Der Verzehr dieses Fisches ist vertretbar: Worauf Sie bei der Konzeption von Spezial-Apps achten sollten

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Das Smartphone als ständiger Begleiter kann so viel mehr leisten, als damit SMS zu schreiben, auf Facebook zuzugreifen oder zu shoppen. Apps bieten die Möglichkeit, Menschen sehr konkret über spezielle Themen zu informieren. Ein solches Spezialthema sind Berater beim Fischeinkauf. Die Weltmeere sind immer mehr überfischt und die Umweltverbände mühen sich darum, dass bei den Verbrauchern das Bewusstsein wächst, welcher Fisch bedenkenlos gekauft werden kann und von welchem man besser die Finger lassen sollte. Greenpeace und der WWF bieten dem Nutzer hierfür Hilfestellung.

Im Folgenden stelle ich dar, wie benutzerfreundlich und hilfreich diese Apps sind bzw. welche Anforderungen sich generell für solche Spezial-Apps ergeben.

Der Vorteil solcher Apps ist, dass die Informationen immer griffbereit sind. Das Smartphone ist immer dabei, die Infos müssen nicht mühselig im Netz gesucht werden. Somit hat der Nutzer die Möglichkeit und auch die Erwartung, wenn er im Laden steht und Fisch kaufen möchte, mit Hilfe der App schnellstmöglich zu erfahren, ob der Kauf des vor ihm liegenden Fischs vertretbar ist oder nicht. Insofern bieten beide Apps noch deutliches Verbesserungspotential. Egal wie übersichtlich die Informationen präsentiert werden, besteht das Problem bei den Nutzern, dass die notwendigen Informationen, aus welchem Fanggebiet der Fisch stammt und mit welcher Fangart er gefangen wurde, im Laden gar nicht verfügbar sind. Insofern ist der Nutzwert der Apps deutlich eingeschränkt. Die Nutzer wünschen sich bspw. einen Barcode-Scanner, so dass sie den EAN-Code auf der Fischpackung einscannen können und sie anschließend die konkrete Information erhalten in der Form „Kauf empfohlen“ oder „Kauf nicht vertretbar“. Andere Beispiele für sinnvolle Hilfestellungen sind das Angebot von saisonalen Kaufempfehlungen bzw. eine Liste mit Fischhändlern, die „guten“ Fisch anbieten, zu welchem Händler man gehen kann.

Dies ist auch die generelle Anforderung, der sich alle Spezial-Apps stellen sollten. Bei der Konzeption sollten sich die Entwickler in den Anwendungsfall hineinversetzen und die Informationen möglichst passgenau anbieten. Eine reine Informationssammlung wird vielleicht zwei- bis dreimal aufgerufen, gerät dann aber leicht in Vergessenheit.

Jetzt aber zur konkreten Beurteilung der beiden Apps: Die Nutzerfreundlichkeit an sich wird bei den Apps positiv bewertet. Die Greenpeace-App gefällt besser, da sie einfacher zu handhaben ist und die angebotenen Informationen nicht zu umfangreich sind, was die Nutzer bei der WWF-App eher verwirrte.

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Greenpeace-App (von links): Startscreen, Fischauswahl, Rezeptauswahl

Der Startscreen ist sehr übersichtlich, so dass die Orientierung leicht fällt. Die Fischauswahl ist ausreichend – es werden nicht zu viele Fische gelistet, die man eh nicht bekommt oder erst gar nicht kennt. Und auch die direkt sichtbare Kennzeichnung, ob der Verzehr des Fisches vertretbar ist (blaue Markierung) oder eben nicht (rote Markierung) erleichtert die Anwendung der App. Ebenso gefällt das Angebot an Rezepten – natürlich nur zu Fischen, deren Verzehr vertretbar ist.

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WWF-App (von links): Startscreen, Detailseite zur Forelle

Bei der WWF-App überzeugt die Ampelkennzeichnung, die auch ohne Erläuterungen sofort verständlich ist. Auch weil das Fischangebot in dieser App deutlich größer ist, gewinnt die sehr gute Suchfunktion an Bedeutung. Der Nutzer wird bei der Eingabe durch eine Vorschlagsfunktion unterstützt. Verwirrung entsteht bei der Nutzung der App jedoch durch scheinbare Inkonsistenzen. Betrachtet der Nutzer bspw. die Detailseite zur Forelle, dann wird diese bei guter und zweiter Wahl mit den gleichen Eckdaten aufgeführt (Fanggebiet Europa, Fangart Zucht). Erst bei Aufruf der weiteren Detailinformationen zu den beiden Punkten erfährt der Nutzer, worin die Unterscheidung begründet liegt. Die Nutzer wünschen sich hier jedoch eine direkte und konkrete Information, ob der Kauf in Ordnung ist oder nicht.
Die dargestellten Ergebnisse stammen aus der Studienreihe Mobile Shopping der eResult GmbH. Im Rahmen eines Usability-Tests mit Android- und iPhone-Nutzern wurde die Usability der beiden Apps getestet.

Das Fazit des Tests lautet: Es ist super, dass es solche Apps gibt. Sie wurden auch gern genutzt. Allerdings weniger ist mehr. Zu viele Infos sind nur was für Fachleute. Der Normalanwender wünscht sich knackige Informationen und diese sollten so aufbereitet werden, dass sie auf den konkreten Anwendungsfall abgestimmt sind.

Ein Gedanke zu „Der Verzehr dieses Fisches ist vertretbar: Worauf Sie bei der Konzeption von Spezial-Apps achten sollten

  1. Bärbel Jüngel

    Super Apps – endlich mal wirklich nützlich! Ich selbst habe die WWF-App auf meinem Handy und bin total begeistert. Aber man sieht, in puncto „Usability“: es geht immer noch etwas besser und die Konkurrenz schläft nicht! Da werde ich mir gleich mal die Greenpeace-App zum Vergleich runterladen ;-)!

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