Im Interview: Michael Jahn über Geduld, die Liebe zur Detail-Optimierung und überraschende Erkenntnisse eines Optimierers

Michael Jahn

Es ist immer schön jemanden zu kennen, der seine Arbeit aus Leidenschaft erledigt. Für Michael Jahn trifft dies zu, und gerne lässt er andere an seiner Leidenschaft und Erfahrung teilhaben.

Im Jahr 2007 legte Michael Jahn die Basis für das Online-Marketing der date up education GmbH – einem Anbieter von Seminaren für die berufliche Weiterbildung.
Suchmaschinenoptimierung (SEO), Suchmaschinenwerbung (SEA), Conversion-Optimierung, Usability, Monitoring, Tracking, E-Mail-Marketing, Newsletter, Display-Werbung und Social Media Optimierung (SMO) in all diesen Bereichen leistete Herr Jahn Pionierarbeit. Bis heute.

Sie können sich vorstellen, dass er dabei viel Wissen und Erfahrung gewonnen hat. Freuen Sie sich auf wertvolle Anregungen und Tipps von einem erfahrenen, leidenschaftlichen Experten für Online-Marketing und Erfolgsoptimierung.

Herr Jahn, der Markt für Weiterbildungen und Seminare ist sicherlich ein sehr umkämpfter. Bei Suchanfragen wie „lebenslanges Lernen“ oder „Weiterbildung für Führungskräfte“ auf den Trefferlisten oben zu erscheinen sicherlich sehr schwer. Welche Strategien zur Suchmaschinenoptimierung verfolgen Sie, worin ist Ihr Erfolg begründet?

Suchmaschinenoptimierung für hart umkämpfte Keywords ist ein stetiger Prozess und nicht über Nacht getan.

Die Stärken und Schwächen der eigenen Seite und der Seiten der Mitbewerber müssen genau analysiert werden. Wenn die Gründe erkannt wurden, warum man bei einem bestimmten Keyword nicht ganz oben steht, folgt die Umsetzung der Maßnahmen.
Letztendlich kann die Suchmaschine die Relevanz der Seite für ein bestimmtes Keyword nur erkennen, wenn es auf der Seite auch vorkommt. Des Weiteren sollte darauf geachtet werden, dass die Seiten der wichtigsten Keywords weit oben in der Seitenhierarchie stehen und die meiste Linkpower erhalten.

Vielen fehlt auch etwas ganz entscheidendes bei der Suchmaschinenoptimierung – Geduld!

Das Thema Social Search und die Bedeutung für die Suchmaschinenoptimierung wird mit Google +1 gerade wieder heiß diskutiert. Wie stehen Sie dem Thema Social Search gegenüber und welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Google versucht stetig die Suchergebnisse zu verbessern und individuell auf die Suchenden abzustimmen. Da ist die Social Search ein logischer Schritt.

Da man sich meistens mit Gleichgesinnten umgibt, sind empfohlene Produkte und Dienstleistungen meiner „Freunde“ durchaus relevant. Skeptisch bin ich allerdings gegenüber einer zu starken Gewichtung von Websites, die häufig geliked wurden. Hier hätten starke Marken und große Firmen wieder eindeutig Vorteile und die SERPS könnten dementsprechend in Zukunft eintönig aussehen.

Bisher haben die Kriterien der Sozialen Netzwerke noch keinen großen Einfluss. Das wird sich aber schnell ändern. In Zukunft ist Social Media Optimierung eng verflochten mit Suchmaschinenoptimierung.

Landingpages werden selten für Suchmaschinen optimiert, aufgrund ihrer größtenteils kurzfristigen Ausrichtung. Für den Erfolg von Landingpages wichtiger ist die Optimierung der Usability und die damit einhergehende Optimierung der Konversionsrate. Mit welchen Mitteln testen und optimieren Sie Landingpages?

Wir setzen A/B-Tests ein, analysieren das Klickverhalten und führen Usability-Tests mit Nutzern durch. Doch am besten greift man immer noch auf die eigene Erfahrung zurück. Was in der Vergangenheit gut funktioniert hat, klappt meistens auch in der Zukunft.

Wie viele Personen arbeiten an der Entwicklung der Landingpages mit und welche Aufgaben haben diese?

Bei uns sind vier Personen in den Prozess der Landingpage-Entwicklung involviert. Zwei sind für das Konzept, den groben Aufbau und die Usability-Tests verantwortlich. Dann haben wir noch einen Programmierer und einen Designer.

Nutzen Sie für Usability- und SEO-Fragestellungen ausschließlich internes Know-How oder sind andere Firmen in den Prozess integriert?

Für die meisten Projekte nutzen wir unser internes Know-How.
Bei größeren Projekten oder speziellen Thematiken greifen wir aber auch auf externe Agenturen und Berater zurück.

Ihr größter Erfolg bisher?
Gibt es eine Fallstudie zu einer Landingpage-Optimierung, über die Sie berichten können: Welche kleinen Veränderungen hatten große Auswirkungen? Welche vielleicht überraschende Erkenntnis konnten Sie gewinnen?

Eine Fallstudie gibt es nicht. Ich kann nur allgemein von meinen Erfahrungen berichten.
Vor ein paar Monaten haben wir eine großangelegte E-Mail Kampagne durchgeführt, die hohe Klickraten erzielen konnte. Wir haben mehrere Betreffs getestet und überraschenderweise festgestellt, dass nicht die werblichen oder lustigen Betreffs am besten funktioniert haben, sondern ein schlichter, beschreibender Betreff. Zusammen mit einer auf das Mailing abgestimmten Landingpage und prominent dargestelltem Call to Action Button war die Aktion ein großer Erfolg.

Aber auch kleine Veränderungen auf der Landingpage können große Auswirkungen haben. Ein gutes Beispiel sind hier Mouseover-Effekte. Buttons weisen eine signifikante Steigerung der Klickrate auf, wenn User das Gefühl haben, wirklich zu klicken. Auch kleine grafische Elemente wie Ticks statt Spiegelstrichen wirken sich positiv auf die Verweildauer und die Conversion-Rate aus.

Doch es gibt auch Beispiele, wo selbst gut optimierte Landingpages nicht den erwarteten Erfolg gebracht haben. Für einen Kunden haben wir z.B. für eine spezielle SEA-Kampagne eine extra Landingpage erstellt. Diese optimierte Landingpage testeten wir gegen die normale Startseite. Das Ergebnis war erstaunlich. Ob Verweildauer, Klickrate oder Conversion-Rate, die Startseite war bei allen Kennzahlen besser. Wie sich herausstellte, lag das daran, dass die Landingpage nicht in die Website integriert war. Eine Standalone-Landingpage scheint auf viele User „unseriös“ zu wirken. Das gilt natürlich besonders für Firmen, die dem User nicht bekannt sind.

Der Blick in die Zukunft darf nicht fehlen: Welche Herausforderungen kommen auf Optimierer in den kommenden Jahren zu, welche Methoden werden sich etablieren, welche Testverfahren vielleicht weniger eingesetzt, und wie müssen wir uns alle weiterentwickeln, um den Erfolg dauerhaft zu sichern und stetig zu steigern?

Das Thema „optimieren“ ist komplexer geworden. Es reicht nicht mehr aus, nur einen Bereich zu beherrschen, sei es SEO, SMO oder Usability-Optimierung. Gerade Kunden verlangen eine ganzheitliche Lösung und dafür müssen die einzelnen Bereiche reibungslos ineinander greifen.

Besonders die Social Media Optimierung wird in Zukunft immer stärker in den Fokus rücken. Für die Suchmaschinen werden die Signale aus den Sozialen Netzwerken immer relevanter und durch das veränderte Nutzerverhalten wird auch der Traffic aus diesem Kanal weiter zunehmen. Wer sich hier frühzeitig gut positionieren kann und es schafft, die „Fans“ an seine Marke zu binden, ist auf einem guten Weg.

Ist eine eigene Facebook-Seite heutzutage schon Pflicht?

Nein, Pflicht ist eine eigene Seite nicht. Man sollte aber nicht vergessen, dass die Sozialen Netzwerke für Suchmaschinen immer wichtiger werden. Doch ohne ein Konzept und die nötige Zeit bzw. das Geld, um den Facebook Auftritt zu pflegen, sollte man es gar nicht erst versuchen.

Für viele Geschäftsführer ist in erster Linie wichtig, was dabei herum kommt. Doch so sollte man an die Sache nicht heran gehen. Facebook ist in den seltensten Fällen ein reiner Absatzkanal. Es ist eher wie ein interaktiver Newsletter zu betrachten. Man bekommt sofort Feedback auf neue Produkte und Dienstleistungen und über die Facebook Seite kann sich der Kunde Gehör verschaffen.
Natürlich bedeutet das auch eine Gefahr für die Firmen, doch mit der richtigen Strategie und den richtigen Aktionen, ist Facebook eine hervorragende Möglichkeit zur Kundenbindung und Imagebildung.

Vielen Dank! Ein tolles Interview, mit wertvollen Anregungen, Tipps und Einblicken in Ihre Arbeit. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie weiterhin aus Autor für Usabilityblog.de tätig sind.

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