Was tun, wenn Sie nicht Apple sind? Eine Möglichkeit zur Entwicklung von Innovationen für Ihre Website

Glaubt man den Statements von Apple, so verlassen sich Steve Jobs und dessen Produktentwickler lieber auf den „gesunden Menschenverstand“ als auf Marktforschung, wenn es darum geht, neue Ideen zu entwickeln bzw. einzuschätzen. Zugegeben, der derzeitige Erfolg gibt Apple recht: iPod, iPhone und iPad sind die Geräte, die das (mobile) Internet aber auch andere Technologiebereiche massiv geprägt haben und auch weiter prägen werden.
Andererseits hat Apple auch die Zeit und Ressource diverse Anlaufversuche bzw. Fehlschläge in Kauf zu nehmen für DAS Produkt der Zukunft.
Nimmt man Apples Ansatz als Denkanstoß, so kommen folgende Fragen auf:
Ist es wirklich sinnvoll, meine Nutzer/Zielgruppen mit in den Entwicklungsprozess einzubeziehen? Läuft man nicht eher Gefahr, dass ich nicht Neues, Innovatives kreiere, wenn ich meine Nutzer Ideen spinnen lasse? Und was hat das Ganze mit der Gaußsche Glockenkurve zu tun?

Aus meiner Erfahrung heraus ist es sinnvoll und sogar essentiell wichtig seine (potentiellen) Nutzer mit in die Entwicklung meiner Website (oder eines andersgearteten Produkt – bleiben wir heute aber einmal bei Websites) einzubeziehen. Es kommt nur drauf an, an welchen (Zeit)Punkten oder auf welche Art und Weise ich dies tue.

Zuallererst ist es extrem wertvoll zu wissen, wer überhaupt meine Zielgruppe ist und welche Anforderungen und Erwartungen diese an meine Website hat. Dies geht am besten mit einer Onsite-Befragung. Möchte ich dies dann noch einen Stück in Sachen user centered design weitertreiben will, entwickele ich daraufhin konkrete archetypische Nutzer (Personas), um mir meine Zielgruppenvertreter wahrhaftig bildlich vorstellen zu können.

Nun gilt es Ideen zur Verbesserung oder Neukonzeption zu entwickeln, die einen Mehrwert für meine Zielgruppe darstellt – entweder durch Bedarfsdeckung (es fehlt etwas) oder Begeisterung (vom Nutzer nicht erwartet/gewünscht, jedoch im Nachgang mit Begeisterung angenommen, auch „killer application“ genannt).
Für erstgenanntes, die Bedarfsdeckung, ist das recht einfach: Entweder werden die noch fehlenden Funktionen/Inhalte im Rahmen einer Fokusgruppe oder einer Online-Befragung erhoben.
Aber wenn es darum geht, etwas wirklich Neues / Innovatives zu entwickeln, so ist das Ergebnis von Gruppendiskussionen mit dem „allgemeinen“ Nutzer eher ernüchternd. Zumeist lese ich dann auf den Karteikärtchen oder Flipcharts Ideen, die ich selbst als eCommerce-Experte von unzähligen Websites bereits kenne. Das liegt u.a. daran, dass sich der allgemeine Nutzer nicht 24 Std. am Tag mit dem Thema eCommerce bzw. der Gestaltung von Websites beschäftigt. Er hat ein bestimmtes Surfrevier, das er je nach Alter, Internetaffinität, etc. nur selten verlässt. Auch Jakob Nielsen betont immer wieder, dass man Nutzer in einem Usability-Test beobachten und nach Ihrer Bewertung fragen sollte – jedoch nie nach ihrer Meinung in Hinblick auf die Neugestaltung/Optimierung.
Damit will ich weder sagen, dass es nichts bringt, Nutzer meiner Website nach ihren Ideen zur Weiterentwicklung der Website zu befragen, noch dass Fokusgruppen keine Berechtigung haben. Es kommt jedoch darauf an, wen genau ich zur Ideenentwicklung heranziehe.
Und hier kommt nun die Glockenkurve ins Spiel – wenngleich die Analogie ein wenig hinkt:)

Anbei einmal eine kleine „Handskizze“:

Handskizze Persona

Nehmen wir einmal an Persona A beschreibt ungefähr 65% meiner Zielgruppe – die treuen Nutzer, die schon seit Jahren auf Ihre Website kommen. Dazu gibt es noch die Randpersonas C und D, die zusammen nur auf die restlichen 35% kommen – und vom Typ her eher die Exoten sind, weil Sie z. B. jünger sind, internetaffiner, ….
Wenn ich nun also neue Ideen für die Weiterentwicklung spinnen möchte, wen sollte ich am besten mit einbeziehen? Richtig, die Randpersonas, da sie von ihren Ausprägungen her eher zu interessanten Denkanstößen kommen – als die breite Masse (Persona A).

Sind die neuen Ideen anschließend gesponnen und entsprechend ausgearbeitet, so ist es extrem wichtig, diese mit der breiten Masse (Persona A) zu validieren. Je nach Ausarbeitung der neuen Konzepte kann dies erneut im Rahmen von Fokusgruppen erfolgen oder bereits anhand erster Prototypen mithilfe eines mehrstufigen User Experience-Tests.
Kommt das neue Konzept bei dem Großteil Ihrer Nutzer (Persona A) an, habe ich gewonnen bzw. alles richtig gemacht! Ich habe ein neues Feature konzipiert, das zum einen meine Hauptzielgruppe begeistert und zum anderen meine Randzielgruppen anspricht; somit ist mir ein Anstieg der Nutzeranzahl / Seitenbesuche insgesamt sicher.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit meiner Interpretation der Gaußschen Glockenkurve den dahinterstehenden Ansatz näher bringen.
Über Ihre Meinung zum Thema „Einbeziehung von Nutzern in die Entwicklung von Ideen“ würde ich mich sehr freuen.

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