Wussten Sie, dass die DATEV eine der größten Abteilungen für User Experience innerhalb Deutschlands hat? Ulf Schubert bietet uns Einblicke…

Ich war mehr als positiv überrascht, als ich Ende 2011 auf dem UX Stammtisch Franken erfuhr welchen Stellenwert das Thema „User Experience“ bei der DATEV eG hat.

Begeistert von der Motivation stets den Anwender in den Mittelpunkt aller Entwicklungen zu stellen, und von der systematischen Integration von Usability-Standards in den Entwicklungs- und Qualitätssicherungsprozess.

Die Relevanz des Themas Usability bei der DATEV eG zeigt sich nicht zuletzt an der Anzahl an Mitarbeitern/-innen der User Experience Abteilung: Mehr als ein Dutzend Mitarbeiter/-innen widmen sich in der DATEV der nutzergerechten Anwendungskonzeption, Evaluation und stetigen Optimierung.

Grund genug mit Ulf Schubert, Teamleiter der UX Design und Standards, über die organisatorische Verankerung seiner Abteilung, die „User Centered Design“ Philosophie der DATEV eG und das Thema Produktinnovationen zu sprechen.
Zudem widmen wir uns im folgenden Interview der Frage: Wann lohnt sich für Unternehmen ein eigenes (Inhouse betriebenes) Usability-Lab?

User Centered Design – darunter wird viel verstanden und zusammengefasst. Was bedeutet User Centered Design für Dich und wie ist UCD bei der DATEV organisatorisch verankert?

User Centered Design oder anwenderorientierte Entwicklung ist für mich zum einen eine Designphilosophie bei der die Bedürfnisse und Erwartungen der Zielgruppe in den Mittelpunkt gestellt werden. Hauptziel dieser Designphilosophie ist die Erfolgsmaximierung eines Produktes oder einer Dienstleistung. Zum anderen ist UCD für mich ein Methodenbaukasten, der zahlreiche Möglichkeiten bietet die aktuellen oder zukünftigen Anwender in die Produktentwicklung einzubeziehen.

Darüber hinaus bildet UCD für mich einen wichtigen Baustein im Innovationsmanagement – Stichwort User Centered Innovation.

Bei DATEV spielt die anwenderorientierte Entwicklung eine bedeutende Rolle. DATEV ist eine Genossenschaft und arbeitet daher schon immer anwenderorientiert. Die DATEV-Mitglieder werden über verschiedene Wege in die Produktentwicklung eingebunden, z.B. über den DATEV Vertreterrat.

In den letzten Jahren wurden zusätzlich UCD-Methoden eingeführt, um die Anwender noch früher und intensiver in die Produktentwicklung einbeziehen zu können. Um die zahlreichen Chancen und Möglichkeiten von UCD zu nutzen, gibt es bei DATEV ein zentrales User Experience Design Team.

Wer sich ein wenig mit der DATEV näher beschäftigt, erkennt schnell, dass es sich um ein sich selbst stetig weiterentwickelndes Unternehmen handelt. Immer ausgerichtet an den sich ändernden Bedürfnissen der Kunden.

Wie gelingt es euch User Centered Design mit User Centered Innovation zu verbinden?

Im Bereich der Weiterentwicklung gelingt dies beispielsweise über die Verknüpfung von Anwenderfeedback und UCD-Methoden. Bemerken wir, beispielsweise über vermehrte Anwenderwünsche zu einem bestimmten Thema, dass wir Verbesserungspotential haben, dann setzen wir UCD-Methoden ein, um dieses Potential zu nutzen.

Wenn es darum geht, ganz neue Ideen für die Neuentwicklung zu generieren, setzt DATEV beispielsweise auf Lead User Workshops, Trendscouts und Anwenderausschüsse.

Über welche Kanäle holt ihr euch Ideen für Neu- und Weiterentwicklungen?

Eigentlich fokussieren wir uns nicht auf bestimmte Kanäle. Wir nutzen alle Kanäle, auf denen unsere Kunden und Anwender mit uns sprechen wollen.

Nach jedem Austausch mit Nutzern und Kunden, sei es nun in Tests oder Fokusgruppen, gibt es sicher eine Reihe neuer Ideen und Ergebnisse – Wie werden diese in den Entwicklungsprozess eingebracht und möglichst schnell umgesetzt?

Das stimmt. Und weil das so ist, ist es bei DATEV Usus, dass bei UCD-Studien immer das ganze oder zumindest ein zentraler Teil des Entwicklungsteams dabei ist. Dadurch können bereits während der Studie bzw. kurz danach Ideen und entsprechende Maßnahmen diskutiert werden.

Ergänzend dazu werden die Ergebnisse aus Usability Tests und Fokusgruppen häufig noch in so genannten Ergebnis-Workshops vertieft. Wir verzichten dabei auf eine Präsentation eines Studienberichtes und greifen uns stattdessen einzelne zentrale Erkenntnisse und Themen heraus. Für diese werden dann von DATEV Fachabteilung, zentralem UX Design Team und Dienstleister gemeinsam Ideen und Lösungsvorschläge erarbeitet. In der Regel werden diese Ergebnis-Workshops von dem Dienstleister moderiert, der auch die UCD-Studie durchgeführt hat.

Schauen wir ein wenig in die Zukunft. 2012.
Vor welchen Herausforderungen stehst Du in diesem Jahr: Werdet ihr neue Methoden ausprobieren, Prozesse verändern oder bleibt “alles beim Alten”?

Die Herausforderungen im Bereich Produktgestaltung im Jahr 2012 sind für mich die rasante Zunahme der Gerätevielfalt im privaten und geschäftlichen Umfeld, die wachsende Bedeutung der visuellen und interaktiven Produktgestaltung als Differenzierungsmerkmal, sowie die Nutzung von Analytics-Daten zur kontextbezogenen Produktgestaltung.

Im Bereich User Centered Design erwarte ich, dass verstärkt Online-Verfahren zum Einsatz kommen. Nach vielversprechenden Pilotstudien im letzten Jahr werden wie beispielsweise verstärkt auf Online-Fokusgruppen setzen.

Wie bewertest Du die aktuelle Entwicklung des “Insourcing” von
Usability-Tests? Wir beobachten, dass es eine steigende Anzahl an Unternehmen gibt, die Usability-Tests intern selbst durchführen.

Wie stehst Du zu dieser Entwicklung, welche Chance und Risiken siehst Du, und ist das auch eine Entwicklung, die bei euch ansteht?

Aus meiner Sicht ist es für Unternehmen im digitalen Umfeld sehr sinnvoll eigenes Know-How und Personal im Bereich User Experience und User Centered Design aufzubauen. Ob diese Mitarbeiter dann auch Usability-Tests durchführen sollten, hängt für mich in erster Linie davon ab, wie stark sie in den Entwicklungsprozess involviert sind. Je stärker sie an der Gestaltung mitarbeiten, um so weniger können sie sinnvolle Usability-Tests durchführen.

Der Aufbau eines eigenen Usability-Labs ist aus meiner Sicht nur unter bestimmten Voraussetzung sinnvoll. Wir setzen bewusst auf externe Dienstleister, da wir hier sicher sein können, dass die eingesetzten Methoden und Techniken immer dem aktuellen Stand der Forschung entsprechen, sowie die Mitarbeiter Experten auf dem Gebiet UCD sind. Dadurch, dass diese Experten Studien für zahlreiche Kunden durchführen, bekommen wir wertvolle Hinweise, die über unseren eigenen Tellerrand hinausgehen.

Außerdem macht es für uns wenig Sinn nur an einem Ort testen zu können. Da die DATEV-Mitglieder und -Anwender über das gesamte Bundesgebiet verteilt sind, können wir mit einem externen Dienstleister an den Orten testen an denen die meisten Testpersonen zu einem bestimmten Thema zu finden sind. Das bedeutet für die Testpersonen kürzere Anreisewege und für uns eine bessere Rekrutierungsqualität.

Ein unternehmensinternes Usability Lab nach aktuellem Forschungsstand und mit geschultem Usability-Personal rentiert sich aus meiner Sicht nur dann, wenn

  • im Monat min. 3 bis 4 UCD-Studien durchgeführt werden,
  • die Usability-Dienstleistung im Unternehmen so verrechnet wird, dass das Usability-Lab immer auf dem neusten Stand gehalten werden kann,
  • sich die Mitarbeiter des Usability-Labs regelmäßig weiterbilden können,
  • die Rekrutierung von Testpersonen über ein unternehmensinternes Call-Center abgewickelt werden kann und
  • potentielle Testpersonen im Umkreis von ca. 30 min Fahrstrecke um das Usability-Lab in ausreichender Anzahl vorhanden sind.

Vielen Dank für ein tolles Interview.

Ich bin mir sicher, dass Du vielen unserer Leser wertvolle Anregungen mit auf den Weg geben konntest – und zugleich auch Werbung für die DATEV eG als attraktiven Arbeitgeber für Usability-Professionals machen konntest.

Ich freue mich sehr, dass Du auch weiterhin bei Usabilityblog.de als Autor tätig sein willst. Es gibt sicherlich zahlreiche Themen über die Du berichten und schreiben kannst.

Daten & Fakten zur DATEV eG im Überblick:

  • Genossenschaft mit ca. 40.000 Mitgliedern
  • Mehr als 6.000 Mitarbeitern und ca. 700 Mio. EUR Jahresumsatz
  • Softwarehaus und IT-Dienstleister für Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte sowie deren Mandanten
  • 200 Produkte – von Cloud-Dienste wie Online-Anwendungen und Desktop-Anwendungen z.B. aus den Bereichen Lohn, Steuern und Rechnungswesen bis hin zu Outsourcingleistungen sowie Sicherheitsdienstleistungen.
  • Wussten Sie schon?
  • DATEV erstellt Gehaltsabrechnungen für rund 10 Mio. Arbeitnehmer pro Monat.
    Weiter Details finden Sie unter: www.datev.de.
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