Agile Optmierung der User Experience – (K)eine Definitionssache?

flexibility

Alle reden von agiler Usability, von agilem User Centered Design oder von agilen Designprozessen. Warum ist das eigentlich so? Und noch viel wichtiger: Was ist eigentlich „agile Usability“? Und: Gibt es ein Gegenteil von agiler Usability?

Grund genug, sich dieser Thematik einmal in einer Beitragreihe zu widmen. In diesem ersten Teil geht es dabei zunächst darum, was agile Usabiltiy-Methoden eigentlich ausmacht und warum man „agile Usability“ nicht definieren kann.

Der „Hype“ um agile Usability-Optimierung – Warum eigentlich?

Viele Unternehmen greifen bei der Software- und Produktentwicklung mittlerweise auf agile Entwicklungsmethoden zurück. Ziel hierbei ist es, Entwicklungsprozesse zu schaffen, die möglichst schlank gehalten sind und dabei flexibel auf neue Anforderungen reagieren können. Viele Projekte, vor allem in der Softwareentwicklung greifen z. B. auf Scrum zurück. Kerninhalt von Scrum ist die iterative und inkrementelle Produktentwicklung.

Scrum agile process

Agile Entwicklung mit Scrum: Iterative Entwicklungszyklen ermöglichen frühe „Small Releases“ einer Anwendung; Anforderungen werden flexibel im Prozess angepasst.

Und hier kommt die Usability-Optimierung ins Spiel: Agiles Vorgehen in der Entwicklung von Applikationen sei es Software, Websites oder mobile Applikationen – ist nämlich unter dem Aspekt des User Centered Design von großem Vorteil: Iterative Anpassungen und regelmäßige Akzeptanztests sind hier ohnehin die Regel. Ziel ist hier vorwiegend, funktionierende Anwendungen zu generieren, mit denen der Nutzer zufrieden ist. Warum aber nicht auch User Experience-Expertise einbeziehen, um Anwendungen zu schaffen, die aufgrund ihres Designs, der Funktionalität und der Interaktion eine sehr gute User Experience bieten und den Nutzer begeistern?

Dass Usability bzw. User Experience und agile Entwicklung unter bestimmten Voraussetzungen gut zusammenpassen, wurde hier an anderer Stelle bereits ausführlich diskutiert. Doch vor der Überlegung, wie diese Zusammenarbeit im konkreten Fall aussehen kann, sollten Sie sich zuerst fragen:

Sind agile Methoden der Usability-Optimierung etwas völlig anderes als „klassische“ Methoden? Sind sie vielleicht sogar deren Gegenteil?

Die Antwort auf diese Fragen ist eindeutig: Nein!

Agile Usability-Optimierung sollte in keinem Fall als eine einzige Methode verstanden werden, deren Vorgehensweise man klar definieren kann – das an sich würde ja schon dem agilen Charakter widersprechen. Vielmehr geht es um die Art der Herangehensweise– also die flexible Anpassung bestehender Usability-Methoden an die jeweiligen Anforderungen. Im konkreten Fall also an die Art der Produktentwicklung des Entwicklerteams, mit dem man arbeitet.

Im Fokus: Die Nutzer

Ziel sollte es also sein, Methoden so zu flexibel anzupassen, dass sie im Hinblick auf Optimierung der User Experience und Usability das bestmögliche Ergebnis für die Verbesserung des Produktes liefern – und zwar unter Einbeziehung der Arbeitsweise der Entwickler. Wie dies im Einzelfall konkret aussieht, ist unterschiedlich.

Im Fokus der Optimierung stehen jedoch immer die Nutzer sowie deren Anforderungen an eine Anwendung. Daher stellen agile Usability Methoden auch keinesfalls das Gegenteil „klassischer“ Methoden dar; sondern vielmehr eine Facette derer.

Wann und mit wem?

Im Grunde können alle Methoden, die der Optimierung der User Experience und der Usability dienen in „agiler Form“ zum Einsatz kommen und dies sowohl

  • … als kontinuierliche Begleitung eines agilen Entwicklungsprozesses als auch
  • … im Rahmen eines punktuellen Einsatzes zu einem bestimmten Zeitpunkt des Prozesses.

Eine Einbeziehung dieser Methoden erfordert zudem nicht zwingend die Zusammenarbeit mit einem Entwicklerteam, das mit Scrum arbeitet – auch in der Beratung von User Experience Abteilungen können diese Methoden zum Einsatz kommen, wenn bestimmte Voraussetzungen in der Kommunikation, dem Entwicklungsprozess und der Zusammenarbeit gegeben sind. Wie dies z. B. konkret aussehen kann und Voraussetzungen hierfür notwendig sind, darauf werde ich in meinen kommenden Beiträgen noch weiter eingehen.

Zunächst interessiert mich allerdings: Wie verstehen Sie „agile Usability/User Experience Optimierung?“ Haben Sie bereits Erfahrungen mit dieser Art der Evaluation gesammelt? Ich freue m ich auf Ihre Kommentare!

3 Gedanken zu „Agile Optmierung der User Experience – (K)eine Definitionssache?

  1. Doth

    Agile Software heißt für mich:
    Es zu muss zunächst eine grundlegende Basis geschafft werden, bei der nicht das Problem besteht, dass bei der Planung eines neuen Features alles umgebaut werden muss. Es sollte bei einer neuen Option an einem Objekt auch nicht den Rahmen gesprengt werden, so dass der Benutzer, die Optionen, erst suchen muss, weil sie unter einen neuen Button versteckt ist. Man sollte vorher überlegen wie groß das Spektrum an Funktionalitäten werden kann und ein geeignetes Fundament erschaffen. Dies kann durch Generalisierung und Ähnlichkeitserkennung der Funktionalitäten und vorkommenden Objekten erfolgen.

    Man muss sich zum Beispiel fragen „Was kann später mit einem Feature ergänzt werden?“, „Erfüllt Feature A nicht eine ähnliche Funktion von Feature B?“ und „Wie kann ich dies zusammenfassen?“.

    Die Zuweisung der Funktionen in die Navigation muss objektbezogen durchgeführt werden. Es sollte analysiert werden was es für Objekte in der Software gibt und auf diesen eine Navigation aufbauen.
    Wenn dieser Grundstein gelegt ist, können spätere Features nach einem Platzierungsplan schnell und einfach zugeordnet werden.

    Antworten
  2. Doth

    Ich meinte natürlich „Agile Usability“ und nicht „Agile Software“ 😉 Bearbeitungsfunktion in den Kommentaren wäre schön!

    Antworten
  3. Pingback: Wege aus der „Featureitis“ – Anforderungen agil analysieren! | usabilityblog

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.