SEO & Usability: Warum beides zusammengehört und wie Konflikte gelöst werden können

Einstiegsbild

Wer kennt sie nicht, die scheinbar gegensätzlichen Standpunkte von Experten zum Thema Suchmaschinenoptimierung (SEO) und solchen, die sich der User Experience von Websites verschrieben haben. Erstere wachen mit Argusaugen darüber, dass nicht zu viele Texte gekürzt und Links entfernt werden, die aus Sicht der zweiten Gruppe vielleicht die Übersichtlichkeit einschränken. Oftmals werden in der Praxis Kompromisse eingegangen. SEO-Texte werden dann beispielsweise so platziert, dass sie die Bedienbarkeit möglichst wenig einschränken. Doch es gibt auch gute Beispiele dafür, dass sich beide Teilbereiche sinnvoll ergänzen, statt sich zu widersprechen. Dazu hat Jakob Nielsen kürzlich einen interessanten Artikel in der bekannten Alertbox veröffentlicht. Ohne näher auf die zugrundeliegenden Suchalgorithmen einzugehen, kann festgehalten werden, dass die Bedienbarkeit einer Website ihrem Google-Ranking durchaus zuträglich ist. Dennoch gibt es auf der Website selbst gewisse Grenzen, bei denen Suchmaschinenoptimierung auch schnell zu Lasten der User Experience gehen kann.

Auf den ersten Blick, so Nielsen, scheinen SEO und Usability recht verschiedene Disziplinen zu sein: SEO dient dazu, Nutzer überhaupt auf die Website aufmerksam zu machen, indem diese auf den entsprechenden Ergebnisseiten hochplatziert ist. Usability dagegen kümmert sich darum, dass die Nutzer ihr Ziel auf der Website selbst erreichen und im besten Falle etwas kaufen (oder andere Zielaktionen ausführen). Beide Disziplinen tragen also auf ihre Art zum Erfolg der Website bei.

Die Suche als Ausgangspunkt der meisten Aktionen im Web

Suchmaschinen haben unbestritten einen extrem hohen Stellenwert – egal in welchem Kontext. Die „Gewöhnung“ an das Suchen durch Eingabe eines oder mehrerer Schlagworte ist so weit fortgeschritten, dass es inzwischen sehr genaue Erwartungen an Suchmaschinen jeglicher Art gibt. So wird beispielsweise von einer Suchfunktion in einem Intranet oder in einem Online-Shop eine ganz ähnliche Leistungsfähigkeit erwartet. Auch bei einfachen Stichwortsuchen auf Corporate Websites wird unbewusst davon ausgegangen, dass diese ähnlich funktionieren wie seitenübergreifende Suchmaschinen à la Google. In der Realität werden leider viele der site-internen Suchen diesen Erwartungen nicht gerecht. Die Folge ist, dass der Nutzer sein Ziel nicht erreicht und im schlimmsten Fall frustriert aufgibt. Laut Nielsen könnte hier in vielen Fällen Abhilfe geschaffen werden, wenn grundlegende SEO-Techniken auch site-intern Anwendung fänden.

Qualität setzt sich durch

Aus Sicht von Nielsen ist es hoffnungslos, zu versuchen, den sich ständig ändernden Suchalgorithmen hinterherzulaufen um ein hohes Ranking zu erreichen. Er betont noch einmal, dass die Relevanz einer Website, ihre inhaltliche Qualität und die Usability sich langfristig positiver auf das Ranking auswirken. Gerade in Zeiten, da das Nutzungsverhalten jedes einzelnen sehr stark „durchleuchtet“ werden kann, bekommen Daten zur Qualität von Informationen eine zunehmend stärkere Bedeutung. Eine inhaltlich hochwertige und gut bedienbare Website ist also selbst die beste langfristige Investition in SEO.

Gut strukturierte Seiten sind gut bedienbar und werden gut gefunden

Kurzfristige Maßnahmen zur Suchmaschinenoptimierung stehen jedoch streng genommen auch nicht im Widerspruch zu einer guten Usability. Die zentralen Regeln gelten für jede gut bedienbare Website:

  • Permanente, konkrete URLs
  • Verständliche Seitentitel, Überschriften und Texte
  • Logische Informationsarchitektur
  • Überzeugender und aktueller Content

Wenn dennoch Konflikte auftreten: Gut abwägen

Wie eingangs erwähnt, kann es jedoch auch Widersprüche zwischen SEO und Usability geben. So werden für Suchmaschinen beispielsweise oft wahre „Schlagwortwüsten“ zusammengestellt, die für den Nutzer alles andere als hilfreich sind. Das unkontrollierte Setzen von Textlinks kann die Lesbarkeit erschweren.

In den vergangenen Monaten und Jahren sind zudem die Footer immer umfangreicher geworden. Anfangs wurde hier versucht, alle SEO-Texte, die im Content stören, unterzubringen. Glücklicherweise gibt es dafür heute auch viele Positivbeispiele, die dem Nutzer wichtige Informationen übersichtlich bereitstellen und gleichzeitig den Suchmaschinen dienen.

Die Empfehlung von Nielsen, um kurzfristige Konflikte zu lösen, besteht im Abwägen: Wäre es im Moment eher zu verkraften, weniger Traffic zu haben, oder eine niedrigere Conversion-Rate zu erreichen? In der Realität ist diese Frage wahrscheinlich nicht immer leicht zu beantworten. Zumal sie im besten Fall auch durch konkrete Zahlen untermauert werden sollte, sofern diese berechenbar sind.

Langfristig zahlt sich gute Usability in jedem Fall aus. Der Content und die User Experience insgesamt sind die besten Investitionen in entsprechenden Traffic auf der Seite. Gerade in Bezug auf die Informationsarchitektur sollten daher möglichst frühzeitig Nutzer einbezogen werden. So kann über ein Card-Sorting eine sinnvolle Struktur erarbeitet werden, die dann zu verständlichen und gebräuchlichen Kategoriebezeichnungen führt.

Ich persönlich finde es sehr wichtig, sich diese Zusammenhänge immer wieder vor Augen zu führen. Auch die Optimierung der internen Suche darf bei all den Bemühungen um mehr Traffic nicht außer Acht gelassen werden. Wird der Nutzer hierüber nicht fündig, besteht die Gefahr, dass er auf eine allgemeine Suchmaschine ausweicht und ggf. nicht mehr zurückkehrt.

Welche Erfahrungen haben Sie mit den Themen SEO und Usability gemacht? Sind Ihnen hier auch schon Konflikte begegnet? Ich freue mich auf Ihre Kommentare!

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