Digital Natives Studie: Die Ansprüche an Webseiten und deren Inhalte steigen

Im letzten Beitrag über die eResult Digital Natives Studie, die das Surfverhalten Jugendlicher und junger Erwachsener zwischen 12 und 25 Jahren im Vergleich zu einer älteren Gruppe untersucht hat, ging es darum, welches die Lieblingsseiten beider Gruppen sind.
Nun sollen die Ansprüche und Erwartungen der Digital Natives an Webseiten und deren Inhalte im Vordergrund stehen. Auch dabei findet wieder der Vergleich zu den 35 bis 45jährigen statt.
Klar zeigt sich: Die Ansprüche der Digital Natives an Webseiten sind höher, die Geduld bei der Suche ist dagegen im Schnitt geringer als in der Vergleichsgruppe.
Wenn die Jugendlichen einen gesuchten Inhalt auf einer Seite nicht sofort finden, wechseln sie schneller zu einem anderen Angebot als die Vertreter der älteren Gruppe.

Geduld bei der Suche

Abbildung: Geduld bei der Suche

Die steigenden Ansprüche zeigen sich aber auch in der Bewertung einzelner Inhaltstypen wie Bildern, Videos und Austauschmöglichkeiten, die mittels einer KANO-Analyse untersucht wurden.
Wenn es um Fotos bzw. Bilder geht, herrscht bei den Gruppen zwar noch Einigkeit – diese müssen auf Informationsseiten einfach vorhanden sein, sonst herrscht Unzufriedenheit.
Unterschiede sind jedoch schon bei Austauschmöglichkeiten mit anderen Nutzern zu erkennen. Diese erhöhen in beiden Gruppen die Zufriedenheit der Nutzer, je besser sie umgesetzt sind. Besonders die ältere Gruppe vermisst diese Möglichkeiten aber (noch) nicht, sollten sie nicht vorhanden sein.
Und auch bei Videos lässt sich eine höhere Erwartungshaltung der jüngeren Gruppe feststellen, selbst wenn beiden Gruppen sich durch Videos bisher eher begeistern lassen und noch bereit sind, darauf zu verzichten.

Was bedeuten diese Ergebnisse nun für die Praxis?
Zunächst einmal darf man keinesfalls annehmen, dass der natürliche, unbefangene Umgang der Digital Natives mit Webangeboten sie toleranter gegenüber Schwächen der Oberflächen werden lässt.
Vielmehr sollten Jugendliche als die anspruchsvollste Zielgruppe hinsichtlich Design, Usability und Seiteninhalten verstanden werden. Entsprechend sinnvoll ist ein zielgruppenspezifisches User Centered Design, durch welches sichergestellt wird, dass das eigene Angebot keine Schwächen in diesen Bereichen aufweist.
Denn mehr denn je gilt bei der Konzeption für diese Gruppe: Die Konkurrenz ist nur einen Klick entfernt!

Haben Sie Interesse an weiteren Erkenntnissen der Studie? Hier geht es zum Forschungsbeitrag zur Digital Natives Studie.

3 Gedanken zu „Digital Natives Studie: Die Ansprüche an Webseiten und deren Inhalte steigen

  1. Hendrik Neumann

    Kann es sein, dass in der aktuellen Version der Grafik etwas durcheinander geraten ist? Die Aussagen der Grafik und des Textes widersprechen sich.

    Antworten
  2. Johanna Möller Beitragsautor

    Vielen Dank für den Hinweis. Ich kann nachvollziehen, dass die beiden Grafiken ggf. zunächst verwirrend wirken. Es ist so, dass sich der Text primär auf die zweite Aussage der Grafik bezieht. Diese macht deutlich, dass die jüngere Gruppe tatsächlich weniger Geduld besitzt als die ältere. Dass die erste Aussage das nicht zusätzlich unterstreicht intepretiere ich so, dass sich die ältere Gruppe selbst als kritischer und anspruchsvoller einschätzt – aber eben letztendlich nicht danach handelt.
    Bisherige Beobachtungen aus Tests unterstützen dieses – je älter die Probanden, desto eher schreiben sie Schwierigkeiten und Misserfolge sich selbst und nicht dem Interfacedesign zu und bleiben entsprechend länger „am Ball“, um doch noch zum Ziel zu kommen.

    Antworten
  3. holger maassen

    Besten Dank wieder einmal für diesen Beitrag – jedoch sind die Ergebnisse so überraschend? Ich denke für die Unternehmen die …
    Nutzererfahrungen und Nutzererwartungen (user experience + expectation)
    Situative -, Inhalts- und Funktionalrelevant planen sprich die Nützlichkeit und Benutzungsfreundlichkeit (utility + usability)
    nicht nur auf den Fahnen und Lippen tragen sondern sie wirklich planen, gestalten und testen – in dem diese Mandanten sich entsprechenden Beratern aus der Planung und Testing anvertrauen und diesen auch wirklich trauen – wissen dies.
    Jedoch wird nach wie vor Produkt und Enterprise getrieben agiert als dass in einer Welt, in der wir nun mal leben und die immer schneller und extremer wird, sich vom Produkt und Enterprise als primären Schritt zu lösen und über Bedürfnissorientiertheit die Unternehmensziele, die Kommunikationsziele und die Produktvermarktung zu erreichen.
    Und dazu muß man sich die Sichtweise der Nutzer als Leitlinie legen und eine Weile in deren Schuhen wandeln.
    http://ux4dotcom.blogspot.com/2010/08/walk-while-in-someone-elses-shoes.html

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *