Rund um Content Usability: Intros von Verkaufstexten

Es ist so eine Art Gretchenfrage der kommerziell schreibenden Zunft und insofern auch Topthema für Texter von Onlinebeiträgen: Wie verpacke ich mein Hauptanliegen in möglichst wenigen, aber wirksamen Worten? Oder anders gesagt: Welches Targeting braucht die Formulierung, damit sie hilft den Kaufimpuls bei der Zielgruppe auszulösen?

Ein konkretes Problem beseitigen
Beim Intro einer Produktbeschreibung muss das Targeting möglichst exakt erfolgen: Das Trio „Was – Für wen – Warum“ soll im Einkauf münden.

Als Beispiel dienen drei Varianten von einem Verkaufstext für eine anspruchsvolle Computer-Sicherheitssoftware, die sich an eine jugendliche Zielgruppe richtet.
Variante A: Für dich ist ab heute Schluss mit Bluescreens! (45 Zeichen)
Variante B: Fühl dich ab heute besser ohne Bluescreens! (38 Zeichen)
Variante C: Mach heute Schluss mit Bluescreens! (34 Zeichen)

Alle drei Varianten nutzen die direkte Ansprache des Lesers und unterstreichen die Aussage mit einem Ausrufezeichen am Ende des Satzes. Ebenso sind alle drei im Klartext formuliert: Das Übel „Bluescreen“ ist unmissverständlich benannt; und es gibt auch keine überlangen oder unverständlichen Wörter. Das ist gut für die Lesbarkeit.

Bluescreen-Bild

Das Übel „Bluescreen“

Der wesentliche Unterschied besteht in der Verwendung eines aktiven Verbs. Variante A verzichtet auf ein starkes Verb. Variante B nutzt „ besser fühlen“ – allerdings ist dieses Versprechen eine Binsenweisheit. Der pauschale Gemeinplatz, dass man sich ohne Bluescreens besser fühlt, ist beinahe ein nerviger Affront für den „Betroffenen“. Variante C hingegen motiviert und begeistert mit dem auffordernden „Mach Schluss“. Dem Leser wird Machbarkeit und direkter Nutzen suggeriert – und das mit nur 34 Zeichen Text!

Den Nerv der Zielgruppe treffen
Variante C nach dem KISS-Prinzip (keep it short and simple) unterstützt die Auslösung des Kaufimpulses am besten. Der Leser wird involviert und aktiviert. Das ist für die Initiierung eines Einkaufsprozesses besser als die unpersönliche Schlagzeile „Schluss mit Bluescreens“, die sich eher als Überschrift und Eye Catcher eignen würde.

Außerdem macht dieses Intro neugierig: Wie genau macht man denn Schluss mit dem Problem? Der „Betroffene“ wird sicher in den weiteren Text einsteigen und ihn lesen. Da ist dann auch der intendierte Klick auf den Bestell-Button nicht mehr so weit.

Kurzum: Wer in einem knackigen Intro relevante Inhalte mit einem konkreten Handlungsimpuls verknüpft, hat die besten Chancen auf Erfolg bei seiner Zielgruppe. Egal ob es um eine Software für Nerds geht oder um eine Bildungsreise für Best Ager.

2 Gedanken zu „Rund um Content Usability: Intros von Verkaufstexten

  1. Steffen Müller

    Interessanter Artikel!
    Nur als Anregung: das ganze wäre noch spannender, wenn es noch einen kurzen A/B Test zur Klickrate der drei Variationen gegeben hätte, der die Behauptung unterstreicht – eine kurze Adwords Testkampagne genügt.

    Antworten
  2. Pingback: Take me to auction » Links der Woche: PayPal Alternativen, e-Commerce, Recht

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