Erfolgreiche Apps ohne USP: Wenn die Usability den Unterschied macht

Wer seinen Kunden nicht gerade ein patentgeschütztes Rezept gegen schlechtes Wetter bieten kann oder einen anderen „Selbstläufer“ in seinem Produktköcher hat, wird mit seiner Dienstleistung gegen eine Reihe von ähnlichen Produkten konkurrieren müssen, die dem Nutzer einen vergleichbaren Service bieten. An einigen Beispielen von mobilen Anwendungen zur Notiz- und Erinnerungsverwaltung (für Android) zeige ich, wie Ihre Anwendung durch die Beachtung einiger einfacher Grundregeln besser wird als die Konkurrenz.

Ideales Suchrevier

Aber warum der Bereich „mobile Anwendungen zur Notiz- und Erinnerungsverwaltung“? Zwei wichtige Punkte sprechen für diesen Bereich:

  • Differenzierung über Funktionen schwierig: Der Aufgabenbereich der Anwendungen ist klar umrissen. Omas Geburtstag oder die Einkaufsliste für das Wochenende sollen gespeichert werden, zum Termin wieder verlustfrei präsent sein und bis dahin den internen Notizblock nicht weiter belasten. Nicht weniger, aber auch nicht viel mehr.
  • Kein eindeutiger Marktführer erkennbar: Bisher hat sich noch keine Anwendung final auf dem Markt durchgesetzt und ist synonym zur Funktion geworden (wie etwa bei google im Zusammenhang mit Web-Suchmaschinen oder Skype im Bereich der Internet-Telefonie.

Guidelines für mobile Usability als Basis

Die Art der Anwendungen ist also ähnlich, das Rennen um die Vorherschaft am Markt offen. Umso höher die Chancen, mit einer guten Usability in der Gunst der Nutzer zu punkten. Basis für die Bewertung sind die im Rahmen eines eResult-Forschungsbeitrags gesammelten Guidelines für App-Usability. Drei Regeln möchte ich an dieser Stelle herausgreifen.

Regel: Gib dem Nutzer die Kontrolle


Dashboard von Catch Notes: Alle Funktionen sind direkt erfassbar, die Rückkehr zum Startbildschirm problemlos möglich.
Dashboard von Catch Notes: Alle Funktionen sind direkt erfassbar, die Rückkehr zum Startbildschirm problemlos möglich.
Dashboard von Catch Notes: Alle Funktionen sind direkt erfassbar, die Rückkehr zum Startbildschirm problemlos möglich.

Kontrolle über die Anwendung ist dann gegeben, wenn diese verstanden wurde und sich der Nutzer sicher im Umgang fühlt. Ein möglichst einfaches und intuitiv verständliches Navigationskonzept ist dabei unerlässlich. Die Anwendung Catch Notes begrüßt den Anwender mit einem Dashboard, das direkt einen Überblick über den Umfang der Anwendung bietet. Die großzügigen Buttons werden auf den ersten Blick als Zugang zu den einzelnen Bereichen deutlich, oben rechts werden etablierte Symbole für die Meta-Funktionen Aktualisieren / Synchronisieren und Einstellungen verwendet. Verlässt der Nutzer den Startbildschirm, wird ihm die Möglichkeit zur Rückkehr zum Dashboard durchgängig angeboten und mit einem nach rechts gerichteten Pfeil signalisiert. Dem Nutzer wird es so ermöglicht schnell ein Bild von der Struktur der Anwendung zu entwickeln.

Regel: Minimiere die notwendigen Eingaben

Eingabeoptionen bei Evernotes

Eingabeoptionen bei Evernotes: Neben Texten können auch Bilder oder Audio-Files als Notizen abgelegt werden.

Texteingaben auf dem Touchpad eines Smartphones sind auch für Mitmenschen mit normal proportionierten Fingern eine Herausforderung und ohne intensives Training wird das Verfassen schon kurzer Texte zur Qual. Daher gilt es, wenn immer möglich, Alternativen zur Texteingabe anzubieten. Wenn ein Bild oft mehr als tausend Worte sagt, sind diese geradezu prädestiniert, dem Anwender die Texteingabe zu ersparen. Auch die Speicherung als Audio-Datei ist möglich. Die Möglichkeit, Spracheingaben direkt in Textnotizen zu konvertieren bietet hingegen keine der berücksichtigten Anwendungen an (womit wir doch noch einen möglichen Punkt zur Differenzierungen gefunden hätten!).

Regel: Elemente sichtbar und bedienbar machen

Dashboard von MLO

Dashboard von MLO: Großzügige Buttons ermöglichen fehlerfreie Bedienung

Neben Texteingaben ist auch die Bedienung der Navigation in der Anwendung selbst eine Herausforderung. Der zur Verfügung stehende Platz ist gering, die menschliche kein Mauszeiger. Navigationselemente müssen daher nicht nur als solche erkennbar sein, auch gilt es, durch die Maximierung des Abstands zwischen den Elementen die Gefahr von Fehleingaben so gering wie möglich zu halten. Das nebenstehende Beispiel aus der Anwendung MLO zeigt eine gelungene Lösung für dieses Problem. Insgesamt 12 Elemente werden auf dem Dashboard präsentiert, durch die großzügige Gestaltung (unterstützt durch die horizontalen Linien) sind die Buttons aber gut voneinander getrennt. Letztendlich war es sogar noch möglich (und dringend notwendig) das Verständnis der Icons durch eine Kurzbeschreibung der Elemente zu unterstützen.

Also: Es geht auch ohne…

… ohne USP. Aber wie eingangs erwähnt steigt mit der fehlenden Differenzierung zum Wettbewerb die Notwendigkeit sich anderweitig abzugrenzen. Über eine gelungene nutzerfreundliche Gestaltung ist dies möglich. Der Usability-Hebel kann dabei an ganz verschiedenen Stellen angesetzt werden. Bei der Konzeption neuer Anwendungen sollte eine Optimierung der Informationsarchitektur erfolgen, z.B. über ein Cardsorting. Zur Identifikation von Usability-Problemen bestehender Anwendungen geht kaum ein Weg an einem Test im Labor vorbei.

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