Nutzerorientierte Gestaltungsprozesse (UCD) – Beispiele aus der Praxis

Erst kürzlich haben wir uns bei eResult intern die Frage gestellt:
was ist eigentlich user centered design für uns?
In der Theorie ist es ein iteratives Vorgehen unter Einbeziehung von Nutzern, das mehrere Phasen durchläuft: 1. Analyse des Nutzungskontextes, 2. Definition der Anforderungen, 3. Konzeption und Entwurf/Prototyping, 4. Evaluation (siehe z. B. DIN EN ISO 9241-210).

In der Praxis läuft es jedoch meist aufgrund verschiedener Rahmenbedingungen (Zeit, Budget, mindset, Workflows, Zuständigkeiten,…) nicht immer mustergültig ab….

Mein Auffassung von UCD ist aufgrund dessen vielmehr eine der Fragestellung bzw. Zielsetzung entsprechende, sinnvolle Verzahnung von einzelnen Methoden, um die Entwicklung eines neuen Features bzw. die Optimierung einer bestehenden Applikation nutzerzentriert zu begleiten.

Pragmatisch gesagt: Ein user centered design-Prozess sind für nicht nur Relaunch- bzw. Redesign-Projekte. Anbei einmal einige Beispiele aus unserem Projektalltag, um dies mit Leben zu füllen:

1. Launch eines neuen Online-Shops

  • Ziel: die stationären Händler und den Shop bestmöglich zu verheiraten im Sinne des Multi Channel Retailing
  • Schritt 1: Erhebung der Anforderungen und Erwartungen der Bestandskunden (offline) als auch der anvisierten Neukunden (online) an einen solchen Online-Shop mittels Fokusgruppen
  • Schritt 2: Validierung bestimmter Anforderungen an gewisse Features / Inhalte sowie Klärung essentieller Wordings mithilfe einer Zielgruppenbefragung per Online-Panel
  • Schritt 3: Bildung von Personas – gemäß der erhobene Zielgruppenmerkmale – als Unterstützung im weiteren Gestaltungsprozess
  • Schritt 4: 2stufiger Klickdummy-Test von neuartigen, für herkömmliche Shops untypische/ neue Interaktionsprozesse
  • Schritt 5: Finale Evaluation der Shop-Betaversion mittels einem Usability-Test im Labor kurz vor dem Livegang

2. Bestimmung der optimalen Produktbebilderung für einen Online-Shop im Bereich Mode

  • Fragestellung: Wie müssen die Produkte fotografiert werden, um das Image positiv zu steigern, um sich vom Wettbewerb abzuheben und einen maximalen Umsatz zu erreichen?
  • Schritt 1: Auswahl und Bewertung der favorisierten Varianten mittels qualitativer Fokusgruppen (Gruppendiskussionen) – inkl. Wettbewerbsanalyse, um die tatsächlichen, detaillierten Hintergründe für die Entscheidungsfindung zu erfassen
  • Schritt 2: Online-Befragung von Bestandskunden und Wettbewerbskunden (potentiellen Neukunden), um die aus den Fokusgruppen ermittelten Ergebnisse noch einmal mit einer großen Stichprobe zu quantifizieren.
  • Schritt 3: A/B-Testing , um die tatsächlichen Umsatzeffekte gegen die aktuelle Bebilderungsvariante messen zu können. Warum erst jetzt? Weil die Produktion der Bilder für alle denkbaren Varianten als auch das A/B-Testing einen nicht vertretbaren Aufwand bedeutet hätte.

3. Optimierung eines Checkout-Prozesses für ein großes Verlagshaus

  • Ziel: Conversionoptimierung durch Etablierung eines multiplizierbaren Prozesses für mehrere Shops
  • Schritt 1: Expertenbasierte Evaluation unter Beachtung der vorliegenden Web Analytics-Daten als Ausgangsbasis für die Neukonzeption
  • Schritt 2: Nutzerbefragung zu bestehenden Anforderungen und Erwartungen an den spezifischen Kaufprozess (wie ist das mentale Modell?)
  • Schritt 3: mehrstufige Konzeption verschiedener, denkbarer Varianten mittels Wireframes
  • Schritt 4: mehrstufiger Klickdummy-Test mit Probanden aus den einzelnen Zielgruppen, um die beste und nutzerfreundlichste Variante zu ermitteln
  • Schritt 5: Begleitende Beratung bei der technischen und grafischen Umsetzung

Wie definieren Sie UCD?
Freue mich auf Ihre Sicht der Dinge und eine bestenfalls „heiße“ Diskussion zu diesem Thema.

3 Gedanken zu „Nutzerorientierte Gestaltungsprozesse (UCD) – Beispiele aus der Praxis

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