Welche ist die beste? – 3 Möglichkeiten, neue Startseitenentwürfe bewerten zu lassen

Das Re-Design einer Startseite ist immer eine Herausforderung. Und das nicht nur, weil die Startseite in den meisten Fällen den ersten Eindruck prägt, den die Nutzer von einer Seite gewinnen. Idealerweise soll die neue Startseite nämlich sowohl von den Bestandsnutzern akzeptiert werden als potenzielle neue Nutzer ansprechen. Und in den meisten Fällen steht am Anfang nicht nur ein neuer Entwurf, sondern gleich mehrere. Wie also herausfinden, welche Variante die o.g. Kriterien am besten erfüllt?

Natürlich auf jeden Fall unter Einbeziehung der Nutzer. Hier gibt es aber wiederum eine Vielzahl von Methoden, die zum Einsatz kommen können. In diesem Beitrag möchte ich auf einige dieser Methoden eingehen und aufzeigen, wie diese sinnvoll miteinander kombiniert werden können.

Bewertung in einem Usability-Test

Die erste Möglichkeit, eine Startseite bewerten zu lassen, ist ein Usability-Test. Hier können in einem Interview zentrale Fragen zur Seite geklärt werden. Zudem kann direkt beobachtet werden, wie die Nutzer mit der Seite interagieren, welche Einstiege sie wählen, wie weit sie nach unten scrollen etc. Ein zentraler Vorteil bei dieser Methode ist es, dass auch Eyetracking angewendet werden kann, um abzusichern, ob zentrale Seitenelemente wahrgenommen werden.

Besonders geeignet ist diese Methode, wenn wenn z. B. neben der Startseite auch andere Seitentypen evaluiert werden sollen, die über die Startseite erreicht werden (z. B. Produktdetailseiten bei einem Online-Shop). Auch Fragestellungen zur Handhabung zentraler Interaktionselemente auf der Startseite können so getestet werden. So kann z. B. bei einer Tourismusseite die Verständlichkeit der Suchmaske getestet werden oder die generelle Handhabung der Navigation.

Voraussetzung ist hier natürlich, dass keine statischen Seiten betrachtet werden, sondern dass diese in einem (bedingt) funktionalen Prototyp umgesetzt sind. Denn nur so können auch Interaktionsmöglichkeiten erprobt und bewertet werden.

Ein Vergleich verschiedener Startseiten-Varianten ist in einem Usability-Test ebenso möglich. Hierbei sollte allerdings darauf geachtet werden, den Nutzern (je nach Komplexität der Varianten) nicht zu viele verschiedene Varianten zum Vergleich anzubieten. Dies kann leicht zu Überforderung führen, was wiederum einen Einfluss auf die Bewertung haben kann.

Diskussion von Varianten in einem Kundenblog

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Startseite in einem Kundenblog bewerten zu lassen. Hier können die Nutzer miteinander darüber diskutieren, was ihnen an der Seite besonders gut gefällt und wo sie vielleicht Optimierungsbedarf sehen. Liegen mehrere Varianten für die neue Seite vor, so kann in diesem Rahmen auch z. B. über den Favoriten abgestimmt werden, um einen ersten Eindruck davon zu erlangen, welche Entwürfe ggf. überhaupt nicht auf die Akzeptanz der Nutzer treffen (und warum).

Bei dieser Methode geht es primär darum, den Gesamteindruck der Seite und die Gestaltung und Positionierung einzelner Elemente zu bewerten. Dabei wird zumeist auf statische Seiten zurückgegriffen, sodass z. B. keine Bewertung von Interaktionselementen möglich ist.

Der zentrale Vorteil dieser Variante liegt jedoch darin, dass das Feedback der Nutzer unmittelbar nach Erstellung der Varianten eingeholt werden kann. Sofern nötig, können Varianten auf Basis des Feedbacks noch einmal eingepasst und erneut bewertet werden. Eine erste Abstimmung über die favorisierte Variante gibt zudem Aufschluss darüber, welche Startseitenvariante bei den Nutzern ggf. gar nicht gut ankommt und daher verworfen werden kann. Besonders geeignet ist diese Methode z. B. in frühen Designphasen, in denen eine Vielzahl von Entwürfen zur Diskussion steht, die es weiter zu verdichten gilt.

Methoden sinnvoll kombinieren

Wie Sie sehen, gibt es zur Bewertung einer Startseite verschiedene Methoden, die jeweils unterschiedliche Evaluationsschwerpunkte setzen und für jeweils unterschiedliche Phasen des Designprozesses besonders gut geeignet sind. Natürlich gibt es noch weitere als die hier aufgeführten – die dargestellten Methoden verdeutlichen aber m.E. sehr gut, welche unterschiedlichen Schwerpunkte und Vorteile die einzelnen Methoden bieten. Daher ist es wichtig, diese mit Bedacht und im Hinblick auf die aktuellen Fragestellungen und die aktuelle Designphase auszuwählen.

Idealerweise sollten die daher nicht nur auf eine Methode setzen, sondern diese zu einem Gesamtpaket kombinieren, um eine ganzheitliche Evaluation zu gewährleisten. Dies könnte z. B. so aussehen:

  • Kundeblog und Befragung: Angenommen, Sie haben zunächst mehrere Varianten in einem Kundenblog diskutieren lassen und dort über die favorisierte Variante abstimmen lassen. Nun wissen Sie, welche 2 Varianten besonders großes Potenzial haben. Letztere können Sie ggf. auf Basis der Nutzerkommentare noch einmal optimieren. Offene Fragen z. B. hinsichtlich des Wordings für einzelne Buttons oder Seitenbereiche sollten dann im Nachgang noch in einer Panelbefragung geklärt werden. Ferner können Sie die Varianten hier im Hinblick auf verschiedene Aspekte beurteilen lassen. Da Sie vorab durch die Befragung im Kundenblog schon einzelne Varianten ausschließen konnten, stellen Sie hier sicher, dass nur noch die Top-Varianten ins Rennen gehen.
  • Expert Review und iterativer Klickdummytest: Mit Hilfe von Expertengutachten können sie bereits in der Konzeptionsphase Feedback von Experten einholen und so einzelne Entwürfe schrittweise optimieren und verdichten. In einem nachgelagerten Labtest kann dann final geprüft werden, wie die Nutzer mit der neuen Startseite zurechtkommen bzw. wie sie deren Handhabung bewerten und welche Variante sie am meisten abspricht.

Die richtigen Nutzer einbeziehen

Unabhängig davon, welche Methode(nkombination) Sie wählen – zentral ist es, neben Bestandskunden immer auch Wettbewerberkunden mit in die Evaluation einzubeziehen. So stellen Sie sicher, dass die neue Startseite sowohl bei denjenigen auf Akzeptanz stößt, die Ihre Website bereits gut kennen als auch potenzielle Neukunden/-nutzer anspricht.

Der finale Check…

… sollte dann in einen multivariaten Test erfolgen. In diesem können Sie final klären, welche Variante am besten konvertiert. Durch die vorangegangene Evaluation ist aber an dieser Stelle bereits sichergestellt, dass hier bereits Varianten verglichen werden, die alle einem hohen Standard entsprechen, sodass Sie nur noch die beste unter den besten auswählen müssen.

5 Gedanken zu „Welche ist die beste? – 3 Möglichkeiten, neue Startseitenentwürfe bewerten zu lassen

  1. Timo

    Sehr hilfreicher Beitrag, die Conversationrate ist für mich gerade enorm wichtig. Wie befragt man seine Kunden denn am besten? Einfach eine E-Mail schreiben oder gibt es kostenlose Tools, mit denen man Feedback einfordern kann?

    Und wie kommt man an Wettbewerbskunden um diese zu befragen?

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  5. Andrea Struckmeier Beitragsautor

    Hallo Timo,

    eigene Kunden können z. B. über eine Onsite-Befragung zu bestimmten Themen befragt werden. Vorteil (gegenüber der Mail) ist hier, dass man die Kunden in einer realen Nutzungssituation der Seite „erwischt“. In diesem Zusammenhang kann man die Nutzer dann z. B. auch Fragen, wie zufrieden sie mit dem Besuch der Seite waren, ob sie ihr Ziel erreichen konnten (und falls nein, warum nicht).
    Wettbewerbskunden können z. B. über ein Online-Panel rekrutiert werden. Für z. B. eine Fokusgruppe oder einen Usability-Test können diese mit Hilfe einer Vorbefragung gezielt ausgewählt werden. Wenn es eine Befragung sein soll, ist es möglich, über eine Panelbefragung (und gezielte Filterfragen) Wettbewerbskunden und eigene Kunden zu betrachten und deren Daten miteinander zu vergleichen. Zudem können schon im Vorfeld bestimmte Parameter (Alter, Wohnort, Einkommen etc.) festgelegt werden, damit die Befragung dann nur an diejenige versendet wird, die z. B. auf Basis dieser Kriterien grundsätzlich zur Zielgruppe gehören könnten.

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