Schuhe kaufen unterwegs: Der mobile Shop von Görtz im Usability-Check

Startseite Görtz

Der Schuhhändler Görtz startet unter m.goertz.de als erster mit einem mobilen Shop (technische Basis: E-Commerce-Lösung von Demandware) und macht somit erste Schritte im Bereich M-Commerce, bei dem auch der stationäre Einzelhandel gestärkt werden soll. Ob die ersten Schritte auch in Hinblick auf die User Experience ein Erfolg sind, klärt der nachfolgende Kurzcheck per iPhone.

Altbewährte, übersichtliche Navigation

Die Startseite bietet wenig neues, dafür aber Bewährtes. Typisch für mobile Websites fächern sich die einzelnen Hauptrubriken sowie alternative bzw. saisonale Einstiege /Sale, Trends & Themen, …) auf. Auch auf eine Suchfunktion muss der mobile Nutzer nicht verzichten.

Startseite Görtz

Startseite des mobilen Görtz-Shops

Übersichtliche Produktübersichtsseite mit allen wichtige Features

Die Produktabbildungen sind ausreichend groß gewählt und lassen die Schuhe sehr hochwertig erscheinen. Um durch die1517 Artikel im Bereich Herrenschuhe zu navigieren bieten sich die Möglichkeiten zur Filterung und Sortierung im oberen Seitenbereich an.

Produktübersichtsseite Görtz

Produktübersichtsseite

Wobei ich das entsprechende Pulldown zur Sortierung der Treffer gerne auch mit einem Label versehen würde, u.a. auch um die Abgrenzung zu den Filtern zu verdeutlichen.
Das Setzen der Filter funktioniert einwandfrei. Görtz versteht es sogar, die Produktabbildungen in der ausgewählten (Filter-Farbe) anzuzeigen. Eine Aufgabe an der sogar einige große Shop-Plattformen bisher scheitern.

Filter Görtz

Setzen von Filtern zur Einschränkung der Auswahl

Einziger Wermutstropfen: Bei eingeklapptem Filtermenü ist nicht ersichtlich, ob derzeit Filter aktiv sind. Diese Tatsache hat bei Nutzertests mit vergleichbaren M-Commerce-Anwendungen schon desöfteren zu Verwirrung geführt.

Produktdetailseite: fragwürdige Buttongestaltung und Positionierung von Produktinformationen

Produktdetailseite Görtz

Die Produktdetailseite kommt ebenfalls – wie es sich für eine mobil-optimierte Seite gehört – sehr aufgeräumt und übersichtlich daher. Jedoch gibt es aus Usability-Sicht 3 Dinge zu bemängeln:
Erstens hat sich der Shop nicht meinen Größenfilter gemerkt, so dass ich erst einmal die favorisierten Schuhe in der falschen (Default-)Größen in de Warenkorb lege 🙁
Zweitens ist die Reihenfolge/Platzierung der Informationen nicht nutzergerecht. Es sollte immer die Produktabbildung(en) gefolgt von der Produktbeschreibung (aus welchem Material, etc.; gerne auch inklusive Kundenbewertungen) als erstes angezeigt werden. Erst danach sollten die weiter- bzw. zielführenden Buttons platziert werden. Eine Anzeige des Warenkorb-Buttons im first view ist eh utopisch bei mobilen Endgeräten.
Drittens: Nicht nur, dass alle Buttons im gleichen Mausgrau-Design dargestellt werden und man gar nicht weiß, was jetzt der CTA-Button sein soll (anhand der Größe würde ich auf „in die Einkaufstasche“ tippen). Nein, die Buttons sehen durch die graue Gestaltung auch noch inaktiv und nicht klickbar aus. Hier also ein Appell an das Design-Team: Bitte weicht in diesem Fall vom Corporate-Design ab, schärft die Wahrnehmung/Aufmerksamkeit der CTA-Buttons und lasst die weiteren Funktionen nicht inaktiv aussehen.

Vorbildlicher Checkout

Hat man sich für einen oder mehrere Artikel entschieden ist der Rest ganz einfach, übersichtlich und auf das Wesentliche reduziert. Es werden alle wichtigen Zahlungsarten angeboten (nicht nur KK, sondern auch Überweisung und Nachnahme). Ggf. könnte man diesen Vorteil noch einmal im Warenkorb entsprechend kommunizieren. Als abweichende Lieferanschrift kann der Nutzer sogar eine Filiale auswählen und somit Versandkosten sparen. (Dieser Vorteil wird jedoch nirgends aktiv erwähnt, obwohl es doch wieder ein Bogen zum stationären Einzelhandel wäre.)

Fazit

Eine sehr gute mobile Umsetzung des Görtz-Online-Shop, die in Sachen Usability lediglich noch kleinere Optimierungspotentiale besitzt.
Wenn es jedoch um das Thema Nutzungserlebnis (die User Experience) geht, frage ich mich, ob die derzeitigen Funktionen / Features ausreichend sind für die anders gearteten Nutzungsintentionen „unterwegs“. Natürlich bietet der zusätzlich angebotene Filialfinder inkl. Routenplanung einen mobilen Mehrwert und stärkt zudem die Filialen. Jedoch frage ich mich, ob es nicht doch etwas mehr in Sachen „Amazon Memo“ oder den „SportScheck Outfitter“ (man kann gerade gesehene Produkt fotografieren und es werden daraufhin ähnlichen/passende Artikel aus dem Sortiment vorgeschlagen)

SportScheck

SportScheck Outfitter – Markieren des gesehenen Produktes

gehen muss, um auch mobil den Kunden abzuholen und zu begeistern.
Wobei wir dann eher wieder im „App-Bereich“ wären und man sich die Frsage nach der für die Zielgruppe relevantesten Plattform stellen müsste…

3 Gedanken zu „Schuhe kaufen unterwegs: Der mobile Shop von Görtz im Usability-Check

  1. Kornelia Hejduk

    Hallo Herr Beschnitt,
    vielen Dank für den interessanten Beitrag.
    Eine Zoom-Funktion auf der Artikeldetailseite würde die Darstellung noch stärker optimieren. (gesehen mit Android)

    Antworten
  2. Pingback: » Rascasse GmbH – Agentur und Beratung für Digitale Innovationen

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