Lange suchen um schnell einzusteigen? So werden Quicklinks nicht zum Paradoxon

choice and directions signs

Quicklinks oder Schnellzugriffe wurden einmal angeboten, um häufig nachgefragte Inhalte einfach und direkt zugänglich zu machen. Der Nutzer muss sich also durch keine Navigation klicken und auch keine Suche ausführen – ein Klick und er ist dort, wo er hinmöchte.

Dann kam die Zeit der Schlagworte und damit die Verbreitung von Tagclouds, die häufig mit den Quicklinks konkurrierten. Was ist also heute geworden aus den Schnellzugriffen in der ursprünglichen Form? Gibt es sie noch? Hat sich eine einheitlich Benennung und Positionierung durchgesetzt? Das Ergebnis meiner Recherche auf den Websites von Städten, Universitäten und anderen öffentlichen Einrichtungen ist ernüchternd: Häufig weit unterhalb des sichtbaren Seitenbereichs werden Linksammlungen angeboten, die sehr unterschiedlich überschrieben sind. Im Folgenden werden Beispiele für die Gestaltung von Quicklinks und vor allem positive Fundstücke dargestellt.

Keine Einheitlichkeit auf Bundesebene – dennoch ansprechende Umsetzung

Selbst auf Website mit recht ähnlichen Zielgruppen bzw. ähnlicher Herkunft gibt es sehr unterschiedliche Gestaltungsweisen von Quicklinks. Dies sei am Beispiel der Bundesministerien für Bildung und Forschung; Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie Finanzen verdeutlicht:

BMBF Schlagworte

bmbf.de: Schlagworte als Schnelleinstiege auf der Startseite

BMFFSJ Themen-Lotse

bmfsfj.de: Schöne Umsetzung mit Grafik als Blickfang

BMF

Im ersten Beispiel (BMBF) lautet die Überschrift „Top Schlagworte“ und wird sich wahrscheinlich bei den gängigen Bildschirmauflösungen noch im sofort sichtbaren Seitenbereich befinden. Dieses moderne Element ist übersichtlich gestaltet und die Links gut lesbar. Es wäre höchstens noch zu überlegen, die Begriffe alphabetisch zu sortieren.

Das Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) dagegen bedient sich einer aufmerksamkeitsstarken Grafik und nennt die Schnelleinstiege „Themenlotse“. Die Gestaltung fügt sich gut in das Gesamtbild der Seite ein, auch wenn die Links ohne Scrolling wohl meist nicht erreichbar sind.

Sehr ungewöhnlich stellt sich der Direktzugriff beim Bundesministerium für Finanzen (BMF) dar: Bei Klick auf den Link „Direkt zu“ (rechts oben) öffnet sich ein Layer, der sich über die Seite legt. In diesem können augenscheinlich durch den Nutzer selbst Zugänge gespeichert werden. Andererseits gibt es hier wiederum eine Rubrik „Häufig Nachgefragt“. Es handelt sich also um eine deutliche Ausweitung eines üblichen Schnellzugriffs.

Ist gut positioniert schon halb gewonnen?

Auf Stadtebene werden zumindest Bemühungen deutlich, die Quicklinks weit oben zu platzieren. Ob jedoch links, rechts oder mittig, lässt sich nicht eindeutig erkennen. Der Nutzer muss also manchmal durchaus etwas suchen, was dem Sinn von Schnelleinstiegen jedoch widerspricht.

Heilbronn - schnell gefunden

Stadt Heilbronn: Die Schnelleinstiege sind gut auffindbar und dadurch wirklich nützlich.

Freiburg - schnell zum Ziel

Stadt Freiburg: Schnelleinstiege nach Themen gruppiert.

Bonn Schnelleinstieg

Stadt Bonn: Schnelleinstieg über ein Dropdown-Menü

Die Website der Stadt Heilbronn bietet den Nutzern die Quicklinks sehr prominent an, ohne aufdringlich zu sein. Die Anzahl der Links ist angemessen. Sehr umfangreich sind dagegen die Schnelleinstiege in Freiburg ausgefallen: Sie wurden nach Themen geordnet, um möglichst vielen Nutzungsszenarien gerecht zu werden. Da sie sich allerdings im linken Seitenbereich befinden, stören sie auf dieser Startseite nicht weiter. Immer mal wieder findet man auch noch Schnelleinstiege in Form eines Dropdown-Menüs – so wie auf der Homepage der Stadt Bonn. Leider ist hier jedoch nicht erkennbar, dass sich das Menü bereits bei Mausberührung öffnet. Der Vorteil dieser Variante liegt auf der Hand: Es spart viel Platz. Der Nachteil ist, dass der Nutzer nicht auf den ersten Blick erkennt, ob der von ihm gesuchte Zugang sich in diesem Menü verbirgt.

Es geht auch Englisch – aber bitte selbsterklärend

Interessanterweise sind die Quicklinks auf Uni-Websites oft in der rechten Spalte angeordnet. Daneben wird häufig das englische Wort „Quicklinks“ verwendet, was angesichts des ggf. auch internationalen und gut gebildeten Publikums vertretbar scheint.

Uni Frankfurt Schnelleinstiege

Uni Frankfurt: Schnellstiege in der rechten Spalte und mit deutscher Benennung

Uni Wien Quicklinks

Uni Wien: ebenfalls rechte Spalte und englische Bezeichnung

Uni Hildesheim Quicklinks

Uni Hildesheim: Gerade noch sichtbar, angemessene Anzahl von Links

Die Startseite der Universität Frankfurt wirkt insgesamt sehr aufgeräumt, so dass auch die Schnelleinstiege gut auffindbar sind. Zudem sind die auch inhaltlich gut gewählt – nicht zu allgemein und nicht zu speziell. Auch die Universität Wien ist ein Beispiel für prominente Platzierung. Wie auf vielen Uni-Sites wurde der englische Begriff gewählt. In Hildesheim wurde ebenfalls die rechte Spalte gewählt, was die Auffindbarkeit trotz der Platzierung noch ermöglicht. Auch wurde hier dieselbe farbliche Hinterlegung wie auch bei der Navigation im linken und oberen Seitenbereich gewählt, was eine schöne Konsistenz darstellt.

Eindeutig, überschaubar, hilfreich – so schaffen Quicklinks einen Mehrwert

Quicklinks gibt es also immer noch. Wenn auch teilweise in Form von Schlagwort-Wolken, so haben sie sich doch auf den Homepages von öffentlichen Einrichtungen gehalten und hier auch ihre Daseinsberechtigung. Auch auf anderen Websites können sie eine sinnvolle Ergänzung zur Hauptnavigation darstellen. Folgendes sollte dabei beachtet werden:

  • Im sofort sichtbaren Seitenbereich platzieren: Ja nach Bildschirmauflösung der Nutzer sollten die Schnelleinstiege zumindest teilweise noch direkt erkennbar sein – ihre Nutzungswahrscheinlichkeit sinkt sonst rapide.
  • Eindeutige Überschrift wählen: Ein einheitliches Wording hat sich nicht herausgebildet. Es sollte jedoch deutlich werden, dass man hier „schnell“ oder „direkt“ an ein bestimmtes Ziel springt.
  • Angemessen Umfang anbieten: Quicklinks sollten nicht mehr als 5 bis max. 10 Links enthalten. Mehr sind auf einen Blick nicht mehr erfassbar. In Ausnahmefällen können die Links gruppiert werden.
  • Optional Tagcloud einbinden: Statt einer klassischen Liste mit Links kann eine Schlagwortwolke angeboten werden. Hier muss jedoch in besonderem Maße auf gute Lesbarkeit und aussagekräftige Begriffe geachtet werden.


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Ein Gedanke zu „Lange suchen um schnell einzusteigen? So werden Quicklinks nicht zum Paradoxon

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