Tradition vor Moderne? Wie lassen sich Radio-Hörer online überzeugen?

Working at Home

Begleitmusik durch das Radio kann sicher noch nicht als Auslaufmodell bezeichnet werden, immer größerer Beliebtheit erfreuen sich Webradios. Für uns Grund genug, einmal 3 Radiostationen unter die Lupe zu nehmen und zu überprüfen, wie diese sich im World Wide Web präsentieren.

Mittels des eResult FUX-Analyzers beurteilten je 100 Personen eine Website eines Radiosenders. Ziel dieses Vergleichs war es zum einen, einen Gewinner zu küren, aber auch Erfolgsfaktoren abzuleiten, die auch auf andere Branchen übertragbar sind.

Die Webseiten wurden nach ausgiebiger Nutzung auf den Dimensionen Usability, Joy of Use und nicht-instrumentelle Qualitäten wie Motivation, Ästhetik und Symbolik bewertet. Weiterhin wurden die Wiedernutzungs- und die Weiterempfehlungsabsicht erfragt.

Dabei wurde der von eResult entwickelte FUX-Analyzer Fragebogen eingesetzt, der insgesamt 25 Bewertungsfragen aufweist. Das Messinstrument wurde auf Basis von Expertenworkshops sowie Studien mit Webnutzern und Online-Shoppern entwickelt und über einen Zeitraum von zwei Jahren bzw. 20 Studienprojekten optimiert.
Nun aber zu den Ergebnissen:
1. Platz: swr3.de
2. Platz: Radio Fritz
3. Platz: MDR Sputnik

SWR3.de geht als klarer Sieger aus dem Vergleich in allen Ebenen hervor. Der klassische Startseitenaufbau verschafft der Seite Wettbewerbsvorteile. Durch die auf das wichtigste beschränkte horizontale Navigation findet man sich sehr einfach zu Recht. Statt einer gewöhnlichen Layernavigation, wie man sie z.B. von Online-Shops gewöhnt ist, verrät hier eine Sprechblase, was sich hinter dem gewähltem Navigationspunkt verbirgt. Ein nettes, spielerisches Detail.

Gewinner swr3.de – Startseite: Sprechblase in Navigation

Gewinner swr3.de – Startseite: Sprechblase in Navigation

Eine Flash-Bühne sorgt für die notwendige Lebendigkeit ohne zu überfordern. Drei aktuelle Themen laufen durch. Ebenfalls prominent platziert: Die aktuelle Sendung nebst aktuell laufendem Song – dieser wird zusätzlich oberhalb des Headers genannt, ebenso wie die aktuellen Informationen zu Verkehr und Wetter.

Insgesamt wurde viel Lob zum attraktiven, unaufdringlichen Layout geäußert, z.B. „jung, frisch, übersichtlich, fröhlich, leicht, kreativ“. Vermutlich eine Wohltat im immer unübersichtlicher werdenden Dschungel des Internet.

Radio Fritz stellt die Musik unverkennbar in den Vordergrund. Mit einer Timeline lassen sich vergangene und kommende Titel aufrufen nebst Informationen dazu. Der verwendete Schieberegler wird bei Seitenaufruf als zentrales Element kurz erklärt, so lässt sich elegant die Ladezeit überbrücken. Der gesamte Part basiert auf Flash, dies stößt nicht bei allen Nutzern auf Gegenliebe.

fritz.de – mittels Schieberegler navigiert man horizontal durch die Zeit

fritz.de – mittels Schieberegler navigiert man horizontal durch die Zeit

Die Seite scheint jedoch für größere Auflösungen optimiert: Bei 1280x1024px erhält man ein schönes Vollbild der Seite ohne zu scrollen – dann wirkt auch das Design stimmig, was bei kleineren Bildschirmen eher anstrengend ist.

Verwirrend ist der Zusammenhang zu rbb-online.de. Oberhalb der Fritz-Navigation wird nämlich diese dargeboten nebst Logo und schwupps hat man die eigentliche Seite verlassen. Die Navigation von Radio Fritz scheint auf Insider zugeschnitten zu sein, neue Nutzer tun sich eher schwer und werden zum Stöbern quasi gezwungen.

Gelangt man in die nächste Ebene, so erhält man eine weitere Navigation. Eher gewöhnungsbedürftig, aber passend, wenn man sich länger in einem Bereich aufhält und nicht viel hin- und her-navigieren möchte.

fritz.de – Eine neue horizontale Navigation (hier sogar zweizeilig) baut sich auf.

fritz.de – Eine neue horizontale Navigation (hier sogar zweizeilig) baut sich auf.

Platz 3 unserer getesteten Radioseiten ist MDR Sputnik. Die gesamte Seite kommt eher düster daher mit dem dunklen, unruhigen Hintergrund, der leider die Lesbarkeit erschwert. Die Auflösung des Motivs offenbart sich nur bei großen Bildschirmen: Es ist Wasser, das in der Sonne schimmert. Ein schönes Urlaubsmotiv, hier allerdings eher hinderlich.

Der Nutzer muss sich zunächst zwischen zwei Navigationsbereichen entscheiden. Im oberen Seiten-Bereich werden verschiedene Channel nach Genre angeboten. Die weiteren Seiteninhalte werden in der linken Spalte angeboten.

Dunkel und unruhig kommt die Startseite von MRD Sputnik daher

Dunkel und unruhig kommt die Startseite von MRD Sputnik daher

In tieferen Ebenen wirkt die Seite sehr kleinteilig. Vier Spalten zusätzlich zur Navigation überfordern den Nutzer. Das Highlighting des aktuellen Standortes ist misslungen und kann nur mit Mühe erkannt werden.

MDR Eventseite

Fazit:

Groß, laut, aggressiv – hiermit kann man bei den Radio-Hörern nicht punkten. Eine übersichtliche Seitenstruktur und ein dezentes Farbkonzept sprechen die Nutzer an. Der schnelle Zugriff auf den Live-Stream, Informationen zu den Künstlern oder Events schnell auffindbar – so erreicht man Begeisterung und zufriedene, wiederkehrende Gäste.

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