Bildung der Personas, jedoch dienen hierfür diese qualitativ erhobenen Daten. Dabei werden analog der quantitativen Analyse Gemeinsamkeiten zwischen den interviewten Personen und nach Mustern in deren Einstellungen und deren Verhalten gesucht. Die weiteren Schritte erfolgen vergleichbar der oben beschriebenen Vorgehensweise.

Jetzt ist natürlich noch die Frage offen, was mir die Personas bei der Internationalisierung von Websites bringen? Nehmen wir an, Sie haben festgestellt, dass Sie es mit sehr unterschiedlichen Personas in den einzelnen Ländern zu tun haben, d.h. die Personas unterscheiden sich nicht nur im Alter und Bildungsniveau, sondern haben unterschiedliche Ziele, Erwartungen und Anforderungen beim Online-Shopping. In diesem Fall reicht es definitiv nicht aus, Ihre Website nur zu übersetzen, sondern sie muss an die Erwartungen und Anforderungen angepasst werden. Dabei sind wiederum die Personas selbst sehr hilfreich, da es leichter ist, sich in die Zielgruppe hineinzuversetzen, wenn man die Website nicht nur für „die Nutzer“ optimiert, sondern für Nadine, Oksana, Wilfried und Sam.

In einem zweiten noch folgenden Blogbeitrag wird die Thematik der Personas anhand von Beispielen und Einsatzbereichen von Personas weiter vertieft.

4 Gedanken zu „Internationalisierung von Websites: Dies gilt es zu beachten – Teil 1

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