Finden, was man niemals gesucht hätte – Wie Sie Ihre Nutzer optimal beim Stöbern unterstützen

Beautiful young woman shopping over internet

Ich suche nicht, ich finde. Vielleicht kennen Sie dieses Zitat von Picasso. Haben Sie schon mal drüber nachgedacht, ob und wie sich das auf einen Online-Shop übertragen lässt?

Vielleicht so: Oft steigen Nutzer sehr gezielt über Suche oder Navigation in den Shop ein, weil sie genau wissen, was sie wollen. Diese Nutzer suchen also. Aber da gibt es auch diejenigen, die einfach nur zum Stöbern vorbeischauen. Oder die, die nach einer gezielten Produktsuche schauen wollen, was es sonst so gibt. Die wollen eher nur finden. Und dabei sollten Sie von einem Shop ebenfalls optimal unterstützt werden.

Wie kann so etwas aussehen? Dieser Frage bin ich bei einer Stöber-Tour durch einige Online-Shops für Mode einmal auf den Grund gegangen und möchte nun zwei Shops vorstellen, die mir dabei besonders positiv aufgefallen sind.

More & More – Shop by Look

Dieser Shop bietet neben dem klassischen Einstieg in den Online-Shop (über Sortimente wie Kleider, Jacken etc.) auch die Rubrik „Shop by Look“. Hier werden den Nutzern verschiedene Outfits in einer Laufleiste präsentiert. Die Handhabung ist selbsterklärend: Der Nutzer kann die Outfits (bzw. Looks) unterhalb durchscrollen und gezielt ansteuern; das jeweils ausgewählte Outfit findet sich oben in der Mitte. Bei Mouse-Over werden zudem die Preise der einzelnen Kleidungsstücke des Outfits angezeigt.

More & More

„Shop by Look“ auf more-and-more.de: Erst bei Mouse-Over wird der Preis angezeigt.

Eine sehr gelungene Umsetzung eines alternativen Einstiegs wie ich finde. Ich kann mich entspannt durch die Outfits klicken – die Darstellung ist klar gehalten, verzichtet auf poppiges Hintergrunddesign und fokussiert sich (bzw. mich) auf das Wesentliche: Die Präsentation des Looks. Ich werde nicht von Preisschildern erschlagen – aber wenn mich ein Preis interessiert, kann ich ihn ganz unkompliziert anschauen.

Auch die Bestellung des gesamten Outfits ist problemlos möglich. Bei Klick auf den Look gelange ich auf eine neue Seite, auf der alle Bestandteile des Outfits inkl. Preis aufgelistet sind. Ich kann Größe und Menge auswählen und diejenigen Kleidungsstücke ausblenden, die ich nicht kaufen möchte (über das „x“ neben der Produktbezeichnung).

More & More

Detailseite eines Looks bei more-and-more.de (Ausschnitt): Alle Bestandteile des Outfits sind untereinander aufgelistet und können gemeinsam in den Warenkorb gelegt werden.

Zweite Station: 7trends – Stylefinder

7trends bietet in der Rubrk „Shop by“ gleich eine ganze Reihe alternativer Einstiege. Besonders interessant fand ich den Stylefinder, denn dieser bietet eine Besonderheit für diejenigen, die zwar stöbern wollen, aber dennoch bereits eine vage Vorstellung davon haben, was sie interessiert. Zunächst kann ich beim Stylefinder einen Anlass auswählen, für den ich ein Outfit suche. Bereits diese Auswahlmöglichkeit ist durch die Visualisierung mit Bildern sehr ansprechend gestaltet:

7trends

Stylefinder von 7trends.de: Anschauliche Darstellung von Anlässen – da macht schon die Auswahl Spaß!

Auf der nächsten Seite kann ich dann festlegen, welcher Stil mir am ehesten entspricht – ein Feature, das mich sehr positiv überrascht hat. So kann ich einerseits stöbern, andererseits aber zumindest vage eine Richtung vorgeben.

7trends

Welcher Stil passt zu mir? Die Bilder geben einen ersten Einblick, was mich zu jedem Stil erwartet.

Die Bezeichnungen „trendy“ und „modern“ sind hinsichtlich des Wordings nicht sonderlich trennscharf; dennoch helfen mir auch hier wieder die Abbildungen dabei, eine Auswahl zu treffen.

Auf der darauffolgenden Seite werden mir dann verschiedene Looks präsentiert, die meiner Auswahl entsprechen.

Komplett, visualisiert, überschaubar und vor allem bestellbar muss es sein!

Die Beispiele verdeutlichen m. E. recht gut, worauf es ankommt, wenn Sie Nutzern das Stöbern auf Ihrem Online-Shop schmackhaft machen wollen:

  • Zeigen Sie komplette Outfits an – dies bietet den Nutzern ein ähnliches Gefühl wie beim Schaufensterbummel und liefert ihn neue Ideen und Anregungen.
  • Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte … Setzen Sie gezielt Bilder ein, denn diese machen Lust aufs Stöbern und bilden eine sinnvolle Ergänzung zu Bezeichnungen von z. B. Looks oder Stilen.
  • Stellen Sie das Outfit in den Vordergrund – nicht den Preis. Dennoch sollte letzterer einfach und schnell aufzurufen sein (z. B. per Mouse-Over).
  • Halten Sie die Anwahl an Outfits überschaubar. So steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Nutzer auch alle Outfits anschauen. Bei großer Outfit-Auswahl kann es sinnvoll sein, die Nutzer vorab nach Stil oder Anlass selektieren zu lassen.
  • Bieten Sie die Option an, das Outfit komplett zu bestellen. Selbst die größte Begeisterung für ein Outfit wird wohl schnell dahin sein, wenn der Nutzer 7 Detailseiten anklicken muss, bis er es komplett bestellt hat. Ermöglichen Sie Selektion und Bestellung von Produkten auf einer Seite.

Trotz allem: Vergessen Sie die „Sucher“ nicht!

Natürlich ist es wichtig, Nutzer beim Stöbern zu unterstützen und/oder sie dazu zu animieren. Dennoch sollten Sie dabei auch diejenigen nicht vergessen, die sehr genau wissen, was sie suchen (denn die dürften bei den meisten Shops immer noch den Großteil ausmachen). Eine gut strukturierte Navigation und eine funktionierende Suche sind also mindestens genauso wichtig wie gut umgesetzte alternative Einstiege. Zumindest, wenn Sie sowohl die abholen möchten, die suchen wollen, als auch die, die lieber nur finden. Wie eine optimale Navigation aus Sicht Ihrer Nutzer aussieht, können Sie dabei z. B. durch ein Card Sorting ermitteln.

Ein Gedanke zu „Finden, was man niemals gesucht hätte – Wie Sie Ihre Nutzer optimal beim Stöbern unterstützen

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