Inhalte just in time – Erfolgsfaktoren und Good Practices

Vorbei die Zeit, wo Websites statisch waren und Mouseover nur dazu genutzt wurde die Linkfarbe zu ändern. Lassen Sie sich von einigen Good Practices inspirieren, wie die User Experience heute mittels dynamischer, kontextsensitiver Inhalte erheblich gesteigert wird. Dazu stelle ich einige Erfolgsfaktoren dar, die es bei Informationen just in time zu beachten gilt.

Bsp. 1: Zusätzliche Funktionen mittels Mouseover erhöhen die Übersichtlichkeit

Pinterest mouseover Funktionen

Beispiel Pinterest: Bei ständiger Anzeige der Funktionen bei allen Fotos würde die Wirkung der Bilder und die Übersichtlichkeit deutlich leiden.

Pinterest blendet zusätzliche Funktionen ein, wenn der Nutzer mit der Maus über das jeweilige Bild fährt. Bei der Betrachtung des Screenshots wird klar: Weniger sofort sichtbare Elemente reduzieren die zu erfassenden Informationen und steigern so die Übersichtlichkeit erheblich bzw. ermöglichen die Darstellung anderer wichtiger Inhalte. Vor allem bei sich wiederholenden Beschreibungen und Buttons für funktionsgleiche Elemente können die Inhalte stark reduziert werden, indem diese lediglich on demand verfügbar sind.

Eine kleine Checklist für Mouseover-Inhalte:

  • Ist die Mouseover-Funktion problemlos bedienbar? Nichts ist ärgerlicher, als wenn ich eine Funktion nutzen möchte, diese aber bspw. bei der Bewegung dahin verschwindet.
  • Spiegelt die Beschriftung/Symbolik die zu erwartende Funktion eindeutig wieder bzw. sind die Informationen wirklich hilfreich?
  • Wie viel Zeit verstreicht, bis die Inhalte eingeblendet werden? Erhält der Nutzer nicht sofort Feedback, kann es sein, dass das Feature übersehen wird.

Bsp. 2: Hilfreiche Informationen vermeiden frustrierende Fehler

Bwin sofortiges Feedback Registrierung

Beispiel bwin-Registrierung: Fehlerhafte Eingaben können durch Hilfetexte reduziert werden.

Das Registrierungsformular von bwin zeigt bei dem aktuell ausgewählten Feld immer einen kleinen Hilfetext an, auch Tooltip genannt. In komplexeren Formularen reduzieren gute Tooltips die Wahrscheinlichkeit, dass Unklarheiten entstehen. Dieser Text kann dann auch eine Erklärung beinhalten, warum diese Daten erhoben werden bzw. was der Vorteil für den Nutzer ist. In Formularen erhöht dies die Bereitschaft der Eingabe eher kritischer Angaben (Geburtstag, Telefonnummer, …). Die Verwendung von Tooltips beschränkt sich nicht auf Formulare. Jegliche Funktionen und Inhalte können so mit Zusatzinformationen versehen werden. Der Vorteil von Mouse-Over-Tooltips ist, dass sie kein erneutes Laden der Seite erfordern und kinderleicht zu bedienen sind.

Es sei hier noch auf ein Manko des Formulars hingewiesen: Für den Großteil der Nutzer dürften die Pflichtfelder nicht ersichtlich sein. Es ist zwar bei den optionalen Feldern dies als zusätzlicher Hinweis vermerkt, dessen Schrift ist jedoch sehr klein. Der Umkehrschluss, dass die anderen Pflichtfelder sind, ist alles andere als offensichtlich. Solch „invertierte Logik“ ist fast nie leicht zu verstehen, sie ist unbedingt zu vermeiden.

Bsp. 3: Aktionsabhängige Pop-Ups lenken die Aufmerksamkeit auf gewünschte Inhalte

PC games Layer

Beispiel Artikelempfehlung bei www.pcgames.de: Am Ende einer jeden Artikelseite poppt eine kleine Box mit einem themenverwandten Artikel auf.

Unter Pop-Ups verstehen sicherlich die Meisten nervige Werbung, die im aktuellen oder einem neuen Fenster, ohne konkrete Aktion des Nutzers eingeblendet wird. Warum sollte dieses Mittel nicht auch zum Wohle des Nutzers beitragen können? Immer häufiger beobachte ich kleine Pop-Ups, durch eine Aktion des Nutzers ausgelöst, die für den Nutzer interessante Informationen bereitstellen. Gehäuft treten sie inzwischen auf Informationsangeboten auf, wo am Ende einer Artikelseite mittels Pop-Up auf einen themenverwandten Beitrag hingewiesen wird. Je nachdem, wo der Trigger gesetzt wird.

Vorsicht! Der Nutzer darf nicht ständig ohne sein Zutun penetriert werden. Das Gefühl der Belästigung und des Kontrollverlustes darf beim Nutzer nicht entstehen, ansonsten kehrt er der Website schnell den Rücken.

Hier scheint der Erfolgsfaktor auf den ersten Blick klar: Relevanter Inhalt. Trifft die Empfehlung nicht das Interesse des Nutzers, verpufft möglicherweise die Chance, den Nutzer mittels weiterer interessanter Inhalte auf der Website zu halten. Der zweite Blick verrät: Die Gestaltung muss das sofortige Erfassen des Inhalts ermöglichen. Zudem sollte das Pop-Up nicht zu penetrant gestaltet sein. Diese zwei Faktoren sind extrem wichtig, um nicht als nervige Werbung eingestuft zu werden.

Vorteile Dynamischer Inhalte – bessere User Experience

Informationen, die just in time präsentiert werden haben also folgende Vorteile:

  • Sie erhöhen die Navigationsgeschwindigkeit, da Informationen ohne zusätzlichen Klick angezeigt werden.
  • Die Orientierung fällt leichter, da wir durch die dynamischen Inhalte die anfänglich dargestellte Inhaltsmenge reduzieren können.
  • Sie sind geeignet die Entstehung von Unklarheiten zu verhindern, indem just in time hilfreiche Tooltips weitere Informationen bieten.
  • Außerdem ermöglichen aktionsabhängige Inhalte den Websitebesitzern die Aufmerksamkeit gezielt auf interessante Bereiche zu lenken.

Diese Art der Nutzerführung kann natürlich nur von Erfolg gekrönt sein, wenn die Interessen der Nutzer nicht untergraben werden. Mit Sicherheit wird die Nutzung dieser Mittel zunehmen. Ich bin auf die neuen Konzepte und Ideen gespannt, die damit einhergehen.

Wie seht ihr das Thema? Welche interessanten Beispiele für Informationen just in time kennt ihr?

6 Gedanken zu „Inhalte just in time – Erfolgsfaktoren und Good Practices

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  2. Aicke Schulz

    Wir haben uns auch mit dem Thema beschäftigt und ich habe dazu ein paar Anmerkungen.

    1. Für den Nutzer wichtige Informationen sollten wenn möglich immer sichtbar sein.

    2. Aktionen die genau einem Element zuzuordnen sind, und die der Nutzer auch erst dann braucht wenn er sich mit diesem beschäftigt, können bei hover angezeigt werden. Beispiel sind Buttons die erst erscheinen oder als Buttons erkennbar werden sowie Links die als Links erkennbar werden wenn man über das entsprechende Element fährt, siehe z.B. den Google+ Stream.

    3. Wenn die eigene Seite auch auf Touch-Geräten benutzbar bleiben soll, steht man vor dem Problem wie der Nutzer an die Informationen kommt, da, auch wenn iOS in der neusten Version hover unterstützt, diese Bediehnung auf Tocuch Geräten weder erwartet (intuitiv) ist, noch zuverlässig funktioniert und eben auch nur bei iOS implementiert ist.
    Vielleicht hat ja jemand noch weitere Anmerkungen für diesen Punkt!?

    Antworten
    1. Tobias Karsch Beitragsautor

      @Aicke:
      1. und 2. sind natürlich vollkommen korrekt. 🙂
      Auf Touch-Geräten werden wir wohl noch eine Weile warten müssen, bis die technischen Voraussetzungen für Mouseover flächendeckend vorhanden sind.
      Bei den Touch-Geräten möchte ich Smartphones aber explizit ausschließen, da in der Regel dafür gesonderte Konzepte der Informationsstruktur zu erarbeiten sind.

  3. Maikel

    Die gezeigten Beispiele erscheinen ja recht dezent, aber grundsätzlich bin ich zunehmend genervt davon, was alles on MouseOver aufpoppt, nur weil der Weg meiner Maus zufälligerweise, unbeabsichtigt und unbewußt über ein Element führte, an dem ich (zu der Zeit) gar kein Interesse habe.

    Auch beim Pinterest-Bsp. kann es, je nach Bildinhalt und Größe, vorkommen, daß das Popup einen Teil des Bildes überdeckt, der mich gerade interessiert.

    Und beim Eingabeformular verdeckt das Popup andere Einträge, die für mich in dem Moment ggf. auch interessant sind, weil es notwendig oder sinnvoll sein kann, zu sehen, was noch (alternativ/ergänzend) einzugeben ist.
    Manchmal ergibt sich die Bedeutung eines Eingabefeldes auch erst, oder besser, aus dem Zusammenhang mit anderen Feldern. Dann muß man auch diese Felder sehen können.

    Mal abgesehen davon, daß der gezeigte Hinweis beim Vornamen nun wirklich trivial und somit absolut überflüssig ist.

    Antworten
    1. Tobias Karsch Beitragsautor

      @Maikel: Genau. Anhand dieser angesprochenen Faktoren trennen sich hilfreiche von den unnötigen, frustrierenden Inhalten. Auf der Suche nach optimaler User Experience bewegt man sich schnell auf einem schmalen Grat zwischen hilfreich und nervig.
      Aber nicht alles muss vorhersehbar sein. Ein Überraschungseffekt ist nicht zwangsweise negativ, solange der Nutzer die Kontrolle darüber hat, die zusätzlichen Informationen schnell! wieder zu entfernen. Er darf dadurch eben nur nicht in seinem Fluss gehemmt werden. Dies ist natürlich nur mit richtigen Tests oder Umfragen zu überprüfen.
      Es ist schon eine Kunst, relevante! Zusatzinformationen, zum richtigen Zeitpunkt, in der richtigen Gestaltung anzubieten. 🙂

      Danke für die Anmerkung zum trivialen Hinweis im Registrierungsprozess. Es sollte nur das Prinzip verdeutlichen, deswegen der Bezug zu „komplexeren Formularen“. Wie von Ihnen beschrieben sehen wir dadurch, dass nicht jedes Element zwangsweise eine solche Zusatzinformation benötigt. Tatsächlich sind im vorliegenden Formular von bwin nur Hinweise zu Benutzername und Passwort wirklich nötig.

      Bei Pinterest sehe ich keine Probleme, da das Verschieben des Mauszeigers die überdeckenden Funktionen verschwinden lässt. Diese ragen auch nicht in andere Elemente hinein.

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