Durch die Spiegelwand: Testsettings für die Durchführung von Gruppendiskussionen

Meeting

Der so genannte „Einwegspiegel“ ist aus der Marktforschung nicht mehr wegzudenken. Vor allem bei Gruppendiskussionen ist dies die beste Möglichkeit, die Erhebung live und doch unbemerkt zu beobachten. Während sich bei Einzelinterviews (z. B. in Usability-Tests) eine reine Video- und Audioübertragung bewährt hat, sprechen bei Gruppendiskussionen einige Aspekte für die Spiegelwand:

  • Mimik und Gestik der einzelnen Probanden sind durch eine Spiegelwand besser zu erkennen, als bei einer Videoübertragung, die die gesamte Gruppe erfassen muss.
  • Es ist keine (auffällige) Kamerainstallation nötig.
  • Es sind mehrere Beobachter möglich, die die Gruppe nicht beeinflussen oder stören können.

Da die Spiegelwand jedoch nur eine der vier Seiten des Raumes ausfüllt, kann nur aus einer Richtung beobachtet werden. Es muss also genau überlegt werden, wie Moderator, Probanden und Materialen positioniert werden, damit die Beobachter das Geschehen möglichst vollständig verfolgen können.

Nehmen wir an, es existiert ein runder Tisch, an dem 6 Probanden und ein Moderator platznehmen. Für reine Gesprächsrunden eigentlich ein idealer Aufbau: Jede Person hat den gleichen Abstand zum „Zentrum“, ist also ein potenziell gleichrangiger Diskussionspartner – keiner sitzt von vornherein „abseits“. Dies sind wichtige psychologische Voraussetzungen, um gleiche Redeanteile zu erreichen. Die Nachteile werden an folgender Skizze schnell deutlich: a) sitzen mind. ein bis zwei Personen mit dem Rücken zum Beobachter; b) sitzen ein bis zwei Probanden mit dem Rücken zur Pinnwand o.ä. Materialien.

Testsetting 1+2

Zwei verschiedene Testsettings mit rundem Tisch

In einigen Teststudios gibt es dagegen rechteckige Tische. Dabei sitzen die Probanden an den längeren Seiten und der Moderator an einer der Stirnseiten. Bei dieser Variante ist der Moderator als schon durch die Anordnung aus der Gruppe „herausgestellt“. Hinzukommt, dass bei einer ungeraden Anzahl von Probanden immer einer etwas „abseits“ sitzt.
Außerdem ist zu bedenken, dass die Probanden bei konkreten Fragen oder Aufgabenstellungen oft in Richtung des Moderators schauen. Sitzt der Moderator also gegenüber zur Spiegelwand, schauen die Probanden von den Beobachtern weg. Dafür sehen die Beobachter, was an der Pinnwand o.ä. passiert. Sitzt der Moderator mit dem Rücken zu den Beobachtern, sind die Probanden den Beobachtern zugewandt. Dafür sind ggf. eingesetzte Materialien nicht gut einsehbar.

Testsetting 3+4

Zwei verschiedene Testsettings mit rechteckigem Tisch

Neben den gezeigten Anordnungen gibt es noch viele Mischformen oder auch ganz andere Varianten. Deshalb ist es für den Moderator sehr wichtig, den Raum frühzeitig zu inspizieren und wenn möglich die Anordnung von Tischen, Stühlen und Materialien zu optimieren. Welche Moderationstechniken zum Einsatz kommen, wird schon bei der Konzepterstellung festgelegt. Hier kann dann auch darauf geachtet werden, dass die Probanden nicht ständig die Blickrichtung ändern müssen.
Denn in der Praxis ist es meist unverzichtbar (und nützlich), Flipcharts, Pinnwände oder auch einen Beamer einzusetzen. Es sollte aber vermieden werden, dass die Materialien im ganzen Raum verteilt und unbeweglich sind. Denn das würde bedeuten, dass die Probanden sich ständig neu orientieren müssen. Besser ist es, die Gegenstände bei Bedarf in den Vordergrund zu rücken und einen zentralen Platz dafür festzulegen.

Doch welche Anordnung ist nun für den Beobachter am günstigsten? Im Interesse des Auftraggebers steht die Erreichung der Erkenntnisziele im Vordergrund. Deshalb ist aus meiner Sicht ein runder Tisch das Mittel der Wahl. Die oben erwähnte gleichmäßige Sitzordnung um ein Zentrum fördert das Zusammengehörigkeitsgefühl und wirkt sich positiv auf die Gruppendynamik und den Gesprächsverlauf aus – dies wiederum fördert die Zielerreichung. Sämtliche Informationen, die auf Flipcharts oder Pinnwänden festgehalten werden, sollten ohnehin als Fotografien oder als schriftliches Protokoll bereitgestellt werden. Daher finde ich es bei der Live-Beobachtung zunächst wichtiger, das Gesagte mitzuverfolgen. Im Zweifel kann eine kleine Kamera auf Flipchart/Pinnwand gerichtet werden und diese Inhalte übertragen – jedoch nur, wenn sie absolut unauffällig positioniert ist.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit Testsettings bei Gruppendiskussionen? Welchen Aufbau bevorzugen Sie als Moderator oder Beobachter? Ich freue mich auf Ihre Meinung!

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