Relaunch der Bremer Touristik Zentrale

Bremen

Aufgrund einer kontrovers geführten Debatte auf Google+, möchte ich mich in diesem Beitrag dem Relaunch der Bremer Touristik Zentrale (BTZ) widmen. Die BTZ ist die Tourismusförderung Bremens und damit Anlaufstelle für Bremen Gäste. Zusätzlich bietet die BTZ die Buchung von Unterkünften, Führungen, etc. an.

Navigation
Zunächst kann angemerkt werden, dass die Seite sehr modern wirkt und vom Design her in seiner Ästhetik punktet. Auch wenn die verschnörkelten Überschriften gewöhnungsbedürftig sind. Die Hauptnavigation ist klar erkennbar. Einziger Kritikpunkt beim Einstieg in die Seite könnten die Bezeichnungen der Reiter sein. Generische Begriffe wie „Bremen auf einen Blick“ oder „Lust auf Bremen“ wirken austauschbar und wenig zielführend. Aus User Experience Sicht kann die zentral angelegte und interaktive „Bremer Weltkugel“ positiv erwähnt werden. Diese dreht sich je nachdem, welches Oberthema man auswählt.

Bremer Weltkugel

Suche
Die Seite offeriert eine Suchmaske, in die beliebige Begriffe eingetragen werden können. Die erzielten Treffer waren bei meinem Test bei mehreren Versuchen überzeugend, was auf ein breites Content-Spektrum der Seite schließen lässt. Die Trefferliste ist dabei in verschiedene Kategorien unterteilt. Diese Unterteilung ist einerseits übersichtlicher, andererseits wird auch hier nicht ersichtlich, was sich hinter den Begriffen „Reisen“ oder „Infos“ genau verbergen soll.

Suche

Karte
Neben der Suche kann die Erkundung Bremens mittels einer interaktiven Karte vorgenommen werden. Diese Integration ist äußerst gelungen. Die Bedienbarkeit der Karte erschließt sich unmittelbar. Auch aufgrund der Google Maps Api, durch die die Grundfunktionalitäten beinahe jedem Nutzer vertraut sein dürften.

Karte

Mobile Nutzung
Die gesamte Seite ist in einem responsiven Design angelegt, so dass sie sich dynamisch der Ausgabegröße anpasst. In Zeiten mobiler Endgeräte mit unterschiedlichen Auflösungen eigentlich schon fast ein Muss. Kritisch muss in diesem Zusammenhang allerdings angemerkt werden, dass zwar die Hauptreiter erkennbar und groß sind, aber gerade der Text auf einem Smartphone kaum noch lesbar ist. Hier wäre der Versatz der Spalten von einer horizontalen zu einer vertikalen Anordnung sinnvoll gewesen.

Buchung
Der erste Auswahlprozess ist sehr übersichtlich gestaltet und kann nach diversen Kriterien eingeschränkt werden. Es besteht die Option, das Hotel in der Karte anzeigen zu lassen, usw. Dann aber öffnet sich bei einem konkreten Buchungswunsch ein Overlay, welches doch sehr zu wünschen übrig lässt und noch dazu überhaupt nicht ins Corporate Design passt. Angefangen von den Bezeichnungen: Man legt die „Leistung“ Hotel in den Warenkorb (dies wurde bereits in unserer Diskussion auf Google+ kritisch angemerkt). Weiter fehlen zentrale Elemente im Bereich der Nutzerzentrierung: Eingeführt wird der Nutzer mit einer Seite, in der eine Top Navigation dazu einlädt „Pauschalangebote“ auszusuchen, oder sich im Menüpunkt „über uns“ zu informieren. Diese Navigation halte ich mitten im Buchungsprozess für absolut unpassend. Um nun mit der Buchung fortzufahren, kann man zwischen drei identisch aussehenden Feldern wählen. Zwei davon tragen die kryptischen Beschriftungen „Neue Seite“ und „Ergebnisliste“. Zu allem Überfluss ist der Button „Zur Buchung“ auf der linken Seite positioniert. Ein Button weiter unten trägt die Aufschrift „Jetzt buchen“, ist aber scheinbar nicht anwählbar. Des Weiteren fehlen eine Fortschrittsanzeige sowie ein einheitlicher „zurück“ Button.

Buchungsmaske

Fazit
Insgesamt sind sehr viele Informationen auf der Seite vorhanden und diese werden durch die Kombination aus Suche, Karte, Menü und interaktiver Bremer Weltkugel auch gut auffindbar gemacht.

Der Buchungsprozess ist ab dem Wechsel zum Overlay allerdings katastrophal und sollte dringend überarbeitet werden.

Fraglich ist aber ohnehin, ob Destination Management Organisationen (DMOs) auch künftig ihren Fokus auf den Vertrieb legen sollten. In einem Konferenzbeitrag habe ich mögliche neue Aufgaben kürzlich gemeinsam mit meinem Co-Autor Alexander Schuler thematisiert. Nach unserer Auffassung werden dabei DMOs in Zukunft sehr viel Stärker als Wissensmanager und Moderator innerhalb der eigenen Region sowie in der Kommunikation nach Außen gebraucht werden. Was der Seite der Bremer Touristik Zentrale also neben einer konkurrenzfähigen Buchungsmöglichkeit fehlt, ist die Integration von digitalen Serviceleistungen, die über die Informationen der eigenen Seite hinausgehen. Denn in Zeiten des Social Webs sollte klar sein: Je stärker die virtuelle Vernetzung der Destination mit ihren Gästen ist, desto wahrscheinlicher ist das Empfehlungsmarketing durch ein positives Word-of-Mouth. Hierzu ist eine integrierte Strategie notwendig, die sich von klassischen Konzepten differenziert. Der allgäuer Ferienort Bad Hindelang setzt übrigens in diesem Bereich mit der Integration einer digitalen Gästeinformation Maßstäbe.

6 Gedanken zu „Relaunch der Bremer Touristik Zentrale

  1. Ralf

    Nach Definition von Wikipedia ist die Seite nicht responsiv. Sie passt sich lediglich der Breite an, wobei der Werbebanner rechts auf dem iPhone wertvollen Raum verschwendet.

    Es scheinen weder ein Designer noch ein Webentwickler involviert gewesen zu sein. Die Seite wirkt vorne und hinten unruhig und überladen, wobei ich am wenigsten die 100 kb Scripts auf jeder Seite nachvollziehen kann. So bringt es bereits die Startseite ohne Grafiken und übermäßig viel Inhalt auf knapp 200 kb. Die Kategorisierung ist ebenso schwer.

    Weniger wäre mehr!

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  2. Ralf

    Hallo Eric, ich wollte mich jetzt nicht an der Responsivität aufhängen. Verschiedene Versionen einer Website sind ohnehin überflüssig, wenn die Website gut gemacht ist.

    HTML5 sagt ja erstmal (im Grunde gar) nichts über die Erscheinung einer Seite aus. Vielmehr über das Verhalten im semantischen Web und die Möglichkeit, ohne weitere Browser-Plugins zu surfen. So kann man Header und Footer bspw. über die entsprechenden Tags abgrenzen. Ein toller Effekt ist auch, dass das iPad sein Tastaturlayout je nach Formularfeld-Typ wechselt (email, search, number,…). http://de.wikipedia.org/wiki/HTML5

    Die Seite verwendet zwar die HTML5-Deklaration, aber keinen einzigen Tag, der die Benutzung bereichern würde. Gute Tipps wären YSlow, Google Page Speed und der W3C Validator (vom Kommunikationsdesigner mal abgesehen ;-). http://validator.w3.org/

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  3. Eric Horster

    Volle Zustimmung, Ralf! Ich verstehe den ganzen Hype um mobile Seiten auch nicht. Und die BTZ hat das offensichtlich auch nicht in Betracht gezogen. Die großen Button im Hauptmenü zeigen dort, dass man Mobile zwar mit, aber nicht bis zum Ende gedacht hat (passend dazu auch Deine Kritik zum rechten Rand).

    Deshalb auch mein Hinweis auf HTML5. Denn damit schafft man ja die Basis dafür, dass man ein und die selbe Seite auf unterschiedlichsten Endgeräten nutzen kann…

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  4. Ralf

    Absolut. Der Ansatz, nur eine Version einer Website zu entwickeln, ist der bessere. Liquid Design und große Buttons funktionieren nicht nur auf dem iPhone gut.

    HTML5 schafft die Basis für native Rich Media Websites und für eine bessere, selbstbeschreibende Strukturierung der Inhalte, die (Such-)Maschinen auswerten. Es ist, wenn auch empfehlenswert, keine Voraussetzung für mobile Endgeräte und ein Buzzword im Marketing.

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  5. Pingback: Relaunch bei der Bremer Touristik Zentrale (BTZ) | Eric Horster

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