Onsite-Befragungen: Mehr Datenqualität beim Einsatz von Slide-in Layern

Die Frage, ob es zu der momentan geläufigen Praxis, mittels Pop-Up-Layer zu Onsite-Umfragen einzuladen sinnvolle Alternativen gibt, wurde hier im Blog bereits in zwei Beiträgen im Juni und September behandelt.

Zunächst wurden verschiedene Alternativen im Rahmen von Eyetracking-Studien hinsichtlich ihrer Aufmerksamkeitsleistung getestet. Dabei erwies sich ein Slide-In-Layer als vielversprechendster Ansatz. Der Slide-In-Layer versperrt im Gegensatz zum momentan gebräuchlichen Pop-up nicht den Blick auf den primär relevanten Seiteninhalt, sondern erscheint animiert und zeitversetzt am oberen Bildrand. Eine längere und über mehrere Seiten wiederholte Darbietung der Einladung wird so möglich. Die Ergebnisse der im letzten Artikel angekündigten quantitativen Untersuchung sollen nun vorgestellt werden. Dabei galt es die Frage zu beantworten, ob die Besucher der Seite die Möglichkeit zur späteren Teilnahme auch nutzen. Außerdem, ob sich die im Vergleich zum Pop-up Layer weniger aggressivere Einladung auch auf das Antwortverhalten auswirkt.

Überprüfung direkt im Blog


Schematische Darstellung des Slide-in Layers: Erscheint leicht zeitversetzt am oberen Bildrand

Schematische Darstellung des Slide-in Layers: Erscheint leicht zeitversetzt am oberen Bildrand

Zählen Sie zu den regelmäßigen Besuchern des usabilityblogs, haben Sie vielleicht Ihren Beitrag zur Beantwortung der Fragen beigetragen. Im Juli und August 2011 wurden die Blogleser mittels onsite-Befragung zu ihrer Meinung zu aktuellen Themen rund um die Usability befragt. Dabei kam bei einem Teil der Einladungen erstmals das neu entwickelte Instrument der Slide-in Einladung zum Einsatz. Um direkte Vergleiche anstellen zu können wurde parallel mittels „klassischem“ Pop-up Layer eingeladen.

Spätere Teilnahme, wenn möglich…

Schematische Darstellung des Pop-Up-Layers: Aufdringlich durch Platzierung im Aufmerksamkeitsfokus

Schematische Darstellung des Pop-Up-Layers: Aufdringlich durch Platzierung im Aufmerksamkeitsfokus

Im Gegensatz zum Pop-Up-Layer, der auf Grund seiner aufdringlichen Platzierung in der Regel nur einmal gezeigt wird, ist es beim Slide-In-Layer eine wiederholte Darbietung möglich. Nur circa ein Viertel der Teilnehmer, die mittels Slide-In eingeladen wurden und an der Umfrage teilnahmen, taten dies direkt nach der ersten Ausgabe. Im Durchschnitt öffneten die Teilnehmer 8 Unterseiten und bewegten sich ca. 20 Minuten auf dem Blog, bevor sie die Umfrage starteten. Deutlich länger als beim Pop-Up-Layer, hier wurde nur auf der zuerst aufgerufenen Seite eingeladen und es dauerte bis zu Teilnahme im Schnitt nur 45 Sekunden.

Beschränkt sich die Umfrage inhaltlich auf die Erfassung der Nutzerstruktur oder anderer Daten, die nicht unmittelbar mit der Nutzung der Seite selbst oder deren Einschätzung zu tun hat, ist es zunächst einmal irrelevant, wann die Teilnahme erfolgt. Sollen aber konkrete Eindrücke erfragt oder die Seite bewertet werden, ist es zwingend erforderlich, ähnlich wie beim Einsatz von MEMO die Möglichkeit einzuräumen, die Seite zuvor entsprechend kennenzulernen bzw. die Eindrücke aus früheren Besuchen aufzufrischen.

Effekte auf das Antwortverhalten

Dass Teilnehmer auch später in die Umfrage finden, haben sie die Gelegenheit dazu, liegt fast auf der Hand. Aber wieso sollte sich nun das Antwortverhalten im Fragebogen selbst unterscheiden? Die Beantwortung der Frage, ob die Teilnehmer die Einladung zur Umfrage als störend wahrgenommen haben, gibt hierauf einen Hinweis. In der Bedingung mit Pop-up Einladung stimmten dem ca. 39 Prozent der Befragten zu, in der Gegenbedingung bei Einladung mittels Slide-in Layer hingegen nur 8. Dieses Ergebnis macht deutlich, dass die Art der Einladung möglicherweise Effekte auf die Stimmung der Befragten hat, die sich wiederum auf das Antwortverhalten im Fragebogen auswirkt. Wie ist es sonst zu erklären, dass bei Einladung mittels Pop-Up sowohl die Gesamtbeurteilung des Blogs um ca. 10% schlechter ausfiel und auch auf Fragen, die überhaupt keinen Bezug zur Art der Einladung hatten deutlich negativer geantwortet wurde? Ebenso zeigten sich deutliche Unterschiede in der Bereitschaft, den Blog weiterzuempfehlen, der Bereitschaft zukünftig an ähnlichen Studien teilzunehmen und bei der Zustimmung zur Aussage „Teilnahme hat Spaß gemacht“.

Um eine möglichst unverzerrte Einschätzung einer Webseite oder eines Onlineshops zu erhalten, ist es also wichtig, dass die Einschätzung nicht unter dem Einfluss einer starken momentanen Stimmung abgegeben wird. Die Ergebnisse legen nahe, dass die Art der Einladung geeignet ist um einen entsprechenden Einfluss herzustellen. Es sollte also affektiv-neutral, sprich beispielsweise mittels Slide-In-Layer, eingeladen werden.

Slide-in Alternatve, weil…

Selbstverständlich ist es auch bei Einladung mittels Slide-In-Layer eine aufmerksame Verarbeitung zwingend erforderlich. Eine auffällige Gestaltung, z.B. mit animiertem Auftauchen auf der Seite und eine prominente Platzierung am oberen Seitenbereich sind elementar wichtig, damit die Einladung nicht ignoriert wird. Dabei wird aber im Gegensatz zum Pop-Up-Layer die eigentliche Seitenverarbeitung nicht gestört, eine mehrmalige Darbietung und die spätere Teilnahme zum „Wunschzeitpunkt“ möglich. Wichtigstes Argument pro Slide-In ist aber der ausbleibende Effekt auf das Antwortverhalten. Der Einsatz empfiehlt sich entsprechend besonders dann, wenn eine Einschätzung oder eine Bewertung des Gesehenen vorgenommen werden soll und sich alternative Verfahren wie MEMO nicht anbieten.

Die eResult GmbH wird sich auch in Zukunft der Weiterentwicklung dieses vielversprechenden Ansatzes widmen und die Voraussetzungen für den praktischen Einsatz schaffen. Seien Sie gespannt auf die weiteren Entwicklungen und verfolgen Sie diese hier im Blog.

2 Gedanken zu „Onsite-Befragungen: Mehr Datenqualität beim Einsatz von Slide-in Layern

  1. Dave Mayermann

    Das hört sich wirklich interessant an. Jedoch habe ich für mich den SlideIn-Ansatz abgeschrieben.

    Ich habe damit keine Erfolge verzeichnen können, da es einfach zu unauffällig war und es oftmals ignoriert wurde.

    Viele Grüße, DaveM

    Antworten
  2. Florian Thirolf

    Hallo Herr Mayermann,

    vielen Dank für den Kommentar. Tatsächlich sehe ich an dieser Stelle auch einen kritischen Erfolgsfaktor: Um zu verhindern, dass dass Slide-in durch eine schnelle Scroll-Bewegung nach unten aus dem wahrgenommenen Bereich rutscht, schwebt mit eine fixierte Platzierung vor, d.h. die Einladung wäre weiterhin präsent, ohne die Seitenverarbeitung zu stören. Eine aufmerksamkeitsstarke Gestaltung täte ihr Übriges.

    Konnten Sie hierzu auch schon Erfahrungswerte sammeln? Ich bin gespannt auf Ihre Erfahrungsberichte!

    Freundliche Grüße
    Florian Thirolf

    Antworten

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