Wo bleibt die Zielgruppenausrichtung bei Onlineshops?

Im Rahmen der eResult Digital Natives Studie wurden Anforderungen und Erwartungen junger Internetnutzer unter 25 Jahren an Websites erfasst. Die junge Generation hat demnach eine höhere Erwartungshaltung, was Videos, Bilder und Social Media Zugänge angeht.

Grund genug, einmal nachzuschauen, wie bzw. ob Onlineshops auf diesen Trend reagieren. Wird z.B. Mode für Jugendliche derzeit anders präsentiert als die für Erwachsene? Schließlich bietet fast jeder größere Onlineshop für Mode auch eine Rubrik für ihre jüngeren Kunden an. Und die Digital Natives zwischen 16 und 25 suchen sich ihre Kleidung doch zum großen Teil selbst aus, bewegen sich also auf den entsprechenden Seiten im Shop und sollen dort von den angebotenen Waren überzeugt werden.

Das Ergebnis ist ernüchternd: Kaum ein Onlineshop passt die Produktdarstellung für „junge Mode“ an die veränderten Ansprüche der Digital Natives an. Stattdessen wird fast immer eine Standard-Aufmachung für den gesamten Shop gewählt.

Aber es geht auch anders.

Der Boden Versand beispielweise präsentiert nur im Bereich für Jugendliche (hier johnnie b. genannt) ein Video als Intro in die Rubrik. In allen anderen Rubriken findet man als Intro lediglich ein Bild. Und auch die Hinweise auf Facebook und Twitter sind nur in dieser Rubrik so prominent platziert.

Boden Introseite

Unterschiedliche Introseiten bei Boden

Neben der Introseite sind auch die Produktübersichtsseiten etwas anders gestaltet als die für Erwachsene. Bunte Umrandungen der Bilder und die Collegeblock-Optik für das große Bild knüpfen an den Alltag der Jugendlichen an. Im Gegenzug sind die Abbildungen selbst durch freigestellte Bilder und den Verzicht auf Models etwas dezenter gestaltet.

Boden Produktübersicht

Unterschiedliche Produktübersichtsseiten bei Boden

Ein anderes Beispiel für Möglichkeiten einer speziellen Zielgruppenausrichtung liefert die Website von New Yorker. Zwar handelt es sich dabei nicht um einen Onlineshop, aber es wird immerhin die aktuelle Kollektion präsentiert.

New Yorker setzt dabei ganz auf die Elemente, die die junge Zielgruppe besonders ansprechen: Bilder und Videos. Auf Texte wird dagegen fast vollständig verzichtet.

Beispielsweise besteht die Einstiegsseite des Bereichs „Fashion“ ausschließlich aus aneinander gereihten Bildern, die die verschiedenen Produktlinien repräsentieren. Lediglich Links zu weiteren Bildern oder einem Video bieten die Möglichkeit, sich näher zu informieren.

Folgt man dem Link „View More“, so gelangt man auf eine weitere Seite, die fast ausschließlich aus Bildern besteht, dieses Mal horizontal aneinandergereiht und mit einer ebensolchen Scrollmöglichkeit versehen.

Produktübersicht bei New Yorker

Produktübersicht bei New Yorker

In Anbetracht dieser Beispiele stellt sich die Frage:
Verpassen andere Onlineshops einen wichtigen Trend, indem sie sich hinsichtlich der Produktdarstellung nicht an ihre unterschiedlichen Zielgruppen anpassen? Oder werden Unterschiede in der Darstellung nicht erwartet und wirken sich eher negativ aus? Was meinen Sie?

4 Gedanken zu „Wo bleibt die Zielgruppenausrichtung bei Onlineshops?

  1. Petra

    Oh, das ist ein schwieriges Thema, finde ich.
    Zum einen erwarte ich bei den Versandhäusern keine Zielgruppen ausrichtung. Denn hier ist es meist das Familienoberhaupt, was dort bestellt. Kiddis werden da wohl aus Coolnes Gründen nicht wirklich bestellen, denke ich.
    Da geht es entweder eher um Markenbewusstsein oder günstige Einkäufe. Wenn Tochter oder SOhn mit auswählen darf (eben in einer bestimmten Altersgruppe), macht es Sinn die Seite wenigstens etwas darauf auszurichten.

    Bei Marken wie H&M und New Yorker stellt sich die Frage, wie würden Jugendliche den Shop finden. Diese dürften zwar ihre Outfits allein aussuchen, aber oftmals dürfen sie eben nicht online bestellen.
    Wer das Publikum eines New Yorkers kennt, weiß, dass die unter 14Jährigen wohl nicht zu einem Onlinekauf animiert werden sollen. Finde ich irgendwie vernünftig.

    Kleinere Shops oder unbekanntere Marken sollten da meiner Meinung nach etwas mehr Interesse zeigen. Ich glaube schon, dass der Trend wieder von den Massenangeboten hin zu individueller Produktpräsentation gehen wird.

    Grüße
    Petra

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  2. dr_ksp

    Diese Analyse trifft den Nagel auf den Kopf! Aus der Perspektive eines Dienstleisters unternehmen die großen Onlineshops tatsächlich viel zu wenig, um die Zielgruppen direkt anzusprechen. Dadurch verlieren sie Kunden. Denn es gibt mittlerweile eine ganze Reihe junger Shops, die gezielt mit ausgewählten Produkten junge Zielgruppen ansprechen. Das lohnt sich auf alle Fälle, so viel ist sicher. Deshalb haben die großen Shops wie H&M (auch) in diesem Bereich Nachholbedarf…

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