Anregungen und Ideen zur Preisdarstellung auf Online-Shops für Mode

Wow, ist das Kleid schön! Was kostet es denn? Hmm…vielleicht doch lieber nicht. Mir gefällt wirklich alles an der Produktdarstellung, außer diesen Zahlen, die sich schmerzlich in meinem Portemonnaie auswirken werden – dem Preis. Einkaufen macht Spaß, bezahlen nicht. Ich habe mich gefragt, welche Gestaltung des Preises wie auf den Nutzer wirkt. Festgestellt habe ich z. B., dass der Preis nicht immer der Buhmann sein muss. Was ich außerdem bei der Gestaltung des Preises in Online-Shops für Mode beobachtet habe, finden Sie in diesem Beitrag beschreiben.

Bonprix Produktdetailseite

Bonprix Produktdetailseite: Der Preis fällt sofort auf.

Auf der Produktdetailseite von Bonprix ist der Preis in Rot und ziemlich groß dargestellt, so dass er sofort ins Auge springt. Dies ist auch gut so, denn der günstige Preis ist in diesem Fall ein Kaufargument.

Zero Produktdetailseite

Zero Produktdetailseite: Der Preis über dem Warenkorbbutton.

Auch bei Zero ist der Preis als Kaufargument eingesetzt. Hier ist er in logischer Zusammengehörigkeit über dem Warenkorbbutton platziert. Wenn ich also nicht ganz sicher bin, ob ich das Kleidungsstück kaufen soll und zum Warenkorbbutton blicke, nehme ich auch den Preis wahr. Da der Preis günstig ist, könnte er dazu beitragen, dass die Entscheidung zum Kauf kippt.

Eddie Bauer Produktdetailseite

Eddie Bauer Produktdetailseite: Der Rabatt ist wörtlich ausgedrückt.

Der Preis auf der Produktdetailseite von Eddie Bauer wird ausformuliert: „Jeans 44.95 EUR statt 59.95. Sie sparen 25%“. Der ursprüngliche Preis ist zudem durchgestrichen. Durch die Ausformulierung des Preises und des Rabatts bekommt der Preis einen Klang. Die Wahrnehmung des Preises wird auf diese Weise ausgeweitet und die Wirkung des Rabatts verstärkt.

Neckermann Produktdetailseite

Neckermann Produktdetailseite

Neckermann Produktdetailseite: Relativer und absoluter Rabatt

Der Rabatt kann auch ein Kaufargument darstellen. Bei Neckermann wird er mal relativ mal absolut angegeben. Entscheidend dabei ist, dass die Rabattzahl möglichst hoch ist. Der relative Rabatt (in Prozent) wird angegeben, wenn der Preis niedrig ist, denn eine Ersparnis von 50% klingt nach mehr als 1,50 Euro z. B. Bei hohen Preisen ist dagegen der Rabatt in Euro ausgedrückt höher, denn 200 Euro klingen z. B. besser als 50%. Auf diese Weise wird immer eine möglichst große Ersparnis versprochen.

Der Preis sollte nicht immer in den Vordergrund gerückt werden

Bonprix Inspirationsseiten

Bonprix Inspirationsseiten: Der Preis erscheint erst bei Mouseover.

An vielen Stellen ist es vorteilhaft den Preis nicht zu betonen. Bei Kaufinspirationen von Bonprix z. B. wird der Preis, obwohl er günstig ist und zum Kauf anregen könnte, nicht so prominent dargestellt wie auf der Produktdetailseite. Auf diese Weise wird der Nutzer erst mal nicht mit dem Preis belästigt, da dies die Inspiration stören würde.

Burberry Übersichtsseite

Burberry Übersichtsseite: Der Preis in einem stilvollem Layer.

Burberry Produktdetailseite

Burberry Produktdetailseite: Der Preis ist dezent dargestellt

Auch bei einem hohen Preis erscheint eine dezentere Darstellung als geeigneter. Der Nutzer ist ja hoffentlich nicht ganz zufällig bei dem Anbieter gelandet und hat eine Vorstellung von der Preiskategorie. So ganz abschrecken wird man ihn daher nicht mit dem hohen Preis, aber eine zu prominente Darstellung würde die unangenehme Tatsache betonen und bei Unsicherheit nicht förderlich sein. Bei Burberry z.B. wird auf der Übersichtsseite der Preis erst nach Mouseover angezeigt und zwar in einem stilvollen Layer. Dadurch wird die gehobene Klasse des Anbieters unterstrichen und der Preis erscheint angebracht. Auf der Produktdetailseite ist der Preis ganz dezent in Weiß dargestellt. Die Produktabbildung ist sehr groß und kann maximal wirken.

By Malene Birger Übersichtsseite

By Malene Birger Übersichtsseite: Der Preis wird erst nach Mouseover angezeigt aber zusammen mit einer anderen Produktansicht

Eine ebenfalls geschickte Art und Weise einen hohen Preis anzuzeigen fand ich bei By Malene Birger. Dort wird der Preis auch erst bei Mouseover angezeigt aber gleichzeitig wechselt auch die Produktansicht. So wird das Produkt maximal ausgeleuchtet, bevor der Preis wirken kann.

Die Darstellung des Preises sollte also gut überlegt sein

Die Recherche hat gezeigt, dass die Darstellung des Preises durchaus variiert und dass dadurch unterschiedliche Wirkungen verursacht werden.

  • Bei einer prominenten Darstellung des Preises (z. B. mittig, in Rot und groß) steht er im Vordergrund und wird ständig wahrgenommen. Daher eignet sich eine solche Darstellung, wenn der Preis niedrig ist und als Kaufanreiz wirken soll. Für hohe Preise ist eine dezente Darstellung geeigneter (z. B. erst im Mouseover sichtbar, oder in Weiß).
  • Der Rabatt wirkt besonders hoch, wenn er bei hohen Preisen absolut (in Euro) und bei niedrigen relativ (in Prozent) angegeben wird.
  • Eine wörtliche Umschreibung des Preises erweitert die Wahrnehmung um die auditive Ebene und verstärkt somit die Wirkung.
  • Der Preis als der rationale Teil des Einkaufs sollte überall dort, wo es um Inspiration geht, nicht stören und eher dezent (z.B. im Mouseover) dargestellt werden.
  • Eine hochwertige Darstellung des Preises (z. B. im halbtransparenten Layer) unterstreicht den edlen Charakter des Anbieters und lässt den Preis angemessen erscheinen.
  • Man sollte aber auch nicht vergessen, dass durch eine klare Kommunikation der Preislage und gut funktionierenden Preisfilter einer negativen Wirkung des Preises vorgebeugt werden kann.

5 Gedanken zu „Anregungen und Ideen zur Preisdarstellung auf Online-Shops für Mode

  1. Markus

    Hallo Anna,

    super Artikel – wobei Du dich leider „nur“ auf die psychologische Wirkung des Preises bezogen hast – was in diesem Umfang bzw. dieser Umgebung auch am sinnvollsten erscheint.

    Ich finde die unterschiedliche Auszeichnung der Preise in den einzelnen Shops ebenfalls sehr sehr interessant und man kann beobachten, dass mit der Zeit auch die Pricing-Strategien der Retailer an Qualität gewinnt. Beispielsweise das „Neckermannsche“-System mit der Unterscheidung relativer und absoluter Preise ist ein wirklich gut gelungenes Beispiel für die bewusste Kundenmanipulation, wobei für mich noch interessant wäre, wo hier die Schwelle zwischen unineressant und interessant liegt. Soll heißen, ab welchem Prozentsatz (Rabatt) sind Preise für den Kunden interessanter als zuvor…

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  2. Zinit Solutions

    Jeder Shopbetreiber weiß seine schwachen Seiten in Bezug auf die Waren, Preise oder Onlineshop selbst. Daher soll er seine Vorteile auffallend machen und seine Nachteile nicht verstecken, sondern vernünftig präsentieren und Interesse seiner Zielgruppe betrachte. Um mehr profitieren zu können, ist es empfehlenswert, diesen Ratschlägen zu folgen.

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  3. Pingback: Themen und Ereignisse die 2012 die Usability- und Online-Marketing Szene prägten! | Usabilityblog.de

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