Design im Wandel: Bei Nachrichtenmagazinen ist Uniformität angesagt

Betrachtet man die Entwicklung der Websites verschiedener Nachrichtenmagazine wie z.B. Stern, Spiegel und Zeit der letzten Jahre, so hat sich auf den ersten Blick nicht viel verändert. Alle Seiten sind und waren geprägt durch eine regelmäßige Strukturierung durch Bild- und Textinhalte.

Schaut man genauer hin, sind aber dennoch einige Tendenzen erkennbar.

Immer deutlicher wird über die Jahre der Trend zu einem großen Bild als „Aufmacher“ der Seite, welcher oft mehrmals am Tag ausgewechselt wird. Besonders konsequent wird dieser Trend bei Spiegel und Stern umgesetzt.

Aufmacher auf Spiegel.de

Aufmacher auf Spiegel.de

Auch der Werbeanteil auf den Seiten hat im Laufe der Letzten Jahre zugenommen. Besonders auffällig sind dabei großflächige Werbeanzeigen direkt unterhalb der Hauptnavigation oder als Einrahmung der gesamten Seite.

Werbung auf Zeit.de

Werbung auf Zeit.de

Ein weiterer Trend: Wie bei Websites aus anderen Branchen (z.B. aus der Versicherungsbranche), wo kräftige Farbflächen sparsamer verwendet werden, wird hier zunehmend auf strukturierende Elemente wie Linien und Schattierungen verzichtet. Stattdessen erhält die Seite lediglich durch die Anordnung von Bild und Text die nötige Struktur.

Gesamtlayout im Vergleich

Gesamtlayout im Vergleich

Noch etwas fällt auf, wenn man die verschiedenen Seiten im Vergleich betrachtet – sie werden sich immer ähnlicher im Aufbau. Im oberen Bereich wird ein Hauptthema angezeigt. Darunter finden sich zwei Spalten, in denen links die aktuellsten Artikel dargestellt werden, rechts verschiedene Services, Schnellzugänge und im zunehmendem Maß auch Videos. Schließlich findet man im unteren Seitenbereich in einer horizontalen Struktur die nicht mehr ganz brandneuen Themen. Ein solches Schema kann man auf fast jeder aktuellen Version der untersuchten Websites feststellen, während es vor einigen Jahren noch „Abweichler“ gab, die ihre Inhalte in drei Spalten aufteilten (Focus 2007) oder mit noch mehr Spalten arbeiteten (Zeit 2007).

Vermutlich unterstützt diese Anordnung schlicht am besten die Gewohnheiten der Nutzer. Die Seiten können schnell nach interessanten bzw. neuen Themen gescannt werden, durch das wechselnde Top-Thema wird zudem sofort erkennbar, ob sich in der Welt etwas Neues, Wichtiges ereignet hat. Durch die systematische Anordnung wird die Orientierung vereinfacht, durch die Vereinheitlichung auch anbieterübergreifend.

Auf Basis dieser Gewohnheit scheint auch die Einbindung von Werbefläche direkt unterhalb der Hauptnavigation vertretbar – über diese kann man schnell drüber scrollen, für eine intensive Beschäftigung mit der Seite ausgehend von der Hauptnavigation sind die Seiten nicht ausgelegt.

Bleibt nur die Frage, welchen Einfluss iPad&Co auf die Struktur der Nachrichtenportale haben. Wird diese sich durch neue Möglichkeiten und Technologien noch einmal grundlegend ändern? Wir dürfen gespannt sein.

Zum Projekt „Design im Wandel“:

eResult verfolgt und dokumentiert bereits seit mehreren Jahren die Entwicklung des Webdesigns von 50 verschiedenen Branchen, unter anderem auch von acht Nachrichtenmagazinen. Die dokumentierten Screenshots werden regelmäßig ausgewertet und Erkenntnisse hier im Usabilityblog vorgestellt.

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