Eine Seite, vier Spalten, voller Bilder – die etwas andere Produktsuchmaschine

Einstieg

Erwartungskonformität. Konsistenz und Standards. Fehler vermeiden.
Die Einhaltung von Normen bzw. Guidelines ermöglicht es dem Nutzer, auf Gelerntes zurückzugreifen und sich aufgrund seiner Erfahrungen in neuen Situationen schnell zurechtzufinden. Daher gibt es auch bei der Gestaltung von Produktsuchen gute Gründe, sich an bestehenden Konzepten und verbreiteten Seitenstrukturen zu orientieren.
Oder auch nicht. Die Produktsuchmaschine moebel-monster.de macht vieles anders, aber auch besser? Der ungewohnte Aufbau macht neugierig und ist Grund genug, sich diese Website einmal genauer anzusehen.

Die Möbel-Suchmaschine sticht bereits durch die Startseite hervor: Statt einer „Einstiegsseite“ – vielleicht mit Hauptkategorien, aktuellen Angeboten oder Highlights – präsentiert sie sich wie eine riesige Trefferliste. Dies ist jedoch nicht auf Anhieb erkennbar. Zunächst sucht das Auge nach bekannten Elementen und Strukturen zur Orientierung. Erwartungskonform ist anders: Hier ist das Logo rechts, die Suche links und die Filter scheinen sich irgendwie dazwischen zu befinden, einen Header im bekannten Sinne gibt es nicht. Wie zum Beispiel die „Imagery“-Studie zeigt, ist das nicht gerade eine Anordnung, die Internetnutzer prognostizieren würden.

Home

Oberer Teil der Startseite von moebel-monster.de

Warum findet man die Suche hier trotzdem? Dadurch, dass die Anzahl der Möbel sehr auffällig gestaltet in einem orange hinterlegten Bereich positioniert ist, wird der Blick schnell dorthin gelenkt. Direkt unterhalb befindet sich die Suche, die eine entsprechende Überschrift und einen Start-Button erhalten hat – zum Glück, denn immerhin auf dieses Wissen kann der Nutzer zurückgreifen. Die Stichwortsuche ist mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die erste Aktion, die der Nutzer hier ausführt. Denn eine Möbel-Suchmaschine wird meist mit einem konkreten Ziel aufgerufen. Filter zu nutzen, ohne eine Suche gestartet zu haben, ist sehr ungewohnt und erschließt sich auch hier erst auf den zweiten Blick. Die Startseite ist nämlich bereits eine riesige Trefferliste: Scrollt der Nutzer zum Ende der Seite, werden die nächsten Produkte automatisch nachgeladen. Das heißt, alle 682.403 Produkte sind theoretisch über die Startseite zugänglich (diese Zahl ist bei Beitragsveröffentlichung schon nicht mehr aktuell, es werden tatsächlich täglich mehr). Doch wie viele Nutzer scrollen auf einer Startseite nach ganz unten?

Nach der ersten Suche erschließt sich auch, dass das Suchwort ebenfalls wie ein Filter verwendet wird. Positiv ist hervorzuheben ist neben der Vorschlagsfunktion (auto-suggest), dass dem Nutzer sehr viele verschiedene Filtermöglichkeiten zur Verfügung stehen. Auch die Produktkategorien, die üblicherweise als Navigationsstruktur verwendet werden würden, sind als Filter zugänglich (Zimmer + Produkt). Die Filter können bei Bedarf ausgeklappt werden und bleiben dann in dieser Position, bis der Nutzer sie aktiv wieder schließt. Die darunter liegenden Inhalte rutschen einfach in der Spalte nach unten.

Filter

Verschiedene Filtermöglichkeiten, die quasi mit der Trefferliste „verschmelzen“

Interessant ist an der Anordnung, dass die Treffer sich in unmittelbarem Umfeld zu den Filtern befinden. Durch die räumliche Nähe und die dynamische Anpassung der Trefferliste nach jeder Aktion, wird der Zusammenhang sehr schnell deutlich. Es ergibt sich jedoch durch das Ein- und Ausklappen der Filter ein etwas unruhiges Bild, da die Produkte dann immer an unterschiedlichen Postionen zu finden sind.

0-Treffer Farbkombination

0 Treffer bei der Auswahl mehrerer Farben

Etwas gewöhnungsbedürftig ist auch die Reaktion der Mehrfachauswahl: Werden bspw. zwei oder mehr Farben angeklickt, dann werden nicht Möbel angezeigt, die entweder die eine oder die andere Farbe haben, sondern Möbel die beide Farben beinhalten. Dies kann zu einer starken Einschränkung der Treffermenge führen. Durch die dynamische Aktualisierung der Trefferliste und das Feedback zu den Filtern unterhalb der Suche, erschließt es sich zumindest schnell, was die Filter bewirken.



Sortierung

Sortierfunktion (default)

Recht unauffällig präsentiert sich die Sortierfunktion. Sie ist gleichgesetzt mit den Filtern und optisch genauso gestaltet. Klickt der Nutzer darauf, scheint die aktuelle Sortierung „Standard“ zu sein. Doch was ist Standard? Diese Frage bleibt unbeantwortet.

Zu guter Letzt möchte solch eine Produktsuchmaschine natürlich in erster Linie Klicks zu den jeweiligen Shops generieren. Bei moebel-monster.de gibt es auf der Trefferliste im Prinzip überhaupt keinen aktiv auffordernden Link, auf die Produkte zu klicken. Bild und Text sind natürlich trotzdem klickbar und öffnen einen Layer. Es gibt jedoch von der Trefferliste aus noch keinen direkten Link in die Shops. Der besagte Layer stellt also die Produktdetailansicht dar. Es mag vielleicht kurz irritieren, dass plötzlich ein Surfpfad angezeigt wird, wenn man zuvor keine Kategorien wahrgenommen hat. Noch ungewöhnlicher ist jedoch, dass auf der Detailansicht noch einmal das Logo angeboten wird und sich die Suche plötzlich direkt darunter befindet – rechts oben. Das Produktbild ist am gewohnten Platz, der wichtige Call-To-Action Button leider erst darunter. Nur bei hohen Auflösungen befindet er sich im sofort sichtbaren Seitenbereich. Dies ist angesichts der zentralen Ziels einer solchen Suchmaschine nur schwer nachvollziehbar.

Detailansicht

Produktdetailansicht, die sich mittels Layer über die Trefferliste legt.

Insgesamt also ein sehr spannendes Umsetzungskonzept, das teilweise stark von etablierten Standards abweicht. Dennoch ist die Website gut nutzbar und die ungewohnten Funktionen erschließen sich durch das minimalistische Design und die prompten Reaktionen des Systems recht schnell. Ein Vorteil des Konzepts ist sicherlich, dass die Produkte bzw. deren Bilder im Vordergrund stehen. Durch das „Endlos-Scrollen“ wird der Nutzer beim Stöbern auch nicht durch Blättern und Neuladen der Seite unterbrochen, sondern kann sich ungestört durch die Vielfalt inspirieren lassen. So wirkt das Konzept alles in allem stimmig und kann nach kurzer Eingewöhnung leicht bedient werden. Durch kleinere Anpassungen könnte die Eingewöhnungszeit jedoch weiter verkürzt und die Anzahl der gewinnbringenden Klicks sicherlich erhöht werden.

8 Gedanken zu „Eine Seite, vier Spalten, voller Bilder – die etwas andere Produktsuchmaschine

  1. Chris

    Oh-ha! Da hat sich jemand ganz genau pinterest angesehen und die richtigen Schlüsse gezogen. Sehr schöne Seite, mich überzeugt die UX und die Darstellung, aber ich würde Ergebnisse ohne Bilder nach unten verbannen.
    Würde mich nicht wundern, wenn sich das Konzept durchsetzt.

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  2. Felix

    Tolles Konzept um Kunden zum Stöbern zu animieren. Ich denke gerade im Bereich von Impulsware kann sich so ein Konzept durchsetzen.

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  3. Martin

    Hallo,
    danke für den Artikel. Ich bin einer der Gründer des MöbelMonsters und freue mich, dass wir im Großen und Ganzen positiv abschneiden. Allerdings wird es demnächst ein kleines Update geben, das etliche Neuerungen und Änderungen bringen wird. Ich gebe vielleicht ein kurzes Feedback zu den Punkten und unseren eigenen Erfahrungen.
    – Wir werden die Suche stärken, sowohl optisch als auch funktional, weil diese in der Tat häufig genutzt wird.
    – Die Anordnung der Filter wurde von vielen Testern als unruhig empfunden und wird sich ändern.
    – Das Autosubmit (wundert mich, dass darauf nicht eingegangen wurde!) wird von vielen eher unerfahren Nutzern gar nicht wahrgenommen, daher wird es auch hier eine Änderung geben.
    – Die Sortierung „Standard“ wird es weiterhin geben und meint eine von uns nach eigener Logik erzeugte Relevanz. Macht aber tatsächlich Sinn, diesen Filter neu zu benennen!
    – den Call-to-Action haben wir ganz bewusst nach hinten gestellt, weil wir aus Nutzersicht denken und die Recherche bzw. das Stöbern im Fokus sehen.
    – spannend evtl. noch, dass wir uns relativ viel Mühe mit der Bühne gegeben haben. Sie scollt seperat, lässt eine Browser-History zu und lässt sich auch als eigene Seite in einem neuen Tab öffnen.
    – @Chris: Produkte ohne Bilder werden bei uns nicht akzeptiert, daher dürfest du eigentlich auch keine finden?
    – @Felix: Genau das ist das Ziel, danke!

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  4. Maikel

    Ich habe die Einstiegsseite anders verstanden, und auf das Bild eines beliebigen Möbels der gewünschten Produktkategorie (Bürostühle) geklickt.
    (Dabei hat mich allerdings etwas gewundert, daß unter den ersten Bildern gleich mehrere Bürostühle zu finden waren.)
    Im Titel der Detailseite konnte ich dann die Hierarchie erkennnen und die entsprechende Kategorie aufrufen.

    Der Nutzwert dieser Suchmaschine geht aber, Sorry, nicht weit (genug) über eine entsprechende Produkt- oder Bildersuche bei Google hinaus.
    Die Filter sind nicht kategorie-spezifisch (bei Bürostühlen sind Filterkriterien wie Abmessungen, oder Stil „Orientalisch“ wenig hilfreich).

    Den wenigen Daten sieht man an, daß sie maschinell zusammengesucht wurden („8 cm breit, 1452 cm hoch“ sind bei einem Bürostuhl nicht wirklich sinnvoll). Das relativiert den Filter nach Abmessungen weiter.
    Wie da wohl die Einstufungen für Stil usw. zustande gekommen sind? Ist so eine subjektive Kategorisierung überhaupt sinnvoll maschinell möglich? Und welchen Wert hat dann ein solcher Filter?

    Nicht selten tauchen gleiche Produkte mehrfach auf (z.B. Drehstuhl Shape 8370, auch Preis identisch).

    Ich wollte mich noch über das Endlos-Scrollen aufregen, habe aber rechtzeitig entdeckt, daß die Anzahl der dem Filter entsprechenden Produkte oben links gezeigt wird.

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  5. Hutshop

    Ich persönlich finde die Seite mehr als gelungen und weiss wovon ich spreche als Webdesigner und Admin. Produktspezifische Suchmaschinen stellen eine viel gezieltere Lösung des E- Commerce dar. Weiter so…

    Greetz Danny

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  6. Martin

    @Maikel: Danke für den Hinweis. Diese Interpretation der Startseite ist interessant und in den Betatests bislang noch nicht aufgetaucht. Ich werde darüber nachdenken, ob das noch klarer und eindeutig funktionieren kann. Dass wir den Nutzwert für den Möbel-Suchenden steigern müssen, ist uns absolut bewusst und wir arbeiten an einem kleinen Relaunch mit etlichen Änderungen. Leider ist ein Teil des Problems auch in der mäßigen Qualität der angelieferten Daten begründet, auf die wir bestenfalls mittelbar Einfluss haben. Wir reichern einen Teil der Daten maschinell an, sind aber auch damit nicht zufrieden. Daher wird sich auch dort etwas ändern. Auch der Stil-Filter und die mehrfach vorhandenen Produkte werden sich so auf der neuen Seite nicht mehr finden, sehr gut erkannt!

    @Hutshop / Danny: Danke, wir glauben auch, dass Produktgruppen-Lösungen ggü. „Einkaufszentren“ einige Vorteile bieten. Jetzt gilt es nur, diese auch entsprechend heraus zu arbeiten.

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  7. Sonja

    Die vorliegende Datenqualität, auf die man oftmals auch keinen oder keinen großen Einfluss hat, ist eine der größten Herausforderungen bei Suchmaschinen.

    Bin auf die Änderungen gespannt, insbesondere wie sich dann die Filter darstellen und verhalten werden.

    Ich mag die Art der Ergebnisdarstellung reduziert auf große Bilder. Das passt prima zum Thema Möbel und Einrichten. Die Suche als Inspirationshilfe.

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  8. Marcell Pargmann

    Hallo!
    Über Suchmaschinenoptimierung sind wir auf Ihren Blog bzw. auf die Seite moebel-monster.de gestoßen. Da wir ebenfalls Portalbetreiber sind, unsere Seite heisst http://www.moebelnavi.de, und zwar genau im Bereich Möbel, würde uns ein Feedback an dieser Stelle sehr interessieren. Über unser Möbel Auktionsportal kann man Preise quasi per Auktion vergleichen. Es handelt sich um Dienstleistungsauktionen im Stile von MyHammer. Für den Kunden/Auftraggeber/Käufer ist die Dienstleistung kostenlos. Händler zahlen ein Gebühr (verhandelbar).

    Vielen Dank vorab und Gruß.

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