Good Practices für Kaufinspirationen in Online-Shops für Mode

Wenn ich in einem Online-Shop für Mode einkaufe, weiß ich meistens nicht, was ich will. Schon der Begriff Mode ist nicht konkret. Wie soll ich da ein konkretes Ziel haben? Noch schlimmer – ich weiß oft noch nicht mal ob ich was kaufen will… außer mir gefällt etwas. Ich will mich inspirieren lassen, wie vielen andere Nutzer, die nicht zielgerichtet suchen, sondern stöbern wollen. Wie können diese Nutzer am besten unterstützt werden? Welche Kaufinspirationen gelingen gut? Diesen Fragen bin ich nachgegangen. Ich bin bewusst ziellos auf Online-Shops für Mode gesurft und nur Halt gemacht, wenn mir etwas gefallen hat. Was mich inspiriert hat und warum, finden Sie in diesem Beitrag kurz beschrieben.

Startseite: Zalando

Zalando Startseite

zalando.de: Zugang zu der Rubrik für Kaufinspirationen als ansprechender Teaser.

Bei Zalando wird der Stöberer gleich auf der Startseite abgeholt. Gleich zwei auffällige Teaser „Online-Magazin“ und „Looks we love“, laden zum Stöbern ein. Bei vielen anderen Online-Shops für Mode sind die Kaufinspirationen ausschließlich über die Navigation erreichbar. Dies widerspricht jedoch der Idee der Inspriration – Nutzer die Inspiration wollen, suchen ja nicht bewusst danach. Sie haben nicht die Absicht sich inspirieren zu lassen, sondern es passiert oder es passiert nicht.

Rubrik für Kaufinspirationen: Zalando

Zalando NewsStyles

zalando.de: Eine riesige und vielfältige Rubrik für Kaufinspirationen.

Das Online-Magazin (Rubrik News & Styles) bei Zalando entpuppt sich als eine Fundgrube der Kaufinspirationen! Die Rubrik ist wie eine typische Modezeitschrift aufgezogen. Hier gibt es zusammengestellte Outfits für verschiedene Anlässe, Trends, Runway-Looks, Star-Styles, Street-Styles, Must-Haves und das alles zum Nachstylen! Im Endeffekt sind es alles Produktvorschläge, aber ganz unterschiedlich verpackt, um den unterschiedlichen Geschmäckern der Nutzer zu entsprechen.

Star-Style: Rubrik News & Style bei Zalando

Zalando Starstyle

zalando.de: Produkt-Vorschläge inspiriert durch ein Star-Style

Sehr gut fand ich u.a. den Star-Style. In einem aktuellen Celebrity-Foto wird der Look gezeigt und in einem kurzen Text erklärt. Im rechten Seitenbereich werden Produktvorschläge angeboten, um den Look nachzustylen. Bei Mouseover erscheinen Variationen der Produkte (z.B. als Ersatz der Shorts ein Rock in der gleichen Farbe und Länge). Diese Kaufinspiration ist gelungen, weil sie

  • nicht aufdringlich ist – die Produkte stehen gar nicht so sehr im Mittelpunkt sondern der Look und die Geschichte.
  • berechenbar aktuell ist – jede Woche wird ein neuer Strar-Style eingestellt. Es wird sogar der Wochentag angegeben. Auf diese Weise weiß der Nutzer, wie aktuell die Rubrik ist. Zudem beugt man damit dem Fall vor, dass der Nutzer ständig nachsieht, ob es in der Rubrik, etwas Neues gibt und enttäuscht feststellt, dass sich noch nichts geändert hat, den Eindruck bekommt, die Rubrik wird gar nicht aktualisiert und sie nie wieder aufsucht. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Nutzer wiederkehrt wird im Gegensatz durch das Versprechen „Jeden Mittwoch neu!“ erhöht.
  • sorgfältig zusammengestellt ist – es werden nicht nur irgendwelche Produkte angezeigt, die lediglich die gleiche Farbe haben. Sie sind wirklich gut ausgewählt, passen vom Stil, Schnitt, Stoff und Farbe zum Originallook.
  • breitgefächert ist – Geschmäcker der Nutzer sind verschieden. Mit drei Varianten des Looks spricht man sicherlich mehr Nutzer an als mit einem. Nicht einzuschränken, sondern variieren ist auch generell für die Inspiration förderlich. Der Übersichtlichkeit sollte dennoch im Auge behalten werden, daher also nur drei Vorschläge.
  • unterhaltsam ist – man erhält nebenbei Informationen, die nichts mit den Produkten zu tun haben.

News: Rubrik News & Style bei Zalando

Zalando Interview

zalando.de: Produkt-Vorschlag inspiriert durch ein Interview (Ausschnitt).

Ein weiteres gelungenes Konzept Produktvorschläge zu verpacken sind News zu Stars und Trends, z. B. das wöchentliche Star-Interview bie Zalando. Scheinbar weit vom Produkt entfernt – ich vergesse beim Lesen fast, dass ich auf einem Online-Shop bin – am Ende des Interviews finde ich jedoch das „Zalando-Favorite“ des Interviewten. Geschickt, wie ich finde – dem Nutzer wird nicht mit der Tür ins Haus ein Produkt aufgebunden, sondern er wird beim Lesen des Interviews auf das Produkt eingestimmt. Das Produkt ist natürlich auf dem direkten Weg in den Warenkorb überführbar. Auf diese Weise kann also die Inspiration, die durch das Lesen des Interviews entsteht direkt in den Kauf übersetzt werden.

Ratgeber: Rubrik News & Style bei Zalando

Zalando Ratgeber

zalando.de: Beratung des Kunden und passende Produkt-Vorschläge.

Sehr schön fand ich auch die Kaufinspirationen im Ratgeber, weil sie hier mit Beratung verbunden werden. Der Nutzer kann in einem Fragebogen z. B. seinen Figur- oder Style-Typ ermitteln. Am Ende erhält er Do’s & Dont‘s für seinen Typ und auf ihn abgestimmte Produkte.

Produktdetailseite: Esprit

Esprit PDS

esprit.de: Empfehlung der in der Produktabbildung enthaltenen Produkte.

Es muss jedoch nicht immer eine riesige Modezeitschrift-ähnliche Rubrik sein. Klar, wenn möglich ist es toll. Aber warum nicht einfach optimal nutzen, was man schon hat. Auf den meisten Produktdetailseiten z. B. sind die Produkte bereits in einem Outfit dargestellt. Und das inspiriert auch. Man kann eigentlich gar nichts dagegen tun. Wie oft fand ich z. B. am Kleid, das ich mir auf der Produktdetailseite angesehen habe am besten die Schuhe, die zum Outfit gehörten. Mindestens genauso oft musste ich mühsam und meist auch vergeblich danach suchen. Auf den Produktdetailseiten von Esprit sind so gut wie alle Produkte, die in der Produktabbildung dargestellt sind, direkt als Empfehlungen verfügbar. Aber auch die zielgerichteten Nutzer werden hier nicht vernachlässigt, denn gleich daneben sind ähnliche Produkte abgebildet. Nur die bei Mode-Shoppern unbeliebte Bezeichnung „Andere Kunden kauften auch“ sollte noch abgeändert werden.

Produktvorschläge richtig verpacken, dann gelingt die Inspiration

Anhand der Beispiele wird deutlich, wie man den Nutzern, die sich inspirieren lassen wollen am besten entgegenkommen kann:

  • Es sollte ein visuell ansprechender und einladender Zugang zu der Rubrik für Kaufinspirationen auf der Startseite geschaffen werden.
  • Der Kontext, in dem die Kaufempfehlungen unterbreitet werden, sollte in erster Linie mit Vorteilen für den Nutzer verbunden werden, d. h. unterhaltsam, informativ oder hilfreich sein. Im besten Fall alle drei Eigenschaften aufweisen. Auch produktferne Themen bieten sich an.
  • Bei dem Thema Kaufinspirationen sollten auf Aktualität geachtet werden. Trends, die nicht häufig aktualisiert werden, werden nicht als Trends wahrgenommen. Es sollte v. a. aber auf berechenbare Aktualität geachtet werden, d. h. der Nutzer sollte die Information erhalten, wann die Rubrik aktualisiert wird.
  • Die empfohlenen Produkte sollten sorgfältig auf das Thema abgestimmt werden und nicht zusammengewürfelt wirken. Sonst kann sich die inspirierende Wirkung des Kontexts (Geschichte, Interview, Beratung o.ä.) nicht optimal entfalten und die Empfehlungen werden nicht ernstgenommen und übersehen.
  • Viel aber übersichtlich: Es sollten mehrere Vorschläge aber nicht zu viele gemacht werden, damit die Inspiration nicht eingeschränkt und die Übersichtlichkeit gewahrt wird.
  • Das empfohlene Produkt sollte ohne Umstände in den Warenkorb gelegt werden können und nicht erst herausgesucht werden müssen.
  • Auch das Outfit, das den Kontext für ein bestimmtes Produkt auf der Produktdetailseite bildet, inspiriert. Diese Inspiration sollte durch das Angebot der abgebildeten Produkte aufgegriffen werden.

Bei so gelungenen Kaufinspirationen werde ich mir in Zukunft überlegen, ob ich eine Modezeitschrift brauche, um mich inspirieren zu lassen und mich anschließend zu ärgern, dass die gewünschte Kleidung längst ausverkauft ist. Oder ob ich mir nicht lieber direkt im Online-Shop die Inspiration für den nächsten Einkauf hole.

5 Gedanken zu „Good Practices für Kaufinspirationen in Online-Shops für Mode

  1. Pingback: 10 Lesetipps der Woche für Shopbetreiber » shopbetreiber-blog.de

  2. Christian Rothe

    Ab welcher Shopgröße bzw. Besucherzahl in einem Shop lohnen sich eigentlich redaktionell erstellte Kaufinspiration? Immerhin bedeutet deren Erstellung einigen Aufwand. Dem muss ein entsprechender Mehrumsatz gegenüber stehen, der so groß ist, dass unterm Strich ein positiver Deckungsbeitrag erzielt wird. Ansonsten wäre es für mich als Shopbetreiber zwar schön, solche Inspirationsseiten zu haben, aber es wäre nicht wirtschaftlich.

    Antworten
  3. Anna Metzger

    Dass redaktionell erstellte Kaufinspirationen toll sind, ist eine Nutzersicht. Und zwar die Sicht der Nutzer, die sich inspirieren lassen wollen. Aus Shopbetreibersicht muss sich selbstverständlich der Aufwand der Erstellung solcher Empfehlungen rentieren. Die Frage, ab welcher Unternehmensgröße oder Besucherzahl sich der Einsatz lohnt, kann, meiner Meinung nach, nicht pauschal beantwortet werden. Es hängt stark von den Anforderungen und Wünschen der Nutzerschaft ab. Werden z. B. von der Nutzerschaft redaktionell erstellte Empfehlungen ausdrücklich gewünscht und wird beim Fehlen der Shop verlassen, bei Vorhandensein jedoch die die Zufriedenheit und damit die Weiterempfehlungswahrscheinlichkeit erhöht (=Leistungsfaktor), dann wäre es wirtschaftlich diese anzubieten. Wenn aber die redaktionellen Inspirationen zwar als gut empfunden aber wenn fehlend nicht vermisst werden (=Begeisterungsfaktor), kann die Realisierung (bei knappen Ressourcen) erst mal aufgeschoben werden. Die KANO-Analyse ist ein erprobtes Tool, um die Anforderungen und Wünsche der für den Shop spezifischen Nutzerschaft zu ermitteln (z. B. zwischen Leistungs- und Begeisterungsfaktoren zu unterscheiden). Wichtig dabei ist, die Anforderungen und Wünsche der Nutzer immer zu kennen, denn aus Nice-to-haves werden schnell Must-haves… Zu diesem Thema empfehle ich einen interessanten Blogbeitrag von Thorsten Wilhelm.

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