Ab in die Wolke, aber in welche? Cloud-Dienste im Vergleich

Cloud-Computing, also die Speicherung von Daten außerhalb der eigenen vier Hardware-Wände, ist aktuell in aller Munde. Bester Indikator für die Relevanz des Themas ist die Tatsache, dass die Branchengrößen Microsoft, Google und Apple ihre Pferde in das Rennen um die Cloud schicken und sich mit Leistungsumfang und Funktionen zu überbieten versuchen. Dieser Wettstreit soll aber hier ebenso wenig Thema sein wie aktuelle Diskussion um den Datenschutz bei den verschiedenen Anbietern. Werfen wir lieber einmal einen Blick auf die Usability…

Die Vorteile der Cloud liegen auf der Hand. Um nur einige zu nennen: Die Speicherung online ermöglicht den Zugriff auf Daten unabhängig von Ort und verwendetem Endgerät. Die Gefahr eines vollständigen Datenverlusts besteht auf Grund der mehrfachen Speicherung auf verschiedenen Servern praktisch nicht mehr. Aktuelle Zahlen der eResult GmbH zeigen, dass aktuell erst ca. 30% der deutschen Internetnutzer einen Cloud-Dienst um Speichern ihrer Daten nutzen. Das Potential an Erst- bzw. Neunutzern ist also hoch. Da Registrierung und Nutzung der Dienste (zumindest in der Basisversion) kostenlos sind ist es nicht unwahrscheinlich, dass mehrere Anbieter parallel getestet werden und letztendlich der Anbieter gewählt wird, dessen Service am intuitivsten und schnellsten verständlich ist. Erfolgsfaktor Usability eben.

Faktor: Startbildschirm bei Erstnutzung

Unmittelbar im Anschluss an die Registrierung bzw. den ersten Login steht der Nutzer vor der Aufgabe, den Aufbau der Seite kennenzulernen und sich mit der Struktur des Angebots vertraut zu machen. Dabei gilt es, den Nutzer an die Hand zu nehmen und ihm Anhaltspunkte zum Verständnis der Seite zu präsentieren. Besonders Google Drive lässt seine Nutzer an dieser Stelle ziemlich alleine und präsentiert einen leeren Bildschirm. Der Hinweis auf den Download der Desktop-Anwendung verwirrt außerdem, da sie suggeriert, dass eine zusätzliche Installation zur Nutzung des Dienstes notwendig ist. Dass an dieser Stelle später einmal Ordner und Dateien zu sehen sein werden, lernt der Nutzer erst nach dem ersten Upload.

Start googlemail ohne Ordner

Startbildschirm von google Drive: Kein direkter Hinweis auf Funktion der Seite

Besser gefällt an dieser Stelle die Startseite von dropbox. Hier sind standardmäßig einige Ordner und das Manual als pdf-Datei abgelegt. Dem Nutzer ist es so möglich, den Aufbau und die Intention der Seite auf den ersten Blick zu erfassen und das Verhalten der Seite durch Stöbern in den vorinstallierten Ordnern kennenzulernen, ohne direkt eigene Daten auf den Server schieben zu müssen.

Start dropbox

Startbildschirm von dropbox: Kein direkter Hinweis auf Funktion der Seite

Faktor: Button-Gestaltung & Upload

Piktogramme sind seit jeher als kompakte Darstellung für Links und Funktionen etabliert. Das Diskettensymbol zum Speichern oder das Haus für den Startseitenlink sind hinlänglich bekannt. So sinnvoll ihr Einsatz auch ist, umso schwieriger gestaltet sich das Finden passender Visualisierungen. Die Beispiele von Dropbox zeigen, dass schon einige Phantasie nötig ist, um die Brücke von einem Regenbogen zu Freigaben oder von einer Geburtstagstorte zu Erste Schritte zu schlagen.

Buttons dropbox

Icons von dropbox: Nur teilweise ist der Bezug zur Funktion nachvollziehbar

An dieser Stelle zeigt sich google Drive sensibler gegenüber der Problematik und verzichtet auf den durchgängigen Einsatz von Piktogrammen. Nur sehr dosiert und dort, wo sich tatsächlich eine Darstellung anbietet, werden diese eingesetzt. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Icons, die eingesetzt werden, dann aber korrekt in Bezug zu der entsprechenden Funktion gesetzt werden.

Buttons google

Icons von google Drive: Auf den durchgängigen Einsatz von Icons wird verzichtet.

Faktor: Joy of Use

Während sich Google Drive und Dropbox auf den Kernnutzen beschränken, also eine funktionale Maske zur Datenverwaltung anbieten, geht das Telekom Mediencenter -wie der Name schon vermuten lässt- über einen reinen Speicherdienst hinaus. Beispielsweise lassen sich hochgeladene Bilder über ein animiertes Fotoalbum direkt anschauen. Der Zwischenschritt, die Fotos herunterladen zu müssen, entfällt. So wird eine professionell wirkende Möglichkeit geboten, die Bilder zu betrachten, ohne dass dies mit zusätzlichem Aufwand für den Nutzer verbunden ist.

Bildershow Telekom

Bilderpräsentation bei Telekom: Direktes Blättern am Bildschirm möglich

Der erste Eindruck entscheidet…

…besonders bei sehr ähnlichen Angeboten. Eine Differenzierung vom Wettbewerb über die Größe des angebotenen Speicherplatzes bzw. sonstige bessere Konditionen ist nicht unendlich möglich. Spätestens wenn ein weiteres zusätzliches Gigabyte Speicherplatz dem Nutzer keinen Mehrwert mehr bringt, gilt es sich über die User Experience zu differenzieren. Neben der Usability der Seite, die den Nutzer in die Lage versetzen muss, direkt und ohne lange Lernprozesse in die Nutzung zu starten zeigt besonders auch das letzte Beispiel, dass der Spaß an der Nutzung bzw. die Attraktivität der Präsentation nicht in Vergessenheit geraten darf.

2 Gedanken zu „Ab in die Wolke, aber in welche? Cloud-Dienste im Vergleich

  1. Jonas Wendler

    Also ich persönlich nutze sowohl Dropbox, iCloud als auch Google Drive und muss sagen, dass mir Dropbox bisher am besten gefällt. Ich finde es einfach aufgeräumter. Ist aber recht subjektiv.

    Antworten
  2. Pingback: In der Wolke unterwegs: Good Practices von Cloud-Apps zu Nutzerführung, Mehrfachauswahlen und Datei-Upload | Usabilityblog.de

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