Eine Seite reicht – Wow-Effekte mittels One-Page-Websites

Was braucht man zur Verbesserung des Markenimages? Nur eine Seite!
OK, das ist etwas übertrieben. Dennoch trifft es den Kern von One-Page-Seiten ganz gut. Sie stellen auf einer Seite ein sehr begrenztes Thema dar. Mit einfachen Mitteln versucht man zu begeistern und so einen positiven Eindruck beim User zu hinterlassen. Durch den Verzicht auf ablenkende Inhalte ist garantiert, dass die Aussage der Website den User erreicht. Meist mit schönen Bildern und Animationen sollen die Inhalte präsentiert werden. Es ist schon fast kein Trend mehr, denn immer häufiger werden solche Websites genutzt, vor allem für Produktvorstellungen oder Werbekampagnen.

Worin liegen die Stärken?

Was diese Seitenart auszeichnet ist, richtig umgesetzt, die Einfachheit in der Bedienung. Der User muss nicht über mehrere Ebenen navigieren, die ständige Orientierung fällt weg, wodurch er die Inhalte der Seite bewusster wahrnehmen kann. Gleichzeitig hat er die volle Kontrolle über die Geschwindigkeit, mit der die Informationen auf ihn einströmen, im Gegensatz zu vielen anderen dynamischen Techniken.

Viele Websites enthalten auf Informationsseiten Navigationselemente und Inhalte, die nichts mit dem eigentlichen Thema der aktuell dargestellten Informationen zu tun haben. Dies kann immer dazu führen, dass der User aufgrund interessanterer Inhalte sein ursprüngliches Ziel aus den Augen verliert. Auf One-Page-Seiten kann dies nicht passieren, da nur Informationen zu einem Thema dargestellt werden. Daraus ergibt sich auch die Eignung als Landingpage für Kampagnen, Adwords-Anzeigen oder ähnliches.

Die Aufmerksamkeit hoch halten und den Wiedererkennungswert steigern

Einen besonderen Stellwert bei One-Page-Seiten hat die gestalterische Darstellung der Informationen. Um den User emotional zu aktivieren, muss sie sich von anderen Websites deutlich unterscheiden. Wird beispielsweise ein Produkt vorgestellt, soll der User gefesselt, förmlich in eine Geschichte reingezogen werden. Nur so heben Sie sich von der Konkurrenz ab.

Für die Darstellung der Bilderwelten wird oft die Technik Parallax Scrolling verwendet. Nähere Informationen dazu hier. Mir kommt es immer so vor, als schau ich mir ein super gemachtes Daumenkino an.

Aber Beispiele sagen mehr als tausend Worte:

Was gilt es zu berücksichtigen?

Zentrales Element von One-Page-Seiten, und der Technik Parallax Scrolling, ist die Navigation durch Scrollen. Der Nutzer muss animiert werden zu scrollen. Wer nicht scrollt, nimmt die weiteren Inhalte nicht wahr. Dementsprechend deutlich sollte ein Hinweis zum Scrollen integriert sein.
Die aktuelle Seite vom VW Beetle ist dabei sicherlich ein Extrembeispiel:

www.beetle.de

Das richtige Navigationskonzept

Oft sind One-Page-Seiten sehr lang, da es keine Unterseiten gibt, sondern alle Informationen auf einer Seite untereinander platziert werden. Abhängig von den präsentierten Inhalten sind zusätzliche Navigationsmöglichkeiten nicht generell abzulehnen. So deutlich der Hinweis zum Scrollen sein muss, so verständlich muss auch das restliche Navigationskonzept sein. Ohne intuitive Bedienung geht die Einfachheit verloren, die Begeisterung ebenfalls. Testen Sie deshalb Ihr Konzept, bevor die Seite live geht!

Eine mögliche Lösung: Sprungmarken zu den einzelnen Informationen auf der Seite anbieten, per ständig eingeblendeter Navigationsleiste (siehe: http://activatedrinks.com ). Es ist aber darauf zu achten, wann und wie diese eingeblendet wird. Unter Umständen navigieren die Nutzer dann nur noch über jenes Navigationsmenü, da dies dem gewohnten Verhalten entspricht. Das Erlebnis mittels Scrollen geht verloren, die Wirksamkeit der Seite sinkt.

Im Rahmen unseres Eyetracking-Bus werden wir deshalb die Navigationskonzepte von einigen One-Page-Seiten testen. Wir möchten klären:

  • Wie stark sollte der Scrollhinweis sein?
  • Wird das jeweilige Navigationskonzept verstanden?
  • Wie werden diese Seiten bewertet?

Die Erkenntnisse präsentieren wir dann Anfang April, hier auf usabilityblog.de .
Bleiben Sie uns also auf den Fersen!

Kennen Sie interessante Seiten, die es sich zu untersuchen lohnt?

7 Gedanken zu „Eine Seite reicht – Wow-Effekte mittels One-Page-Websites

  1. Nüm

    Eine vernünftige One-Page-Website zu machen ist erheblich schwieriger als eine gute „normale“ (zumindest so wie ich es sehe). Von daher weiß ich nicht, ob es sich lohnt, eine solche zu machen. Vielleicht wie Nike um neue Produkte vorzustellen, aber ansonsten lohnt es sich finde ich nicht.

    Antworten
  2. Tobias Karsch Beitragsautor

    Vielen Dank für diesen Blickwinkel.
    Der Aspekt des Aufwands ist natürlich immer ein Punkt, der berücksichtigt werden muss. Bei einer guten One-Page steigt aber nicht nur der Aufwand, sondern auch der Ertrag.
    Allein durch die Andersartigkeit hebt sich eine gute! One-Page von üblichen Websites ab und aktiviert den Nutzer stärker. Das emotional aktivierende Kampagnen erfolgreicher sind, steht außer Frage.
    Zur Präsentation eines Abflussrohrs braucht man natürlich keine One-Page. 😉

    Diese Aspekte zeigen, dass diese Art von Websites kein Allheilmittel ist. Es hängt, wie meist, von der Zielstellung ab.

    Antworten
  3. Zinit Solutions GmbH

    Wir müssen aber gestehen, dass One-Page-Websites inhaltsarm sind, dafür aber sehr auffallend. Diese Tatsache unterscheidet sie krass von den gewöhnlichen Websites. Zweifellos haben diese einen Bombeneffekt für die User, deren schwache Seite verschiedene Computertricks ist. Deshalb dienen diese,sagen wir, Mini-Websites eher als Werbung und können,nach unserer Meinung, nur als Hilfsmittel zur Hauptwebsite bei der Kundenanlockung verwendet werden.

    Antworten
  4. Tobias Karsch Beitragsautor

    Definitiv ist die Aufgabe einer One-Page eher in der Werbung und emotionalen Aktivierung zu finden, als in der umfassenden Präsentation von Inhalten und langen Texten. Als Stand-Alone-Lösung sollte man One-Page-Seiten seltenst verwenden.

    Und wie Sie ansprechen: Nach dem Locken von Kunden, kommt das Halten auf einer Website oder das Weiterleiten.
    Ich kann die folgende Hypothese leider nicht mit einer Studie belegen, dennoch relativ logisch: Die Aktivierung durch einen Wow-Effekt steigert das anfängliche Interesse an den gebotenen Inhalten, was wiederum die Verweildauer auf weniger aufregenden Folgeseiten steigern dürfte, wenn diese nicht ein Mindestmaß an Qualität unterschreiten.

    Antworten
  5. Pingback: Monatsrückblick – Top Themen im Februar: One-Page Website, Bestellprozesse mobiler Online-Shops, Design im Wandel | usabilityblog

  6. Alex

    Sehr interessanter Beitrag. Haben auch vor wenigen Tagen unsere neue One Page veröffentlicht. Der hier schon beschriebene Wow-Effekt war auch bei uns das wichtigste Ziel! Allerdings ist es in der Tat sehr schwer lange Texte anschaulich auf solchen Seiten unterzubringen ohne eine Textwüste zu schaffen. Aus SEO-Sicht natürlich nicht sehr hilfreich… Auch, dass natürlich nur wenige Seiten von google indexiert werden können ist sicherlich nicht optimal.

    Wie so oft ist auch hier die Frage nach den Zielen, die mit der Seite erreicht werden sollen. Als Landingpages für Adwords-Kampagnen mit gut platzierter Call-to-Action sind diese Arten von Webseiten allerdings sehr gut geeignet! Unsere Seite ist übrigens unter http://www.designwargestern.de/ zu finden. Feedback wird dankbar aufgenommen!

    Antworten
  7. Pingback: Rückblick – Top-Themen im Dezember und im Jahre 2012 | Usabilityblog.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *